Masterarbeit, 2018
80 Seiten
1. Einleitung
2. Begriffsentwicklung in den Lexika – Ein Jahrhundertüberblick
2.1. Mystik
2.1.1. Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon 1893
2.1.2. LThK 1935
2.1.3. LThK 1962
2.1.4. LThK 1998
2.1.5. Zusammenfassung
2.2. Privatoffenbarung
2.2.1. Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon 1897
2.2.2. LThK 1936
2.2.3. LThK 1963
2.2.4. LThK 1999
2.2.5. Zusammenfassung
2.3. Stigmatisation
2.3.1. Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon 1899
2.3.2. LThK 1937
2.3.3. LThK 1964
2.3.4. LThK 2000
2.3.5. Zusammenfassung
2.4. Wunder
2.4.1. Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon 1901
2.4.2. LThK 1938
2.4.3. LThK 1965
2.4.4. LThK 2001
2.4.5. Zusammenfassung
2.5. Übersicht der wesentlichen Entwicklungsmerkmale
3. Einordnungen
3.1. Joseph Görres (1776-1848)
3.1.1. Theologiegeschichtliche Hintergründe
3.1.2. „Die Christliche Mystik“
3.1.3. Maria von Mörl im Blickfeld Görres‘
3.2. Alois Mager (1883-1946)
3.2.1. Theologiegeschichtliche Hintergründe
3.2.2. Magers Mystik
3.2.3. Therese Neumann
3.3. Karl Rahner (1904-1984)
3.3.1. Theologische Hintergründe
3.3.2. Gnadenlehre und Mystik
3.3.3. Ignatius von Loyola
4. Fazit: Der Fromme von heute – Ein Mystiker?
Die vorliegende Arbeit untersucht die theologiegeschichtliche Entwicklung des Mystik-Verständnisses im katholischen Kontext vom ausgehenden 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, anhand von Lexikonartikeln und den theologischen Ansätzen dreier prägender Persönlichkeiten aufzuzeigen, wie sich der Mystik-Begriff durch gesellschaftliche, politische und wissenschaftliche Umbrüche von einem exklusiven, übernatürlichen Phänomen zu einer alltäglichen, christlichen Erfahrung wandelte.
Die Christliche Mystik
Schwer sich der Brust entwindende Seufzer kündigen die zunehmende Bedrängniß an; den mehr und mehr starrenden Augen entpressen sich Thränentropfen, die langsam über die Wangen niederrinnen. Leichte Zuckungen umspielen den Anfangs nur wenig, dann zunehmend stärker klaffenden Mund; wie ein zum Gewitter sich ausbildendes Wetterleuchten durchzucken sie Anfangs in engern Kreisen, dann immer mehr ausholend in weiteren und weiteren das Angesicht, und wachsen zuletzt zu Convulsionen an, die von Zeit zu Zeit ihren Leib aufs heftigste erschüttern. Jenes bange Aufseufzen hat unterdessen in ein herzzerreißendes Stöhnen sich verwandelt, das aus der angstgepreßten Brust heraufächzt; die Wangen bedecken sich mit dunkler Röthe; die verdickte Zunge scheint am lechzenden Gaumen zu kleben; die Convulsionen werden immer stärker und tiefer einschneidend. Die vor der Brust gefalteten Hände, die Anfangs nur unmerklich gesunken, gleiten nun schneller hinab; die Nägel beginnen sich blau zu färben, und die Finger verschlingen sich krampfhaft ineinander. Bald wird ein Röcheln hörbar in der Kehle; der Athem, immer gepreßter, ringt sich nur mit Mühe aus der wie mit eisernen Banden umfangene Brust; die Züge verstellen sich bis zur Unkenntlichkeit; der Mund des Schmerzensbildes ist jetzt weit geöffnet, die Nase zugespitzt, die starren Augen wollen brechen; in langen Zwischenräumen drängen noch einige röchelnde Athemzüge stockend sich durch die erstarrten Organe: endlich ists, als ob der letzte sich verhauchen wolle; dann neigt sich das Angesicht und das Haupt, mit allen Zeichen des Todes bezeichnet, senkt sich in gänzlicher Erschöpfung, und es ist ein anderes, kaum mehr kenntliches Gesicht, das jetzt gegen die Brust niederhängt.
