Examensarbeit, 2008
57 Seiten, Note: 1,0
1. EINFÜHRUNG
1.1. Sitz im Leben
1.2. Der Dekalog
1.2.1. Die Doppelüberlieferung
1.2.2. Der Widerspruch zwischen Zehnernorm und Anzahl der Gebote
1.2.3. Die Entstehung in mythologischer und formkritischer Perspektive
1.2.4. Vorsätzliche und fahrlässige Tötung im Alten Testament
2. BEDEUTUNG DES VERBES RAZACH
2.1. razach innerhalb der Restgruppe
2.1.1. Deuteronomium 22,26
2.1.2. Richter 20,4
2.1.3. 1 Könige 21,19
2.1.4. 2 Könige 6,32
2.1.5. Hosea 6,9
2.1.6. Psalmen 62,4
2.1.7. Psalmen 94,4
2.2. razach innerhalb der Trias von Töten, Ehebrechen und Stehlen
2.3. razach innerhalb der Asylgesetze
2.3.1. Deuteronomium 19
2.3.2. Josua 20,1-9
2.3.3. Deuteronomium 4,41-43
2.3.4. Numeri 35,9-34
2.3.5. Genesis 9,6
2.4. Fazit der Bedeutungsanalyse
2.4.1. Der Tatbestand
2.4.2. Die Übersetzung razachs
2.4.3. Der Geltungsbereich des Tötungsverbot im Alten Testament
2.4.3.1. Die Tiertötung
2.4.3.2. Die Todesstrafe
2.4.3.3. Die Vernichtungsweihe
2.4.3.4. Der Krieg
2.4.3.5. Die Selbsttötung / Selbstopferung
3. LEGITIMIERTES TÖTEN IN UNSERER ZEIT
3.1. Indirekte Tötung
3.1.1. Indirekte Tötung- Ein Eingrenzungsversuch
3.1.2. Selbstmord oder Selbsttötung?
3.2. Die Selbsttötung und Selbstopferung
3.2.1. Gott als Herr des Lebens
3.2.2. Aufopfernde Selbsttötung
3.2.3. Resümee
3.3. Notwehr
3.3.1. Nothilfe
3.3.2. Notwehr als indirekte Tötung oder Tötung eines Schuldigen
3.3.3. Resümee
3.4. Der gerechte und der ungerechte Krieg - Meilensteine einer Diskussion
3.4.1. Von Konstantin bis Luther
3.4.2. Zum gerechten Krieg unter Berücksichtigung des Katechismus der Katholischen Kirche
3.4.2.1. Das Recht zur Verteidigung
3.4.2.2. Die im Krieg zu beachtenden Grundsätze
3.4.3. Der Soldat als Mörder?
3.4.4. Christus und die Soldaten
4. FAZIT
Die vorliegende Arbeit untersucht die alttestamentliche und sozialethische Bedeutung des „fünften Gebots“ („Du sollst nicht töten!“). Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie sich dieses Gebot auf die Berufsgruppe der Soldaten und auf moderne ethische Dilemmata in Bezug auf militärische Gewalt und Selbsttötung anwenden lässt.
1.2.4. Vorsätzliche und fahrlässige Tötung im Alten Testament
Das Hebräische kennt für das Verbrechen Mord drei Verben (harag, razach und qatal), die sowohl einen Mord als auch eine Tötung ausdrücken. Zwischen vorsätzlichem Mord und fahrlässiger Tötung wird jedoch generell unterschieden und daher ist zu untersuchen, wie explizit diese Unterscheidung stattfindet.
Im Alten Testament finden wir drei Stellen, die die Taten näher beschreiben. Nach Exodus 21,12f. liegt ein Mord vor, wenn die Tat mit Hinterlist begangen worden ist. In Numeri 35,20f. und Deuteronomium 19,11 wird dieser Tatbestand erfüllt, wenn Hass und Feindschaft gegen den Getöteten geherrscht haben. In Numeri 35,16ff. wird durch die Tatwaffe auf das Motiv des Täters zurückgeschlossen und dadurch eine Abgrenzung vorgenommen. Es wird gesagt, der Täter habe eindeutig einen Mord begangen, wenn die Waffe aus Eisen, Stein oder Holz besteht, und für Mord wird die Todesstrafe gefordert.
