Magisterarbeit, 2007
107 Seiten, Note: 1,1
1. Hatte das Indogermanische einen voll ausgeprägten Genitiv?
1.1. Wackernagel
1.2. Specht
1.3. van Wijk
1.4. Hirt
1.5. Gamkrelidze und Ivanov
1.6. W.P. Lehmann
1.7. Knobloch
1.8. Kuryłowicz
1.9. Adrados
1.10. Serbat
1.11. Meier-Brügger
1.12. Sommer
1.13. Hofmann
1.14. Zusammenfassung
2. Sprachtypologische Ansätze
2.1. Der ergativische Ansatz
2.1.1. Uhlenbeck
2.1.2. Martinet
2.1.3. Kuryłowicz
2.1.4. Shields
2.2. Der aktivische Ansatz
2.2.1. Merkmale von Aktivsprachen
2.2.2. Gamkrelidze/Ivanov
2.2.3. W.P. Lehmann
2.2.4. K.H. Schmidt
2.2.5. Bauer
2.2.6. Matsumoto
2.3. Andere Ansätze
2.3.1. Villar
2.3.2. Rumsey
2.3.3. Adrados
2.4. Zusammenfassung
3. Akkusativ und Genitiv in den Einzelsprachen
3.1. Verwendung des Akkusativs in den Einzelsprachen
3.1.1. Hethitisch
3.1.2. Altindisch
3.1.3. Avestisch
3.1.4. Griechisch
3.1.5. Lateinisch
3.2. Verwendung des Genitivs in den Einzelsprachen
3.2.1. Hethitisch
3.2.2. Altindisch
3.2.3. Avestisch
3.2.4. Griechisch
3.2.5. Lateinisch
3.3. Zusammenfassung und Gegenüberstellung der gesammelten Daten
3.3.1. Funktionen des Akkusativs
3.3.2. Funktionen des Genitivs
3.3.3. Fazit
4. Zusammenfassung und sprachtypologische Auswertung
4.1. Mögliche Ansätze für das voridg. System und deren Problematik
4.2. Vorteile des aktivischen Ansatzes
5. Abschließende Bemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachtypologische Einordnung des Vorindogermanischen durch eine Analyse von Akkusativ- und Genitivobjekten in den ältesten indogermanischen Einzelsprachen, um zu klären, ob das rekonstruierte System aus einem Ergativ- oder Aktiv-System hervorgegangen ist.
1.1. Wackernagel
Wackernagel vertritt in seinem Aufsatz 'Genetiv und Adjektiv' von 1908 die Auffassung, die indogermanische Grundsprache habe ursprünglich v.a. adverbalen Gebrauch des nominalen Genitivs gekannt, während sich der adnominale Gebrauch erst im Laufe der Zeit aus diesem entwickelte (den partitivischen Gebrauch schließt Wackernagel nicht mit in den adnominalen Gebrauch ein). Stattdessen seien die späteren Genitivfunktionen des Possessivus (hierzu zählt er auch Subjektivus und Definitivus) vorzugsweise adjektivisch ausgedrückt worden.
Während sich der adnominale Gebrauch des Genitivs der Nomina erst in den Einzelsprachen in vollem Umfang entwickelte, „ist der Genetivus adverbalis eine in manchen Sprachen zurückweichende Altertümlichkeit“. So liegt nach Wackernagel im adverbalen und im partitivischen Gebrauch „die eigentliche und ursprüngliche und zur Zeit der Sprachtrennung wol noch durchaus vorwiegende Funktion der sogen Genitivformen“.
Im pronominalen Bereich sei dagegen der adnominale Genitiv bereits grundsprachlich gewesen. So habe zumindest das Demonstrativpronomen in der Grundsprache weder Possessivbildungen gekannt, noch als Vorderglied in Komposita dienen können und sei stattdessen in Fällen, bei denen im Nominalbereich Possessiva (i.e. abgeleitete Adjektiva) oder Komposita zum Einsatz kamen, mit Formen auf *-osyo verwendet worden.
Diese Genitivform *-osyo identifiziert Wackernagel aufgrund des *-o mit einem alten Casus indefinitus, wie er sich auch in der Vordergliedsform der Nomina composita finde. Daher sei ersichtlich, daß der Genitiv der Pronomina „von vornherein auch adnominal“ gewesen sei. Im Nominalbereich sei der adnominale Genitiv dagegen erst durch die Übertragung der pronominalen Endung *-osyo auf die nominalen o-Stämme entstanden.
1. Hatte das Indogermanische einen voll ausgeprägten Genitiv?: Dieses Kapitel untersucht die historische Entwicklung des Genitivs und diskutiert verschiedene Ansätze zu dessen adnominalem oder adverbalem Ursprung.
2. Sprachtypologische Ansätze: Hier werden zentrale Theorien zur typologischen Einordnung des Vorindogermanischen vorgestellt, insbesondere der ergativische und der aktivische Ansatz.
3. Akkusativ und Genitiv in den Einzelsprachen: Dieser Teil bietet eine detaillierte Analyse der Funktionen von Akkusativ und Genitiv in Hethitisch, Altindisch, Avestisch, Griechisch und Lateinisch.
4. Zusammenfassung und sprachtypologische Auswertung: Das Kapitel evaluiert die zuvor vorgestellten Ansätze hinsichtlich ihrer Problematik und hebt die Vorteile der Aktivhypothese hervor.
5. Abschließende Bemerkungen: Hier wird der Wert interner Rekonstruktion trotz methodischer Schwierigkeiten kritisch reflektiert.
Indogermanisch, Vorindogermanisch, Genitiv, Akkusativ, Aktivsprache, Ergativsprache, Kasusmarkierung, Syntax, Morphologie, Sprachstufe, Rekonstruktion, Objektskasus, Sprachwissenschaft, Indogermanistik
Die Arbeit analysiert die sprachtypologische Herkunft des Vorindogermanischen, indem sie die Funktionen von Akkusativ- und Genitivobjekten in frühen indogermanischen Sprachen untersucht.
Die Themenfelder umfassen die Rekonstruktion des indogermanischen Kasussystems, die Unterscheidung zwischen aktivischen und ergativischen Sprachstrukturen sowie die historische Entwicklung von Objektkasus.
Das Ziel ist es, die Frage zu klären, ob das Vorindogermanische ursprünglich eher als Aktiv- oder Ergativsprache einzuordnen ist, und dabei die Rolle des Genitivs und Akkusativs zu bewerten.
Es wird die Methode der internen Rekonstruktion angewandt, ergänzt durch einen sprachtypologischen Vergleich der ältesten indogermanischen Einzelsprachen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Diskussion der Genitiv-Theorien, die Darstellung typologischer Modelle (Ergativ- vs. Aktivansatz) und die detaillierte empirische Betrachtung der Einzelsprachen.
Zentrale Begriffe sind Vorindogermanisch, Akkusativ, Genitiv, Aktivsprache, Ergativsprache, Sprachrekonstruktion und Nominalflexion.
Die Konstruktion dient als Beispiel für den Ausdruck von Besitzverhältnissen in einer Phase, in der noch kein transitives 'haben'-Verb existierte, was als Relikt einer Aktivsprache gedeutet wird.
Das Hethitische wird als besonders wichtiges Zeugnis betrachtet, da es archaische Züge bewahrt hat, die Lehmann und andere als Belege für eine ursprüngliche aktivische Struktur des Indogermanischen interpretieren.
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