Magisterarbeit, 2003
121 Seiten, Note: sehr gut
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung
1.1 Forschungsgegenstand
1.2 Forschungsstand und Quellenlage
2. Die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“
2.1 Konzeption
2.2 Kontext
3. Die Wehrmacht in der historischen Forschung
4. Die Legende der „sauberen Wehrmacht“
4.1 Was besagt sie?
4.2 Die Entstehung der Legende
4.3 Die Konsolidierung des Mythos in den 50er Jahren
4.4 Das Bild der Wehrmacht in der Gesellschaft
4.5 Fazit
5. Ende eines Mythos? Reaktionen auf die Ausstellung „Vernichtungskrieg“
5.1 Die deutsche Gesellschaft: „Die Schuld ist wieder näher gerückt“
5.1.1 Die Erinnerung der Kriegsteilnehmer
5.1.1.1 Wo sind die Täter?
5.1.1.2 Bewahrung des positiven Selbstbildes
5.1.1.3 Befürworter der Ausstellung
5.1.1.4 Rechtfertigungsstrategien und Abwehrmechanismen ehemaliger Soldaten
5.1.1.5 „... das nicht sein kann, was nicht sein darf“
5.1.2 Die Generation der Söhne und Töchter
5.1.2.1 Wunsch nach Gewißheit
5.1.2.2 Die Schrecken der Bilder
5.1.2.3 Das Schweigen als Schuld der Väter
5.1.2.4 Persönliche Schuld der Kinder des „Dritten Reiches“?
5.1.2.5 Die Folgen der Verdrängung
5.1.3 Der Umgang der Enkel mit der jüngsten Geschichte
5.1.4 Fazit
5.2 Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland
5.2.1 Die Funktion der Wehrmacht im Holocaust
5.2.2 Eine gespenstische Diskussion um Differenzierung
5.2.3 Fazit
5.3 Die radikalen Gegner der Ausstellung: „Tribunal gegen deutsche Soldaten“
5.3.1 Erscheinungsformen des Protestes
5.3.1.1 Das Presseecho
5.3.1.2 Briefe
5.3.1.3 Demonstrationen
5.3.1.4 Anschläge
5.3.1.5 Klagen
5.3.2 Abwehrfront der Veteranenverbände
5.3.3 Die Sprecher der konservativen Opposition
5.3.3.1 Günther Gillessen
5.3.3.2 Rüdiger Proske
5.3.3.3 Helmut Schmidt
5.3.3.4 Alfred Dregger
5.3.4 Rechtsextremer Aufmarsch in München
5.3.5 Fazit
5.4 Der Konflikt um die offizielle politische Anerkennung der Ausstellung „Vernichtungskrieg“
5.4.1 Die Kontroverse in München
5.4.2 „Bremen ist nicht München“
5.4.3 Die Bundestagsdebatte
5.4.4 Fazit
5.5 Das Bild der Wehrmacht in der Bundeswehr
5.5.1 Neugründung oder Nachfolgeorganisation?
5.5.2 Die Traditionsdebatte
5.5.3 Die Resonanz der Bundeswehr auf die Ausstellung
5.5.4 Fazit
5.6 Die Rezeption in der Fachwelt
5.6.1 Die Ausstellung als Chance zur Aufklärung
5.6.2 Forderung nach Differenzierung
5.6.3 Eine neue Dimension der Kritik
5.6.4 Die Ergebnisse der Kommission
6. Bilanz
Die Arbeit analysiert die kontroversen gesellschaftlichen und politischen Reaktionen auf die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie verschiedene Generationen und gesellschaftliche Gruppen in Deutschland auf die Konfrontation mit der Mitschuld der Wehrmacht an den Verbrechen im Osten reagierten und wie diese Reaktionen das Bild der Wehrmacht sowie die deutsche Erinnerungskultur nachhaltig veränderten.
4.2 Die Entstehung der Legende
Bereits während des Zweiten Weltkrieges wurden von der Wehrmacht selbst Versuche unternommen, ihre Verbrechen zu vertuschen. Die bewußte Verschleierung ihrer Taten deutet darauf hin, daß die Soldaten um ihre Schuld wußten. Dies bestätigen nicht zuletzt Zeitzeugenaussagen, die sich vor der Rache der sowjetischen Soldaten fürchteten.
