Masterarbeit, 2020
94 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Didaktische Begründung für die Behandlung von Verschwörungstheorien im Deutschunterricht
3. Verschwörungstheorien
3.1 Definitionsansatz
3.2 Unterscheidung von „gemäßigten“ und „totalen“ Verschwörungstheorien
3.3 Verschwörungstheorien als Textsorte
3.4 Arbeitsdefinition
4. Grenzen von Fakt und Fiktion
4.1 Fiktionale vs. Faktuale Texte
4.2 Fake
4.3 Faketionales Erzählen
5. Lesekompetenzmodelle
6. Medienkompetenz
7. Kenntnisse und Kompetenzen für den Umgang mit konspirativen Inhalten im Deutschrap
8. Analyse
8.1 Shah Reza – „Letzte Wa(h)rnung“ (14.04.2014)
8.1.1 Semantisches Textverständnis
8.1.2 Ästhetische Aufmerksamkeit
8.1.3 Ideolektales Textverständnis
8.1.4 Emotionale Rezeptionssteuerung
8.1.5 Faktuales Fachwissen
8.1.6 Medienkompetenz und Intertextualität
8.1.6.1 „Protokolle der Weisen von Zion“
8.1.6.2 Springmeier (1965) - „Bloodlines of the Illuminati“
8.2 Casper – „Morgellon“ (01.09.2017)
8.2.1 Semantisches Textverständnis
8.2.2 Ästhetische Aufmerksamkeit
8.2.3 Ideolektales Textverständnis
8.2.4 Emotionale Rezeptionssteuerung
8.2.5 Faktuales Fachwissen
8.2.6 Medienkompetenz und Intertextualität
9. Fazit
Diese Arbeit untersucht, welche Kenntnisse und Kompetenzen Schüler*innen benötigen, um im Deutschunterricht konspirative Inhalte in Raptexten kritisch zu analysieren und zu durchschauen, anstatt diese unreflektiert zu übernehmen.
8.1.1 Semantisches Textverständnis
Der zentrale Inhalt von Shah Rezas „Letzte Wa(h)rnung“ ist die Präsentation aktueller gesellschaftspolitisch relevanter Ereignisse und deren Erklärung durch vermeintliche Verschwörungen. So appelliert der Erzähler, der sich selbst als „Shah Reza“ präsentiert, an die Menschheit, endlich aufzuwachen und zu erkennen, dass diejenigen, die in den Medien als Auslöser gesellschaftlich relevanter Ereignisse, wie dem Arabischen Frühling, benannt werden, nicht die tatsächlichen Drahtzieher sind. Stattdessen werden beispielsweise die USA, die Illuminati und hier speziell die Juden als Schuldige des Elends auf der Welt benannt. So hält Shah Reza etwa fest, dass in der Wallstreet „die großen Gangster“ sitzen und verweist auf die „Rothschilds“ und die „Rockefellers“ als Stellvertreter für das Judentum. Der Protagonist äußert sich zudem kritisch zu anderen deutschen Rappern wie Haftbefehl oder Kollegah, die seiner Meinung nach die Jugend auf den falschen Weg bringen und ihren Kampf gegen angebliche Verschwörungen nur heucheln würden. Außerdem problematisiert er den Nah-Ost-Konflikt und die Rolle Israels und positioniert sich hiermit deutlich auf der anti-israelischen Seite.
Dabei wird den angeblichen Verschwörern ein klarer Intentionalismus vorgeworfen, der in den Lyrics versprachlicht wird. So wird einer Gruppe, die zunächst nur mit „so viele“ beschrieben wird, vorgeworfen, die Menschen zu „manipulieren“ und somit eine bewusste, zielgerichtete Beeinflussung vorzunehmen, um die Menschheit zu täuschen. Dabei handele es sich um „Lügen“, also bewusste Falschaussagen, die es der besagten Gruppe ermöglichen, die Bevölkerung mit falschen Informationen zu versorgen. Eine konkrete Täterbenennung sind hier beispielsweise die „USA“, denen der Protagonist vorwirft, die Situation der arabischen Länder Irak, Afghanistan, Syrien, Ägypten, Jemen und Libyen „ausgenutzt“ und sich aus der politisch schwierigen Situation der Länder im Rahmen des Arabischen Frühlings zu Beginn der 2010er-Jahre bewusst einen Vorteil verschafft zu haben. Er wirft ihnen vor, dass damals stattfindenden Revolutionen alle „geplant“ gewesen seien und die „Taktik“ dahinter gewesen sei, die genannten Staaten zu desensibilisieren, um in ihnen die Kontrolle übernehmen zu können. Die Machenschaften der Systeme benennt er als „luziferische[n] Pläne[n]“, womit gleichzeitig der Intentionalismus unterstrichen und durch die Assoziation mit dem Teufel eine negative Wertung vorgenommen wird.
