Bachelorarbeit, 2021
49 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Der Begriff des Scheiterns – eine soziologische Annäherung
3. Emile Durkheim „Der Selbstmord“
3.1 Die vier Selbstmordarten nach Emile Durkheim
3.2 Der anomische Selbstmord und das absolute Scheitern
4. Gemeinsamkeiten der Durkheimschen Methode und dem absoluten Scheitern als sozialer Tatbestand
Exkurs: Anzahl der Suizide in Deutschland zwischen 1980 bis 2019
5. Thesen des Scheiterns – Ein Forschungsausblick
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Scheiterns als soziale Tatsache, indem sie die methodischen Ansätze von Émile Durkheims Theorie des Selbstmords auf das Konzept des "absoluten Scheiterns" überträgt. Ziel ist es, Scheitern nicht als individuelles Versagen, sondern als soziologisch analysierbares Phänomen innerhalb moderner Gesellschaftsstrukturen zu begreifen.
3.2 Der anomische Selbstmord und das absolute Scheitern
Warum sich der anomische Selbstmord nach Durkheim für die Betrachtung des Scheiterns als soziale Tatsache gut eignet, soll in diesem Unterkapitel kurz erläutert werden. Hierzu gilt es den Begriff der Anomie aus soziologischer Perspektive und die Anomietheorie von Durkheim zu erläutern und erste Verbindungen zum Begriff des Scheiterns herzustellen.
Der Begriff der Anomie hat seinen Ursprung in der griechischen Sprache („anomia“) und kann mit dem Begriff der Gesetzlosigkeit umschrieben werden (Vgl. Duden 2021 Anomie). In der Soziologie wird der Begriff genutzt, um einen „Zustand mangelnder sozialer Ordnung […]“ (Hillmann 2007: 29) zu beschreiben. Dieser Zustand entsteht zumeist durch einen für die Individuen zu plötzlich oder zu rasch eintretenden sozialen Wandel, der die alte Ordnung einer gesellschaftlichen Formation in Frage stellt bzw. aufhebt, und in dem neue Regeln oder Normen noch nicht ausreichend entwickelt sind. Die Folge ist ein verbreitet empfundenes Gefühl von Leere, aus dem Unsicherheiten entstehen. (Vgl. ebd.).
Die Ursache von Anomie liegt für Durkheim in der Herauslösung des Individuums aus den es umgebenden sozialen Bezügen bzw. Eingebundenheiten und ergibt sich aus den stetig wachsenden Wahlmöglichkeiten, mit denen das Individuum konfrontiert wird. Der damit einhergehende soziale und normative Wandel der Gesellschaft spielt dabei eine große Rolle: „Anomie bezieht sich auf den Zusammenbruch dieses sozialen Regulierungssystems.“ (Mehlkop / Graeff 2006: 57). Der Wandel bzw. der Zusammenbruch von Wert- und normativen Handlungsvorstellungen untergräbt die Integrationskraft der Gesellschaft und kann von abweichendem Verhalten bis hin zum Erkranken und dem daraus resultierenden Selbstmord von Individuen führen (Vgl. Durkheim 2014: 45, 60, 147f).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie Durkheims Methode zum anomischen Selbstmord auf das "absolute Scheitern" übertragen werden kann.
2. Der Begriff des Scheiterns – eine soziologische Annäherung: Hier wird Scheitern vom alltäglichen Misserfolg abgegrenzt und als soziologische Kategorie erschlossen.
3. Emile Durkheim „Der Selbstmord“: Das Kapitel erläutert Durkheims Theorie der sozialen Tatsachen und die vier Selbstmordtypen, mit Fokus auf den anomischen Typus.
4. Gemeinsamkeiten der Durkheimschen Methode und dem absoluten Scheitern als sozialer Tatbestand: Dieser Teil verknüpft Durkheims Methode mit aktuellen Gegenwartsdiagnosen zur Moderne.
5. Thesen des Scheiterns – Ein Forschungsausblick: Auf Basis der theoretischen Herleitung werden Thesen formuliert, die das Risiko des Scheiterns in einer individualisierten Gesellschaft beschreiben.
6. Fazit: Das Fazit resümiert die Übertragbarkeit der Durkheimschen Methode und identifiziert den Mehrwert der Untersuchung für die soziologische Theoriebildung.
7. Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Scheitern, Soziologie, Emile Durkheim, Anomie, Selbstmord, soziale Tatsache, Individualisierung, Moderne, Risikogesellschaft, Entscheidungsgesellschaft, Multioptionsgesellschaft, Handlungsfähigkeit, Strukturverlust, Sozialer Wandel, Lebensführung.
Die Arbeit untersucht das "Scheitern" als soziologisches Phänomen und wendet die theoretischen Konzepte von Émile Durkheim, insbesondere seine Theorie zum Selbstmord, auf diesen bisher soziologisch unterbelichteten Begriff an.
Die zentralen Themenfelder sind die soziologische Definition von Scheitern, die Analyse von Anomie, Individualisierungsprozesse in der Moderne und die Verknüpfung dieser mit aktuellen Gesellschaftsdiagnosen.
Die Forschungsfrage lautet: Was kann von Émile Durkheims angewendeter Methode zum anomischen Selbstmord für das absolute Scheitern als soziale Tatsache gelernt werden?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-hermeneutische Aufarbeitung soziologischer Klassiker und verbindet diese mit modernen Gegenwartsdiagnosen von Autoren wie Beck, Schimank und Gross.
Im Hauptteil erfolgt zunächst die begriffliche Annäherung an das Scheitern, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse der Durkheimschen Selbstmord-Typologien und deren Übertragung auf die moderne "Multioptionsgesellschaft".
Zu den zentralen Begriffen zählen: Scheitern, Anomie, soziale Tatsache, Individualisierung und moderne Gesellschaftsdiagnosen.
Temporäres Scheitern ist zeitlich begrenzt und ermöglicht Lernprozesse, während das absolute Scheitern eine dauerhafte Handlungsunfähigkeit beschreibt, nach der keine weiteren sinnvollen Handlungen mehr möglich sind.
In der Entscheidungsgesellschaft zwingt der ständige Druck zur Wahl von Optionen das Individuum dazu, die Verantwortung für Erfolge wie für Misserfolge alleine zu tragen, was das Risiko des Scheiterns und die psychische Belastung (Entscheidungsmüdigkeit) massiv erhöht.
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