Masterarbeit, 2019
148 Seiten, Note: 2,0
I. Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Forschungskontext, Gegenstand und Ziel
1.3 Aktueller Forschungsstand
1.4 Leitende Forschungsfrage
II. Theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Das besondere Band der Geschwisterbeziehung – Ein systemischer Blick
2.2 Soziale Mobilität – Der Weg von unten nach oben
III. Methodologie
3.1 Leitendes Wissenschaftsverständnis
3.2 Erhebungsmethoden
3.2.1 (Teil-)narratives Interview
3.2.2 Leitfaden nach dem SPSS-Prinzip (nach Helfferich)
3.2.3 Transkription und Regeln
3.3 Die 'Grounded Theory'-Methodologie
3.3.1 Datenanalyse mittels Kodieren
3.3.2 Theoretisches Sampling
IV. Empirischer Teil I – Verlauf der Forschung
4.1 Pre-Test
4.2 Zusammenstellung der Untersuchungsgruppe
4.3 Verläufe der Interviews/Datenerhebung
4.4 Datenanalyse/Kodieren
4.5 Theoriebildung – Zusammensetzung der Daten
V. Empirischer Teil II – Ergebnisse der Datenanalyse
5.1 Ergebnisse aus den Einzelfällen
5.2 Zusammenführung der Daten
5.3 Ergebnisse der Analyse
5.3.1 Kernkategorie: Entwicklungsprozess
5.3.2 Gemeinsamkeiten und Erlebnisse in der Kindheit
5.3.3 Räumliche Distanz
5.3.4 Interesse an Studium und Beruf
5.3.5 Entwicklung der Persönlichkeit im Studium
5.3.6 Erwartungen an die Geschwisterbeziehungen
5.3.7 Unterstützung
5.3.8 Wertschätzung
5.3.9 Veränderungen der Geschwisterbeziehung
5.3.10 Bindung
5.3.11 Selbstreflexion
5.4 Zusammenfassung der Ergebnisse – Theoriebildung
VI. Diskussion und Fazit
6.1 Schlussfolgerung und weiterführende Forschung
6.2 Schlussfolgerung für die systemische Beratungspraxis
VII. Reflexion
7.1 Reflexion des Forschungsprozesses
7.2 Zentraler Erkenntnisgewinn
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Auswirkungen sozialer Mobilität auf die Geschwisterbeziehungen während des ersten Hochschulstudiums zu explorieren. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie soziale Aufsteiger Veränderungen in ihren Bindungen zu Geschwistern im Kontext ihres Aufstiegs erleben und wahrnehmen.
1. Einleitung
In der heutigen Zeit ist soziale Mobilität noch immer ein eher selteneres Phänomen. Mit der in den 1990ern ständig wachsenden Einkommensungleichheit hat sie nahezu einen Stillstand erfahren müssen. Dabei nimmt die soziale Mobilität eine eigene Dynamik an, die über Generationen hinaus ein schwer zu überwindendes System bildet. In der Regel dauert es fünf Generationen, bis ein Mensch aus armen Verhältnissen ein Durchschnittseinkommen erzielt und somit die soziale Leiter aufsteigt. Zwischen den einzelnen europäischen Ländern gibt es dabei sogar Unterschiede. Sind es in nordischen Ländern zwei bis drei Generationen, kann dies in Deutschland bis zu sechs Generationen dauern. Dieser Umstand hat schwerwiegende soziale, wirtschaftliche und politische Folgen in der Gesellschaft, wie aus dem letzten OECD-Bericht „A broken social elevator? How to promote Social Mobility“ hervorgeht (2018). Jedes dritte Kind bleibt bereits wie der Vater, Geringverdiener, wohingegen die restlichen zwei Drittel lediglich eine nächst höhere Einkommensgruppe erreichen. Die Ursachen sind vielfältig, aber allem im Bildungssektor zu finden, in dem es oftmals an Förderung benachteiligter Gruppen fehlt (vgl. OECD 2018).
