Magisterarbeit, 2008
88 Seiten, Note: 1,8
I. ‚Gottes Freund und aller Welt Feind’
II. Historischer Überblick
1. Politische Lage
1.1 Skandinavien und das Haus Mecklenburg
1.2 Ostfriesland
2. Die Hanse
2.1 Entstehung und Entwicklung
2.2 Organisation und Ordnung
2.3 Interessenkonflikte und militärische Interventionen
III. Störtebeker und die Vitalienbrüder
1. Seeräuber, Kaperer, Vitalienbrüder
1.1 Das Aufkommen der Vitalienbrüder
1.2 Entzug der Legitimation und Reorganisation
1.3 Die ostfriesischen Häuptlinge
1.4 Die Auflösung der Vitalienbrüder
2. Klaus Störtebeker als historische Person
2.1 Authentizität Störtebekers
2.2 Wer war Störtebeker?
2.3 Gefangennahme und Hinrichtung
IV. Mythen, Legenden und Sagen
1. Begriffe und Definitionen
1.1 Mythen
1.2 Die Volkserzählungen und die verschiedenen Erzähltypen
1.2.1 Sagen
1.2.2 Legenden
2. ‚Mythos’ Störtebeker in Sage und Legende
2.1 Störtebeker-Erzählungen
2.2 Mythos, Legende oder Sage?
2.3 Störtebekers Laufbahn in Sage und Legende und deren Auswirkungen
V. ‚Karriere’ Störtebekers und neuzeitliche Interpretationen
1. Kunst und Kultur
1.1 Störtebeker-Porträt
1.2 Störtebeker als literarische Gestalt
1.3 Bräuche, Festspiele und Unterhaltungsprogramm
2. Ökonomische Interessen, Medien und Wissenschaft
2.1 Störtebeker in der Konsumkultur
2.2 Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Störtebeker
3. Ideologisierung Störtebekers
VI. Das Konzept des ‚edlen Räubers’
1. Das Banditentum
1.1 Räuber und Räuberbanden
1.2 Sozialbanditentum
1.3 Räuberromantik und der ‚edle Räuber’
2. Störtebeker und die Vitalienbrüder – gemeine Räuberbande oder Sozialbanditen?
2.1 Robin Hood der Meere
2.2 Der Bund der Vitalienbrüder zwischen Raubrittertum, Landsknechten und Räuberbanden
VII. Forschungsausblick und Resümee
1. Was können neue Forschungen noch leisten?
2. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Klaus Störtebeker und die Vitalienbrüder im Kontrast zu ihrer Darstellung in Sagen und Legenden. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen geschichtlicher Realität und mythischer Überhöhung zu analysieren sowie die heutige Rolle Störtebekers als kulturelles und ideologisches Symbol zu beleuchten.
I. ‚GOTTES FREUND UND ALLER WELT FEIND’
„In einem ewigen Kampfe stehen Sage und Geschichte einander gegenüber. Beide beschäftigen sich mit der Vergangenheit. In der Geschichte waltet der herrschende Verstand des Historikers; ihre Aufgabe ist es, die Ereignisse festzustellen, […] das Wahre vom Unwahren und vom Zweifelhaften zu sondern, […] in der Sage dagegen herrscht das Erinnerungsvermögen des Volkes[,] ihr Bestreben ist darauf gerichtet, das Vergangene in einem anschaulichen, lebensvollen Bilde festzuhalten; ihre Methode besteht darin, dass sie den Ereignissen einen bestimmten Mann zum Repräsentanten einen bestimmten Ort zum Hintergrund gibt, und dass sie Dinge, denen solche Gedächtnismarken abhanden gekommen sind, auf andere Männer und Örtlichkeiten überträgt. Zu den Lieblingen der Sage gehört Klaus Störtebeker.“
Was ist dran an der Geschichte, dass Störtebeker ohne Kopf an seinen Kameraden vorbeigelaufen ist um sie vor ihrer Hinrichtung zu retten? Ist die spätmittelalterlichen Seeräuberbande der Vitalienbrüder und Störtebeker als einer ihrer Anführer vergleichbar mit anderen Räuberbanden, und wenn ja, macht das Störtebeker zu einem ‚edlen Räuber’? Welche Bedeutung hat Klaus Störtebeker heute?
