Examensarbeit, 2007
92 Seiten, Note: 1,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1 Einleitung
2 Pippi Langstrumpf und ihr internationaler Humor
2.1 Humor - Komik - Lachen
2.1.1 Antike
2.1.2 Mittelalter
2.1.3 Renaissance
2.1.4 Frühe Neuzeit bis Gegenwart
2.1.5 Henrich und seine ursprüngliche Grundform der Komik
2.1.6 Lachen bei Kindern und Erwachsenen
2.2 Wider die Hierarchisierung von kindlicher und erwachsener Komikkultur in der Kinder- und Jugendliteratur
2.3 Komik in der Kinder- und Jugendliteratur – kurzer historischer Abriss
2.4 Komik bei Pippi Langstrumpf
2.5 Pippi Langstrumpf als komische Figur
2.5.1 Komik des Unerwarteten, Überraschenden und Exzentrischen
2.5.2 Komik der äußeren Erscheinung
2.5.3 Komik des grotesken Leibes
2.5.4 Komik des Missverstehens
2.6 Anmerkungen zu Pippis Komik im internationalen Vergleich
3 Text- und Veröffentlichungsgeschichte von Pippi Langstrumpf
3.1 Anfänge der Ur-Pippi
3.2 Humor und Komik im Text von Ur-Pippi und Buch-Pippi
3.2.1 Komik im Verhalten der Ur-Pippi
3.2.2 Komik auf der sprachlichen Ebene der Ur-Pippi
3.2.3 Astrid Lindgrens Haltung zu Ur- und Buch-Pippi
4 Befragung von Schülerinnen und Schülern an ausgewählten Grundschulen in Flensburg zu Pippi Langstrumpf
4.1 Rahmenbedingungen
4.2 Aufbau des Fragebogens
4.2.1 Allgemeines
4.2.2 Differenzierungskriterium Familiensprache
4.2.3 Fragen 1 bis 11
4.3 Durchführung der Fragebogenaktion
4.3.1 Vorbereitung
4.3.2 Auswahl der Geschichte
4.3.3 Bearbeitung des Fragebogens
4.4 Auswertung der Fragebögen
4.5 Darstellung der Ergebnisse
4.5.1 Frage 1 - Vorkenntnisse
4.5.2 Frage 2 - Assoziationen zum Namen „Pippi“
4.5.3 Frage 3 - Körperliche Stärke
4.5.4 Frage 4 - Worüber lachen Kinder in der Geschichte „Pippi geht in die Schule“?
4.5.5 Frage 5 - Einstellung zu Pippis sprachlichem Verhalten
4.5.6 Frage 6 - Pippis Lügengeschichten
4.5.7 Frage 7 - Unberechenbarkeit von Pippis Verhalten
4.5.8 Frage 8 - Groteskes Verhalten
4.5.9 Frage 9 - Wahrnehmung von Pippi als Kasper
4.5.10 Frage 10 - Können auch Erwachsene über Pippi lachen?
4.5.11 Frage 11 - Warum könnte es für dich lustig sein, mit Pippi befreundet zu sein?
4.6 Diskussion der Ergebnisse
4.7 Astrid Lindgren und ihr Verhältnis zu Kindern
4.8 Astrid Lindgren und ihre schriftstellerische Bedeutung für Kinder
5 Resümee und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrnehmung komischer Elemente in Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ durch Kinder aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Ziel ist es zu analysieren, ob sich der Zugang der Kinder zu dieser Romanfigur trotz unterschiedlicher soziokultureller Hintergründe gleicht und welche Rolle Humor und Komik dabei spielen.
3.2.1Komik im Verhalten der Ur-Pippi
Bereits die ursprüngliche Pippi ist mit ungeheuren körperlichen Kräften ausgestattet, die man ihr aber nicht ansieht. Und so kommt es immer wieder zu Konfrontationen, die sich allerdings im Ursprungstext gegen Erwachsene und Kinder gleichermaßen wenden. So werden in einer Auseinandersetzung mit einem Jungen, der zusammen mit Freunden Pippi wegen ihres Aussehens hänselt, sowohl er als später auch sein Vater Opfer von Pippis Körperkräften.97 Im Unterschied zur späteren Version dieser Episode (in der mehrere Jungen deshalb von ihr eine Abreibung bekommen, weil sie zu fünft auf einen kleineren Jungen losgegangen waren) übt Pippi ihre Kräfte noch nicht ausdrücklich zugunsten von Kleineren und Schwächeren aus, sondern ihr Gerechtigkeitssinn ist durchaus auch auf sich selbst bezogen. Ihre Zuschauer (Thomas und Annika) und ihre Leserinnen und Leser sind dennoch Zeugen einer amüsanten körperlichen und schlagfertigen Auseinandersetzung.
