Magisterarbeit, 2000
132 Seiten, Note: 2,3
I. Einleitung
II. Chronologie und Analyse
1. Kohl und die Frage der polnischen Westgrenze
2. Lafontaines Kanzlerkandidatur und die Deutschlandpolitik I
3. Kohl, Gorbatschow und die deutsche Einigung I
4. Lafontaines Kanzlerkandidatur und die Deutschlandpolitik II
5. Volkskammerwahl in der DDR
6. Medienurteile und Demoskopie im Einheitswahlkampf I
7. Kohl, Lafontaine und die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion
8. Lafontaines Kanzlerkandidatur und die Deutschlandpolitik III
9. Medienurteile und Demoskopie im Einheitswahlkampf II
10. Kohl, Gorbatschow und die deutsche Einigung II
11. Beitritt der DDR
12. Der 2+4-Vertrag
13. Lafontaine und der Vereinigungsparteitag der Sozialdemokratie
14. Medienurteile und Demoskopie im Einheitswahlkampf III
15. Wiedervereinigung Deutschlands
16. Landtagswahlen in den fünf neuen Bundesländern
17. Einheitskanzler Kohl im Wahlkampf
18. Einheitsskeptiker Lafontaine im Wahlkampf
19. Medienurteile und Demoskopie im Einheitswahlkampf IV
20. Bundestagswahlen im wiedervereinigten Deutschland
III. Schlußbetrachtung
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss die deutschlandpolitischen Positionen von Helmut Kohl und Oskar Lafontaine auf den Ausgang der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 hatten, indem sie diese chronologisch und analytisch im Kontext der Einigungsprozesse gegenüberstellt.
1. Kohl und die Frage der polnischen Westgrenze
Das Wahljahr 1990 begann für den CDU-Chef mit einem Dilemma. Mit der Wende in der DDR waren neben der deutschen Frage auch die Interessen der Vertriebenenverbände wieder auf der politischen Agenda aufgetaucht. Deren Gebiets- und Eigentumsansprüche, formuliert von ihrem Präsidenten (und Unionsabgeordneten im Bundestag) Herbert Czaja, mußten von der CDU ernst genommen werden, wenn das nationalkonservative Wählerpotential nicht in die Arme der nationalistischen „Republikaner“ getrieben werden sollte.
Immerhin konnten sich die Vertriebenenverbände auf ein Zitat des ersten CDU-Kanzlers Konrad Adenauer berufen: „Keine deutsche Regierung wird je in der Lage, die Oder-Neiße-Linie anzuerkennen“, lautete der Ausspruch Adenauers aus dem Jahr 1953. Darüber hinaus argumentierten die Anhänger eines „Großdeutschen Reiches“ vor allem auf der Grundlage des Umstandes, daß das Verfassungsgericht in Karlsruhe bis dato nicht von der juristischen Formel abgewichen war, das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 sei nie untergegangen. Selbst auf den vom SPD-Kanzler Willy Brandt abgeschlossenen Warschauer Vertrag konnten sie sich beziehen, denn auch dieser enthielt nach offizieller juristischer Interpretation keinerlei Verzicht auf die im Zweiten Weltkrieg verlorenen deutschen Ostgebiete.
Auch wenn mit Ausnahme der Vertriebenen und deutschnationalen Kreise die Oder-Neiße-Grenze von niemand mehr ernsthaft in Frage gestellt wurde, konnte sich Kohl lange nicht zu einer eindeutigen Position durchringen. Der Kanzler vermied eine klare Aussage zur polnischen Westgrenze, darauf verweisend, daß er sich als Verfassungsorgan Bundeskanzler an die Rechtsprechung des Verfassungsorgans Bundesverfassungsgericht halten müsse. In Zeiten des Kalten Krieges, die deutsche Einheit in weiter Ferne, konnten die Unionsparteien sich den Vertriebenen zumindest in der Rhetorik als Hüter nationaler Interessen anbiedern. Jetzt fürchtete Kohl, obwohl selbst kein Revanchist, die Vertriebenen mit der Realität konfrontieren zu müssen und bei der Bundestagswahl im Dezember ein sicher geglaubtes Wählerreservoir unter Umständen an die rechtsradikalen Republikaner verlieren zu können.
I. Einleitung: Stellt das Thema der deutschlandpolitischen Positionen von Kohl und Lafontaine im Wahlkampf 1990 vor und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit.
II. Chronologie und Analyse: Detaillierte Betrachtung der 20 maßgeblichen Ereignisse des Einheitswahlkampfs, von der Grenzfrage bis zu den Bundestagswahlen.
III. Schlußbetrachtung: Führt die Ergebnisse zusammen und bewertet die Bedeutung der Deutschlandpolitik als ausschlaggebendes Thema für den Wahlausgang.
IV. Literatur & Quellen (-sammlungen): Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur, Spiegel-Kommentare, Interviews und Reportagen.
Helmut Kohl, Oskar Lafontaine, Bundestagswahl 1990, deutsche Einheit, Deutschlandpolitik, Wiedervereinigung, Volkskammerwahl, Währungsunion, Einigungsvertrag, SPD, CDU, Medienanalyse, Demoskopie, 2+4-Vertrag, Transformation.
Die Arbeit analysiert die deutschlandpolitischen Standpunkte von Helmut Kohl und Oskar Lafontaine während des Einheitswahlkampfes 1990 und deren Einfluss auf den Wahlausgang.
Zu den Schwerpunkten zählen die Wiedervereinigung, die Währungs- und Wirtschaftsunion, das Verhältnis zu Polen sowie die strategischen Auseinandersetzungen zwischen CDU und SPD.
Es soll aufgezeigt werden, dass die deutschlandpolitischen Positionen der beiden Kanzlerkandidaten für den Ausgang der Bundestagswahl 1990 von entscheidender Relevanz waren.
Die Arbeit basiert auf einer chronologischen Analyse und Auswertung zeithistorischer Fachliteratur, Erinnerungsberichten, überregionaler Presseberichterstattung und Umfrageergebnissen.
Der Hauptteil ist in eine chronologische Analyse von 20 zentralen Ereignissen des Wahljahres 1990 unterteilt, die den politischen Prozess bis zur Bundestagswahl abbilden.
Wichtige Begriffe sind Deutschlandpolitik, Einheitskanzler, Kanzlerkandidatur, Wahlkampfstrategien und Transformation.
Die Medien kritisierten dieses Zögern oft scharf als außenpolitisches Defizit, während Kohl sich auf juristische Argumente und die Rolle des Bundesverfassungsgerichts berief.
Lafontaine warnte vor den ökonomischen Risiken und sozialen Härten einer zu schnellen Umstellung ohne ausreichende Anpassung, was jedoch politisch als Einheitsgegnerschaft ausgelegt wurde.
Das Attentat zwang Lafontaine zu einer längeren Auszeit, was seine öffentliche Präsenz in einer entscheidenden Phase des Wahlkampfs einschränkte.
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