Aufgrund seines heutigen Bekanntheitsgrades erstaunt es, dass es wenig historisch gesichertes Quellenmaterial über Störtebeker selbst und seine Aktivitäten als Pirat auf Ost- und Nordsee gibt. Vieles zu seiner Lebensgeschichte ist daher Spekulation anhand von Hinweisen, die vor allem hansische Zeugnisse seiner Zeit und Städtechroniken des späten Mittelalters bieten. Da sich die Forschung bereits im umfangreichen Maße mit der Historizität der Vitalienbrüder und Störtebeker beschäftigt hat, wird hier auf eine erneute Auswertung des Quellenmaterials verzichtet, sondern vielmehr die jeweiligen Forschungstexte im Kontext betrachtet.
I. ‚Gottes Freund und aller Welt Feind’: Einleitung in die Forschungsfrage und das Spannungsfeld zwischen historischer Faktizität und der mythischen Überlieferung um Klaus Störtebeker.
II. Historischer Überblick: Analyse der politischen Lage in Skandinavien, Ostfriesland sowie die ökonomische und machtpolitische Rolle der Hanse als zentraler Akteur im Ostseeraum.
III. Störtebeker und die Vitalienbrüder: Untersuchung der Entstehung der Vitalienbrüder als Kaperer, ihrer Organisation sowie der historischen Person Klaus Störtebeker im Kontext der Quellenlage.
IV. Mythen, Legenden und Sagen: Wissenschaftliche Einordnung der Begriffe und Definitionen von Volkserzählungen und deren Funktion bei der Mythisierung von Störtebeker.
V. ‚Karriere’ Störtebekers und neuzeitliche Interpretationen: Betrachtung der Rezeption in Kunst, Kultur, Medien und Wissenschaft sowie der ideologischen Nutzung der Figur über die Jahrhunderte.
VI. Das Konzept des ‚edlen Räubers’: Theoretische Analyse des Banditentums und Sozialbanditentums und Anwendung dieser Konzepte auf Störtebeker und die Vitalienbrüder.
VII. Forschungsausblick und Resümee: Synthese der Ergebnisse und Bewertung zukünftiger Forschungsmöglichkeiten im Hinblick auf Quellenkritik und moderne Methoden.
Klaus Störtebeker, Vitalienbrüder, Hanse, Seeraub, Sagenforschung, Legenden, Mythos, Sozialbanditentum, Edler Räuber, Nordsee, Ostsee, Mittelalter, Identitätsstiftung, Ideologisierung, Historizität
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der historischen Realität der Piratengruppe der Vitalienbrüder und der nachfolgenden mythischen sowie legendenhaften Darstellung ihres Hauptmanns Klaus Störtebeker.
Zu den Schwerpunkten gehören die Geschichte der Hanse, die Entstehung und Struktur der Vitalienbrüder, die volkskundliche Einordnung von Sagen und Mythen sowie die spätere gesellschaftliche und ideologische Instrumentalisierung Störtebekers.
Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie aus einer historischen Figur ein kulturelles Identitätssymbol wurde und inwiefern Störtebeker den Kriterien eines Sozialrebellen oder „edlen Räubers“ tatsächlich entspricht.
Die Arbeit basiert auf einer kontextuellen Auswertung existierender Forschungsliteratur, Chroniken und Quellen, ergänzt durch eine interdisziplinäre Betrachtung aus historischer, volkskundlicher und soziologischer Perspektive.
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Historie des Spätmittelalters, die Realgeschichte der Vitalienbrüder, die Analyse der Erzählmotive in Sagen sowie die heutige Rezeption in Konsum, Unterhaltung und Ideologie.
Er wird als historisch greifbare, wenn auch quellenmäßig schwer fassbare Figur beschrieben, die erst posthum durch die legendenhafte Überhöhung zum „Robin Hood der Meere“ und zum Sinnbild für sozialen Widerstand gegen die Obrigkeit stilisierte wurde.
Die Hanse versuchte, durch Propaganda die Vitalienbrüder zu dämonisieren, um ihre eigenen Handelswege zu sichern, was jedoch ironischerweise zur „Unsterblichkeit“ Störtebekers in der Sage beitrug.
Die Arbeit führt aus, dass moderne wissenschaftliche Untersuchungen (C14-Datierung) zwar belegen, dass die Schädel aus der Zeit um 1400 stammen, eine eindeutige Identifizierung als Störtebeker jedoch weiterhin spekulativ bleibt.
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