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Zunahme konspirativer Inhalte und begründet die Notwendigkeit, diese im Deutschunterricht kritisch zu behandeln.
2. Didaktische Begründung für die Behandlung von Verschwörungstheorien im Deutschunterricht: Dieses Kapitel erläutert, warum die Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien für die Demokratiebildung und Medienkompetenz in der Schule essentiell ist.
3. Verschwörungstheorien: Hier werden Definitionen sowie Formen von Verschwörungstheorien theoretisch erarbeitet und als Textsorte kontextualisiert.
4. Grenzen von Fakt und Fiktion: Es wird untersucht, wie konspirative Texte die Grenze zwischen faktualen und fiktionalen Erzählweisen verwischen.
5. Lesekompetenzmodelle: Dieses Kapitel analysiert, inwiefern bestehende Lesekompetenzmodelle den Anforderungen an die Analyse konspirativer Texte gerecht werden.
6. Medienkompetenz: Es wird die Bedeutung von Medienkompetenz für den Umgang mit digital verbreiteten, teils manipulativen Informationen herausgearbeitet.
7. Kenntnisse und Kompetenzen für den Umgang mit konspirativen Inhalten im Deutschrap: Hier wird die Relevanz des Deutschrap als Motivationsinstrument für den Unterricht diskutiert.
8. Analyse: In diesem Kapitel werden zwei exemplarische Rap-Tracks anhand der zuvor erarbeiteten Kriterien linguistisch und inhaltlich analysiert.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht das Potenzial von Raptexten für die präventive Bildungsarbeit im Deutschunterricht.
Verschwörungstheorien, Deutschunterricht, Medienkompetenz, Deutschrap, Lesekompetenz, Fake News, Intentionalismus, Fiktion, Fakt, Narration, Antisemitismus, Intertextualität, Medienkritik, politische Bildung, Textanalyse
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Verschwörungstheorien im Deutschunterricht, insbesondere mit deren Auftreten in Raptexten und wie Schüler*innen im Umgang damit gefördert werden können.
Die Arbeit behandelt Didaktik, Medientheorie, Narratologie, die Analyse von Raptexten und die Vermittlung kritischer Medienkompetenz.
Das Ziel ist es zu untersuchen, welche Kompetenzen Schüler*innen benötigen, um konspirative Narrative in Rap-Texten zu identifizieren und kritisch zu hinterfragen.
Es wird eine theoretische Auseinandersetzung mit Begriffsdefinitionen und Kompetenzmodellen geführt, gefolgt von einer exemplarischen Analyse konkreter Rap-Tracks.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Verschwörungstheorien, Medien- und Lesekompetenz sowie die detaillierte Analyse der Songs von Shah Reza und Casper.
Zentrale Begriffe sind Verschwörungstheorien, Medienkompetenz, Deutschunterricht, Raptext-Analyse und kritische Lesekompetenz.
Diese Unterscheidung wird genutzt, um Verschwörungstheorien hinsichtlich ihres Anspruchs und ihrer strukturellen Komplexität einzuordnen, wobei "totale" Theorien oft eine umfassende Welterklärung anstreben.
Da Deutschrap ein Genre ist, das von Jugendlichen häufig konsumiert wird und in dem konspirative Narrative inhaltlich verankert sind, bietet er eine motivierende Möglichkeit für den schulischen Kontext.
Der Intentionalismus ist ein zentrales Merkmal der untersuchten Texte, da den Verschwörern bewusste, manipulative Absichten zur Täuschung der Menschheit unterstellt werden.
Die Texte nutzen Suggestion und eine klare Gut-Böse-Dichotomie, um Ängste zu schüren und Feindbilder zu etablieren, weshalb ein kritischer Zugang durch die Lernenden unerlässlich ist.
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