Es gab spezielle Sprachregelungen, die aus Verbrechen „Säuberungen“ und „Aussiedlungen“ machten, Feinddefinitionen sprachen bei Frauen und Kindern von Kundschaftern und bei Juden von Plünderern und Partisanen. Die verbrecherischen Befehle wurden weitgehend mündlich an die Untergebenen weitergereicht und in den Akten als notwendige Aktionen gegen Partisanen vertuscht. Außerdem achtete man darauf, daß bei den Exekutionen nur wenige Zeugen anwesend waren beziehungsweise Beweise wie Fotografien zu verhindern. Weiter war es den Soldaten streng verboten, etwas davon in Briefen an die Heimat zu erwähnen. Doch all diese Maßnahmen konnten nicht verhindern, daß die Verbrechen bekannt wurde, nicht zuletzt dadurch, daß viele Soldaten sich nicht an die Fotografierverbote und an die Geheimhaltung hielten. Aus welchen Motiven auch immer sie die Verbrechen in Wort und Bild festhielten, fest steht, daß die Briefe und Fotos heute schlagkräftige Gegenbeweise für die Legende der „sauberen Wehrmacht“ darstellen.
1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, die Debatte über den Vernichtungskrieg der Wehrmacht von 1941 bis 1944 und das breite Interesse der deutschen Gesellschaft an der Ausstellung zu analysieren.
2. Die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“: Erläutert die Konzeption der Ausstellung im Kontext des Projekts „Angesichts dieses Jahrhunderts“ und ihre Dokumentation der Beteiligung der Wehrmacht an systematischen Verbrechen im Osten.
3. Die Wehrmacht in der historischen Forschung: Gibt einen Abriss über die Forschungsliteratur, die bereits seit den 70er Jahren die Verstrickung der Wehrmacht in Vernichtungsverbrechen wissenschaftlich belegte, während in der Öffentlichkeit der Mythos der „sauberen Wehrmacht“ dominierte.
4. Die Legende der „sauberen Wehrmacht“: Analysiert die Entstehung, Konsolidierung und gesellschaftliche Verankerung des Mythos, dass die Wehrmacht ein ehrenvolles Militär gewesen sei, das vom Nationalsozialismus instrumentalisiert wurde.
5. Ende eines Mythos? Reaktionen auf die Ausstellung „Vernichtungskrieg“: Untersucht tiefgehend die emotionalen und kontroversen Reaktionen der deutschen Gesellschaft, von den Veteranen bis zur Generation der Enkel, sowie die politische Debatte und die fachwissenschaftliche Rezeption.
6. Bilanz: Fasst zusammen, dass die Ausstellung maßgeblich dazu beitrug, das Thema der individuellen Schuld und Verantwortung der Wehrmachtssoldaten in das Zentrum der deutschen Erinnerungskultur zu rücken und den Mythos der „sauberen Wehrmacht“ zu erschüttern.
Wehrmacht, Vernichtungskrieg, Holocaust, Ausstellung, Erinnerungskultur, Wehrmachtsverbrechen, saubere Wehrmacht, Generationenkonflikt, Kriegsteilnehmer, NS-Vergangenheit, Traditionspflege, Geschichtsbild, politische Debatte, Zeitzeugen, Soldatenverbände
Die Magisterarbeit untersucht die kontroversen Reaktionen innerhalb der deutschen Gesellschaft und Politik auf die Wanderausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ und beleuchtet, wie diese Debatte den Umgang mit der NS-Vergangenheit veränderte.
Die zentralen Themen sind die Rolle der Wehrmacht im Vernichtungskrieg, die Entstehung des Mythos der „sauberen Wehrmacht“, die intergenerationale Aufarbeitung der Vergangenheit sowie die politischen und militärischen Debatten um Tradition und historische Verantwortung.
Das Ziel ist die Analyse der gesellschaftlichen Eigendynamik und der emotionalen Kontroversen, die durch die Ausstellung ausgelöst wurden, um zu verstehen, wie das gegenwärtige Geschichtsbild und die Erinnerungskultur durch diese Auseinandersetzung geprägt wurden.
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von Rezeptionsdokumenten, darunter Leserbriefe, Interviews, Gästebucheinträge, presserechtliche Stellungnahmen, Fachliteratur sowie politische Debatten in Parlamenten.
Im Hauptteil werden die Reaktionen der verschiedenen Generationen (Kriegsteilnehmer, Kinder, Enkel), die radikalen Protestformen der Ausstellungsgegner und der Konflikt um die offizielle politische Anerkennung der Ausstellung in Städten wie München und Bremen detailliert analysiert.
Zu den Schlüsselwörtern zählen Wehrmacht, Vernichtungskrieg, saubere Wehrmacht, Erinnerungskultur, NS-Vergangenheit und Generationenkonflikt.
Der Mythos bildete das zentrale Verteidigungsmuster vieler Kriegsteilnehmer und konservativer Kritiker, die sich durch die Ausstellung persönlich angegriffen sahen und befürchteten, dass ihre eigene Vergangenheit und Ehre durch das Bild der Wehrmacht als Täterorganisation entwertet würde.
Für diese Generation bot die Ausstellung einen Anlass, das jahrzehntelange Schweigen in vielen Familien zu durchbrechen und die „weißen Flecken“ in der Lebensgeschichte der Väter kritisch zu hinterfragen, was oft mit Schmerz und Vertrauensverlust verbunden war.
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