Ein weiterer für Pippi-Kenner ungewohnter Wesenszug ist, dass sich die Ur-Pippi durchaus auf Kosten anderer zu amüsieren scheint. Dabei dienen auffällig geformte Körperteile (große Nase, Glatze) als Aufhänger für ihre Kommentare und Aktivitäten. Diese Szenen sind teilweise mehr als geschmacklos und richten sich ebenfalls gegen Erwachsene und Kinder gleichermaßen. So bezeichnet sie die Nase eines Mannes als „Griff“98, mit dem sie entsprechend handgreiflich umgeht, oder fragt eine Frau, die ihren Mann sucht, ob der eine Hasenscharte habe.99 Als sie dieses verneint, antwortet Pippi: „Da hat er Glück gehabt“100 und legt dadurch nicht nur ein verbal freches, sondern aus heutiger Sicht auch behindertenfeindliches Verhalten an den Tag. Dieses muss auch Astrid Lindgren in der Überarbeitung des Textes aufgefallen sein, denn die Episode ist im Buchtext insofern verändert, als es nun ein seinen Vater suchendes Mädchen ist, mit dem Pippi ihren Schabernack treibt.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Pippi Langstrumpf als kulturelles Phänomen ein und stellt die Forschungsfrage, inwiefern Kinder aus verschiedenen Kulturkreisen die Komik der Figur wahrnehmen.
2 Pippi Langstrumpf und ihr internationaler Humor: Dieses Kapitel differenziert die theoretischen Begriffe Humor, Komik und Lachen und analysiert, wie diese in der Kinder- und Jugendliteratur historisch und spezifisch bei Pippi Langstrumpf eingebettet sind.
3 Text- und Veröffentlichungsgeschichte von Pippi Langstrumpf: Es wird die Genese der Figur beleuchtet, insbesondere der Unterschied zwischen der ursprünglichen Manuskriptfassung („Ur-Pippi“) und der späteren, geglätteten Buchfassung hinsichtlich komischer Aspekte.
4 Befragung von Schülerinnen und Schülern an ausgewählten Grundschulen in Flensburg zu Pippi Langstrumpf: Der empirische Teil beschreibt die Durchführung der Befragung von 89 Kindern und präsentiert sowie diskutiert die Ergebnisse hinsichtlich ihres Verständnisses für Pippis komische Verhaltensweisen.
5 Resümee und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, dass Kinder unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund sehr ähnlich auf die Komik von Pippi reagieren, und regt weitere geschlechtsspezifische Untersuchungen an.
Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren, Humor, Komik, Kinderliteratur, Rezeptionsgeschichte, Interkulturalität, Empirische Untersuchung, Grundschule, Ur-Pippi, kindliche Komik, Sprachwitz, Migrationshintergrund, Figurenkomik, Situationskomik
Die Arbeit untersucht die komische Wirkung der Romanfigur Pippi Langstrumpf auf Kinder im Grundschulalter und analysiert, ob kulturelle Unterschiede bei der Wahrnehmung dieser Komik eine Rolle spielen.
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Ansätzen zur Komik in der Kinderliteratur, der Veröffentlichungsgeschichte von Pippi Langstrumpf sowie einer empirischen Studie zur Wahrnehmung dieser Figur durch Kinder mit und ohne Migrationshintergrund.
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, ob Kinder aus verschiedenen Kulturkreisen „Pippi Langstrumpf“ ähnlich komisch finden oder ob ihre kulturelle Prägung ihre Wahrnehmung des Humors und des komischen Verhaltens der Figur maßgeblich beeinflusst.
Die Arbeit kombiniert einen theoretischen Literaturteil über Humor- und Komiktheorien mit einer empirischen Untersuchung, bei der Fragebögen von 89 Grundschulkindern ausgewertet wurden.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen von Komik erläutert, dann die Unterschiede zwischen der „Ur-Pippi“ und der bekannten Buchfassung analysiert und schließlich die Ergebnisse der Befragung an Flensburger Grundschulen detailliert dargestellt.
Die wichtigsten Begriffe sind Pippi Langstrumpf, kindliche Komik, transkulturelle Rezeption, Ur-Pippi, Identifikationsfigur und komische Figurenanalyse.
Die Studie zeigt überraschenderweise, dass es entgegen der Vermutung nur geringe Unterschiede gibt; alle Kinder zeigen ein hohes Verständnis für Pippis Komik, wobei Kinder nicht-deutscher Herkunft teilweise eine höhere sprachliche Sensibilität zeigten.
Der Vergleich verdeutlicht, wie Astrid Lindgren durch gezielte Überarbeitung des Textes das „provokante“ Element milderte, um Pippi zu einer für Kinder zugänglicheren Identifikationsfigur zu machen, ohne ihre komische Kraft zu verlieren.
Die Mehrheit der befragten Kinder empfindet Pippis Unberechenbarkeit nicht als störend, sondern verbindet damit primär Spaß und Freude an der ungewöhnlichen Lebensweise der Figur.
Viele Kinder identifizieren Pippi als „Kasperlefigur“, da ihr naives oder scheinbar dummes Verhalten in bestimmten Situationen den Erwachsenen gegenüber dem kindlichen Humor entspricht und ihnen ein Gefühl der Überlegenheit gibt.
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