Anderthalb Minuten etwa bleibt Alles in dieser Stellung: dann richtet das gesunde Haupt sich wieder auf, die Hände werden gegen die Brust erhoben, das Gesicht ist wie im Nachlaß gespannter Federn, in eine ruhige Gestalt zurückgeschlagen; sie kniet nun da beruhigt, das Auge gegen den Himmel aufgeschlagen, und beschäftigt, ihr innerliches Dankgebet darzubringen. Und das wiederholt sich in jeder Woche, und zwar, wie ich bei öfterem scharf aufmerkenden Hinsehen gefunden, jedesmal in den einzelnen Zügen, je nach ihrer innern Stimmung, wechselnd, und nur in den Hauptmomenten sich gleichbleibend – es erscheint nichts falsches, nichts übertriebenes etc.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die begriffliche Unschärfe der Mystik im katholischen Kontext und stellt die Forschungsfrage nach den historischen und theologischen Entwicklungen des Mystik-Begriffs.
2. Begriffsentwicklung in den Lexika – Ein Jahrhundertüberblick: Dieses Kapitel analysiert systematisch die Einträge zu Mystik, Privatoffenbarung, Stigmatisation und Wunder in verschiedenen Auflagen katholischer Lexika, um einen Wandel in der theologischen Einschätzung aufzuzeigen.
3. Einordnungen: Hier werden die theologischen Positionen von Joseph Görres, Alois Mager und Karl Rahner in ihrem jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontext diskutiert und mit den Lexikonartikeln in Beziehung gesetzt.
4. Fazit: Der Fromme von heute – Ein Mystiker?: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und reflektiert die These, dass das mystische Leben im 21. Jahrhundert zunehmend in den Alltag integriert und als "Alltagsmystik" verstanden wird.
Mystik, Theologiegeschichte, Lexikonartikel, Gotteserfahrung, Privatoffenbarung, Stigmatisation, Wunder, Joseph Görres, Alois Mager, Karl Rahner, Christologie, Gnadenlehre, Alltagsmystik, Subjektivierung, katholische Theologie
Die Arbeit untersucht, wie sich das katholische Verständnis von "Mystik" und damit verbundenen Phänomenen wie Wundern oder Stigmatisationen von Ende des 19. bis Ende des 20. Jahrhunderts gewandelt hat.
Die Schwerpunkte liegen auf der begriffsgeschichtlichen Analyse in kirchlichen Lexika sowie der Einordnung dieser Begriffe in die Theologie bedeutender Denker wie Görres, Mager und Rahner.
Das Ziel ist die Erarbeitung des Entwicklungsprozesses des Mystik-Begriffs und die Beantwortung der Frage, wie gesellschaftliche und wissenschaftliche Veränderungen die Sichtweise auf mystische Erfahrungen beeinflusst haben.
Es wird eine historisch-theologische Analyse von Primärquellen (Lexikonartikel) und Sekundärliteratur (theologische Fachliteratur) angewandt, um einen diachronen Vergleich zu ermöglichen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Lexikonartikeln über ein Jahrhundert hinweg sowie die detaillierte Darstellung der Mystik-Konzeptionen von Görres, Mager und Rahner.
Wichtige Begriffe sind Mystik, Alltagsmystik, Objektivierung, Gnadentheologie, Theologiegeschichte und die Auseinandersetzung zwischen Naturwissenschaft und Glauben.
Während frühe Autoren wie Görres Naturerscheinungen noch sehr stark als übernatürlich interpretierten, versuchen spätere Theologen wie Mager und Rahner, mystische Erfahrungen als Teil der menschlichen Existenz in eine zunehmend wissenschaftlich geprägte Welt zu integrieren.
Alltagsmystik beschreibt die Erkenntnis, dass Gott sich dem Menschen nicht nur in außergewöhnlichen Visionen offenbart, sondern in den alltäglichen Akten der Nächstenliebe und in der Selbstmitteilung Gottes in der Welt erfahrbar ist.
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