Kein Mord liegt bei kriegerischen Auseinandersetzungen oder bei Raubzügen vor, wenn man Blutrache ausübt, als betrogener Ehemann einen Mord begeht oder einen Einbrecher in der Nacht erschlägt. Zudem wird eine Ausnahme bei einem Mord innerhalb der Familie gemacht. „Innerhalb der Sippe gilt nicht die lex talionis“, die versucht, zwei Bereiche zu erfassen: Auf der einen Seite das Anliegen, das Vergehen zu bestrafen und auf der anderen Seite das Anliegen, Sühne für eine begangene Tat zu fordern.
1. EINFÜHRUNG: Diese Einleitung thematisiert die Aktualität des Tötungsverbots und stellt die persönliche Motivation des Autors dar, die Bedeutung des Gebots für den Soldatenberuf zu untersuchen.
2. BEDEUTUNG DES VERBES RAZACH: In diesem zentralen Kapitel wird das hebräische Verb „razach“ philologisch untersucht, um zwischen verschiedenen Arten von Tötung im Alten Testament zu differenzieren.
3. LEGITIMIERTES TÖTEN IN UNSERER ZEIT: Hier erfolgt ein Transfer der alttestamentlichen Befunde auf moderne ethische Probleme wie indirekte Tötung, Notwehr und die Rechtfertigung des Krieges.
4. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass eine einseitige Interpretation des Tötungsverbots den komplexen moralischen Herausforderungen in der heutigen Zeit nicht gerecht wird.
Dekalog, Tötungsverbot, razach, Mord, Totschlag, Altes Testament, Soldat, gerechter Krieg, Notwehr, indirekte Tötung, Selbsttötung, Selbstopferung, christliche Ethik, Menschenwürde, Katechismus
Die Arbeit untersucht das alttestamentliche Tötungsverbot „Du sollst nicht töten!“ und dessen ethische Bedeutung in Bezug auf moderne Fragestellungen wie den Soldatenberuf und Grenzfälle des Lebensschutzes.
Die Schwerpunkte liegen auf der philologischen Exegese des hebräischen Verbes „razach“, der Analyse biblischer Gesetze und der Diskussion christlich-ethischer Positionen zu Gewalt, Notwehr und Krieg.
Ziel ist es, eine differenzierte Auslegung des Dekalog-Gebots zu entwickeln, die über eine pauschale Ablehnung jeglichen Tötens hinausgeht und die moralische Verantwortung in legitimen Konfliktsituationen beleuchtet.
Der Autor nutzt die historisch-kritische Exegese alttestamentlicher Texte sowie eine systematisch-theologische Analyse unter Einbeziehung ethischer Diskurse und kirchlicher Verlautbarungen.
Im Hauptteil wird zunächst die Bedeutung von „razach“ im Alten Testament analysiert, gefolgt von einer ethischen Diskussion über Notwehr, indirekte Tötung, den „gerechten Krieg“ und die moralische Rolle von Soldaten.
Zentrale Begriffe sind der Dekalog, „razach“, Selbsttötung, Notwehr und die moralische Verantwortung des Soldaten im Kontext von Kirche und Staat.
Die Unterscheidung erfolgt anhand der im Alten Testament vorliegenden Tatbestände: „razach“ bezeichnet im biblischen Kontext oft eine verwerfliche Gewalttat gegen Schwache, während fahrlässige Tötungen durch andere Tatbestände und juristische Rahmenbedingungen (wie Asylstädte) geregelt werden.
Das Konzept der indirekten Tötung dient dazu, Handlungen moralisch zu bewerten, bei denen der Tod eines Menschen als unbeabsichtigte, aber voraussehbare Folge einer anderen, legitimierten Handlung eintritt, ohne dass eine Tötungsabsicht vorliegt.
Die Arbeit lehnt eine pauschale Verurteilung von Soldaten als „Mörder“ ab und betont, dass moralisches Handeln von der persönlichen Urteilsfähigkeit und der Verantwortung des Einzelnen abhängt, auch in schwierigen militärischen Einsatzszenarien.
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