Bachelorarbeit, 2007
35 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das ,Mutterland‘: Herausbildung des modernen Fußballs in England
3. Turnen – der ,Sport‘ im Deutschland des 19. Jahrhunderts
4. Der Fußball kommt nach Deutschland: Die Anfänge im Kaiserreich
4.1 Pionierarbeit durch Engländer und Konrad Koch
4.2 Erste Vereinsgründungen, erste Spiele
4.3 Eine Sache des Bürgertums und der Mittelschichten
4.4 Arbeiter im Fußball
4.5 Vorbehalte gegen den neuen Sport
5. Um die Jahrhundertwende: Organisation und ,Eindeutschung‘ des Fußballs
5.1 Der Deutsche Fußball-Bund schafft Strukturen
5.2 Nationale Aneignung: Fußball wird ein ,deutsches‘ Spiel
5.3 Tendenz zur Militarisierung und politischen Funktionalisierung des Fußballs?
5.4 Der DFB zwischen ,Lobbyarbeit‘ und nationalem Konservatismus
6. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einführung und Verbreitung des Fußballsports in Deutschland im Zeitraum von den 1870er-Jahren bis zum Ersten Weltkrieg. Dabei steht die Analyse der gesellschaftlichen Akteure, der hemmenden sowie fördernden Umstände und die Rolle des Deutschen Fußball-Bundes im Kontext nationaler Bestrebungen und gesellschaftlicher Milieus im Mittelpunkt der Untersuchung.
4.1. Pionierarbeit durch Engländer und Konrad Koch
Entscheidenden Anteil daran, dass der Ball im 19. Jahrhundert überhaupt erstmals in Deutschland rollte, hatten englische Bürger und Adlige, die etwa als Arbeitnehmer dauerhaft hier lebten, sich als Touristen längerfristig hier aufhielten oder gar verwandtschaftliche Beziehungen mit deutschen Herrscherhäusern hatten. Eine besondere Rolle spielten dabei die „Engländerkolonien […], die sich […] in Handelszentren wie Hamburg, Berlin und Frankfurt, in Residenzstädten wie Hannover, Braunschweig und Dresden und in Modebädern wie Baden-Baden, Wiesbaden und Cannstatt angesiedelt hatten“. Gemeinsame sportliche Betätigungen wie Lawn-Tennis, Leichtathletik, Hockey, Rudern, Rollschuhlaufen, Angeln und eben Fußball, die so genannten english sports, erfüllten neben dem Zeitvertreib auch die Funktion der Identitätswahrung und -vergewisserung englischer Staatsbürger im Ausland. Schlichtweg aus Spielermangel kamen junge Deutsche mit dem Spiel in Berührung, wenn sie die Mannschaften verstärkten. Mannschaftsspiele mit Wettkampfcharakter konnten in Deutschland zu diesem Zeitpunkt an keine Tradition anknüpfen.
Pionierarbeit auf deutscher Seite leistete vor allem der Braunschweiger Pädagoge, Philologe und Theologe Prof. Dr. Konrad Koch (1846-1911), dem seitens der Forschung die Rolle des Gründervaters des deutschen Fußballs zugesprochen wird. Als Lehrer führte er 1872 am Braunschweiger Gymnasium Martino-Katharineum (in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen August Hermann) die so genannten Spielnachmittage ein, die später obligatorisch wurden und bei denen der Fußball eine zentrale Stellung einnahm. Koch war bereits seit seinem Studium mit dem englischen Spielleben vertraut und von dessen erzieherischem Wert überzeugt. Seine pädagogische Maxime war es, die Schüler zu Selbstdisziplin, eigenverantwortlichem und selbstständigem Verhalten und Handeln zu erziehen. Obwohl Koch in der Turnertradition stand, hielt er Fußball für besser geeignet als die gängige Form der Leibeserziehung, nicht zuletzt, weil dieser Sport mehr dem Gemeinschaftssinn der Schüler entsprach.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Fußballs als historischer Untersuchungsgegenstand ein und skizziert die Fragestellung nach den Faktoren und Trägern seiner Verbreitung in Deutschland.
2. Das ,Mutterland‘: Herausbildung des modernen Fußballs in England: Dieses Kapitel erläutert die englische Genese des modernen Fußballs, von den mittelalterlichen Wurzeln bis zur Institutionalisierung durch die Football Association 1863.
3. Turnen – der ,Sport‘ im Deutschland des 19. Jahrhunderts: Hier wird das Turnen als dominierende Form der Leibesertüchtigung und ihr Beitrag zur nationalen Identitätsbildung sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für neue Sportarten analysiert.
4. Der Fußball kommt nach Deutschland: Die Anfänge im Kaiserreich: Dieses Kapitel beschreibt die frühe Etablierung des Fußballs durch Einzelpersonen und Schulen sowie die soziale Zusammensetzung der ersten Vereine im Kaiserreich.
5. Um die Jahrhundertwende: Organisation und ,Eindeutschung‘ des Fußballs: Der Fokus liegt auf der Gründung des DFB, der sprachlichen und inhaltlichen Anpassung des Spiels an deutsche kulturelle Normen sowie den Versuchen einer politischen Funktionalisierung.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert die Entwicklungsschritte des Fußballs bis 1914 und bewertet die Bedeutung von Strukturaufbau und nationaler Aneignung für den späteren Erfolg als Volkssport.
Fußball, Kaiserreich, Deutschland, Konrad Koch, Deutscher Fußball-Bund, DFB, Turnen, Vereinsgründungen, Eindeutschung, Sportgeschichte, Mittelschicht, Arbeiterfußball, Identitätsstiftung, England, Spielbewegung
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung und der Verbreitung des Fußballsports in Deutschland zwischen den 1870er-Jahren und dem Vorabend des Ersten Weltkriegs.
Zentrale Themen sind der Transfer des Sports aus England, die Rolle der Schulen und Vereine, die soziale Trägerschaft durch das Bürgertum, der Konflikt zwischen Turnerschaft und Fußball sowie die organisatorische Festigung durch den DFB.
Die Arbeit untersucht die Faktoren für die Verbreitung des Spiels, identifiziert die sozialen Träger dieser Entwicklung und klärt die gesellschaftlichen und politischen Umstände, die den Etablierungsprozess beeinflussten.
Die Arbeit folgt einem historisch-analytischen Ansatz unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen, fachwissenschaftlicher Literatur und der Analyse sozio-kultureller Prozesse im Kaiserreich.
Im Hauptteil werden die Frühphase des Fußballs im Kaiserreich, die Rolle von Pionieren wie Konrad Koch, die Vereinsstrukturen sowie die nach der Jahrhundertwende einsetzende "Eindeutschung" und die DFB-Politik detailliert untersucht.
Die wichtigsten Schlagworte sind Fußball, Kaiserreich, Eindeutschung, Konrad Koch, Deutscher Fußball-Bund (DFB), bürgerliche Mittelschichten und das Spannungsfeld zwischen Turnen und modernem Sport.
Neben hohen Anschaffungskosten für die Ausrüstung fehlte es der Arbeiterschaft oft an der nötigen Freizeit und am passenden Freizeitbewusstsein. Zudem war der Fußball bürgerlich geprägt, was "klassenbewusste" Arbeiter zur Abgrenzung motivierte.
Die Schrift dient als repräsentatives Dokument für die konservative Ablehnung des Fußballs. Sie verdeutlicht die Ressentiments gegen ausländische Einflüsse und den Versuch, das "deutsche Turnen" gegen den "modernen Sport" zu verteidigen.
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