Ein passendes Mittel um den sozialen Aufstieg zu schaffen ist Bildung, welche es ermöglicht, sich in der Gesellschaft neu zu positionieren. Darüber hinaus gibt es unzählige weitere Faktoren, die für einen gelingenden Aufstieg ausschlaggebend sein können. Alle diese Aspekte stehen in einem engen Zusammenhang und bedingen sich im Prozess sukzessiver Aufstiege. Das bedeutet, dass nicht nur die Bildungsmotivation einen Einfluss haben kann, sondern auch die emotionale Bindung zum Herkunftsmilieu, wie aus der Studie „Vom Arbeiterkind zum Akademiker“ der Konrad-Adenauer-Stiftung (2014) hervorgeht. In der Rekonstruktion individueller Aufstiege zeigt sich jedoch auch, dass die soziale Mobilität negative Folgen hat. Dieser Gedanke scheint zunächst undenkbar, wo doch ein sozialer Aufstieg viele Möglichkeiten und Türen öffnet. In der Rekonstruktion von Bildungsaufstiegen aus vorausgegangenen Studien, lässt sich jedoch auch das Gegenteil beobachten. Soziale Aufsteiger müssen häufig eine Entfremdung oder Distanzierung zum Herkunftsmilieu in Kauf nehmen.
I. Einleitung: Dieses Kapitel stellt das Forschungsinteresse, den Kontext sowie die leitende Forschungsfrage zur Veränderung der Geschwisterbeziehung durch sozialen Aufstieg dar.
II. Theoretischer Bezugsrahmen: Hier wird die Geschwisterbeziehung aus systemischer Sicht beleuchtet und der Begriff der sozialen Mobilität theoretisch eingeordnet.
III. Methodologie: Dieser Teil begründet den Einsatz der qualitativen Sozialforschung, insbesondere der 'Grounded Theory' nach Strauss und Glaser, zur Datenerhebung und -auswertung.
IV. Empirischer Teil I – Verlauf der Forschung: Hier werden der Pre-Test, die Zusammensetzung der Forschungsgruppe sowie der konkrete Ablauf der Datenerhebung und Kodierung beschrieben.
V. Empirischer Teil II – Ergebnisse der Datenanalyse: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der sieben Einzelfälle, führt diese zusammen und entwickelt die Kernkategorie des Entwicklungsprozesses.
VI. Diskussion und Fazit: Die Ergebnisse werden im Kontext des Forschungsstandes diskutiert und Schlussfolgerungen für die systemische Beratungspraxis gezogen.
VII. Reflexion: Der Forschungsprozess sowie der persönliche Erkenntnisgewinn des Forschenden werden kritisch reflektiert.
Soziale Mobilität, Geschwisterbeziehung, sozialer Aufstieg, Hochschulstudium, Grounded Theory, systemische Beratung, Familientherapie, Bildungserfolg, Habitus, Identitätsentwicklung, Distanzierung, Familienkontext, qualitative Sozialforschung, Bindung, Interaktion.
Die Arbeit untersucht, wie Menschen, die den sozialen Aufstieg durch ein Hochschulstudium schaffen, die Veränderungen in ihren Beziehungen zu ihren Geschwistern erleben.
Zentrale Themen sind die Dynamik von Geschwisterbeziehungen, die Auswirkungen von Bildungserfolgen auf das familiäre System und die Herausforderungen durch soziale Mobilität.
Ziel ist es, explorativ zu beschreiben, welche Rolle der soziale Aufstieg bei der Umgestaltung von Bindungen im Geschwistersystem spielt und welche Ressourcen oder Belastungen dabei entstehen.
Die Studie nutzt qualitative Methoden der Sozialforschung, konkret das teilnarrative Interview und die Methodologie der 'Grounded Theory' nach Strauss und Glaser.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine methodische Herleitung und einen umfangreichen empirischen Teil, in dem die Interviews kodiert und zu einer Theorie des Entwicklungsprozesses verdichtet werden.
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie soziale Mobilität, Geschwisterbeziehung, Bildungsaufstieg, systemische Beratung und Grounded Theory beschreiben.
Während viele Studien den sozialen Aufstieg als individuellen Prozess betrachten, fokussiert diese Arbeit explizit auf die zwischenmenschliche Dynamik innerhalb des Geschwistersystems als Reaktion auf den Aufstieg.
Für die systemische Beratung wird abgeleitet, dass die Familiendynamik und die Zugehörigkeit zum Familiensystem gewürdigt werden müssen, um auftretende Distanzierungen durch Bildungserfolge konstruktiv zu begleiten.
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