Masterarbeit, 2020
68 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Recherche
3. Entwicklung des Zwei-Geschlechter-Modells
4. Anwendung des Zwei-Geschlechter-Modells im Sport
5. Intersexualität
5.1 Definition und Ausprägungen
5.2 Geschichte der Intersexualität im Spitzensport
6. Geschlechtertests im Spitzensport
6.1 Hintergrund und Unsicherheiten
6.2 Biologische Konstruktion von Geschlecht
6.3 Inspektionen und Tests
7. Der Fall Caster Semenya
7.1 Karriere
7.2 Das Dilemma um Intersexualität
7.3 Herausforderungen der Intersexualität damals und heute
8. Fazit
9. Literaturverzeichnis
10. Internetquellenverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sondersituation intersexueller Sportlerinnen im Spitzensport unter besonderer Berücksichtigung des Fallbeispiels Caster Semenya. Dabei wird analysiert, wie gesellschaftliche und historische Entwicklungen des Zwei-Geschlechter-Modells zu einer exkludierenden Praxis in der Sportwelt führten und welche Auswirkungen moderne Testverfahren sowie rechtliche Regulierungen auf betroffene Athletinnen haben.
6.3 Inspektionen und Tests
Fälle wie der von Dora Ratjen waren ein Problem für den internationalen Frauensport. Männer, die als Frauen verkleidet die Integrität des Sports gefährdeten, sollten von Wettkämpfen ausgeschlossen werden. Dass es sich bei Ratjen um eine völlig andere „Bedrohung“ für den Frauensport handelte, blieb im Diskurs unkommentiert. Schließlich konnte man durch die Einführung flächendeckender Geschlechtstests sicherstellen, dass nur „vollwertige“ Frauen an den Wettbewerben teilnahmen und so jeglicher Kritik entgehen. Die Vorstellung, dass einzelne SportlerInnen unregulierte Verhältnisse betrügerisch nutzen könnten, reichte aus, um diskriminierende Verfahren zur Entlarvung vermeintlicher Männer einzuführen.
Verpflichtende Tests wurden 1966 bei den Europameisterschaften in Ungarn eingeführt. Während viele Athletinnen die Einführung unterstützten, um sich vor Betrug zu schützen, gab es auch einige Gegenstimmen aufgrund der Erniedrigung und des Generalverdachts. Die Untersuchung bestand bei der Europameisterschaft aus einer rein visuellen Inspektion der Körper auf primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale durch ein Ärztegremium (Ferguson-Smith & Ferris, 1991). Die Prozedur kann aus der Autobiographie der deutschen Diskus-Weltrekordlerin und Olympionikin Liesel Westermann-Krieg (1977, S. 67) nachvollzogen werden:
„Unsachgemäße Kommentare und aufgebauschte Reportagen suchten ein sensationslüsternes Publikum auf zweifelhafte Weise aufzuklären. […] Wir hatten uns auszuziehen. Wir mussten mit einer Startnummer in der Hand splitternackt auf- und abmarschieren. Es war wie bei der Trichinenschau7. Nur bekamen wir den Stempel nicht auf den Hintern, sondern auf eine Karteikarte.“
Dieses Verfahren mussten alle Teilnehmerinnen zwangsweise durchlaufen, um das ärztliche Attest zur Starterlaubnis zu erhalten. Die Wirksamkeit des Tests ist vor dem Hintergrund aktueller, medizinischer Erkenntnisse sicherlich nicht ausreichend, nichtsdestotrotz wurde der Test damals legitimiert durch Athletinnen, die nie zur Untersuchung erschienen und aus dem Sport ausschieden.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des binären Geschlechtersystems im Spitzensport ein und erläutert die Relevanz der Intersexualität sowie das Fallbeispiel Caster Semenya.
2. Recherche: Dieses Kapitel stellt die theoretische Basis dar und benennt die verwendeten Standardwerke sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
3. Entwicklung des Zwei-Geschlechter-Modells: Hier wird der historische Wandel des Geschlechterverständnisses durch Religion, Medizin und Recht dargelegt, der zur binären gesellschaftlichen Struktur führte.
4. Anwendung des Zwei-Geschlechter-Modells im Sport: Das Kapitel analysiert, wie das binäre Modell in den Sport übertragen wurde und welche historischen Hürden Frauen im organisierten Sport überwinden mussten.
5. Intersexualität: Es erfolgt eine medizinisch-biologische Definition der Intersexualität und eine historische Einordnung ihrer Rolle im Spitzensport.
6. Geschlechtertests im Spitzensport: Dieses Kapitel behandelt detailliert die Entstehung, die medizinischen Grundlagen und die Durchführung verschiedener Testverfahren zur Geschlechtsbestimmung.
7. Der Fall Caster Semenya: Anhand von Semenyas Karriere werden die Auswirkungen der Testosteronregulierung und die mediale sowie institutionelle Debatte um ihre Startberechtigung aufgearbeitet.
8. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die zukünftige Notwendigkeit eines inklusiveren Sportsystems.
9. Literaturverzeichnis: Vollständige Auflistung der zitierten wissenschaftlichen Quellen.
10. Internetquellenverzeichnis: Vollständige Auflistung der verwendeten digitalen Quellen und Web-Publikationen.
Intersexualität, Spitzensport, Caster Semenya, Geschlechtertests, Zwei-Geschlechter-Modell, Testosteron, IAAF, IOC, Geschlechtsidentität, Fairness, Frauensport, Biologische Konstruktion von Geschlecht, Diskriminierung, Androgenismus, Sportethik.
Die Arbeit untersucht die Spannungsfelder zwischen traditionellen, binären Geschlechterkategorien im Sport und der biologischen Realität intersexueller Athletinnen.
Die zentralen Felder umfassen die Historie des Frauensports, die Entwicklung medizinischer Geschlechtertests, soziokulturelle Konstruktionen von Männlichkeit und Weiblichkeit sowie die ethische Debatte um Fairness im Leistungssport.
Das Ziel ist es, die Sondersituation intersexueller Sportlerinnen aufzuzeigen und zu analysieren, wie der Spitzensport auf die Herausforderungen durch Geschlechterdiversität reagiert.
Die Arbeit nutzt einen sporthistorischen Ansatz, kombiniert mit einer Analyse medizinischer und rechtlicher Diskurse sowie einer Fallstudie zu Caster Semenya.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Zwei-Geschlechter-Modells, die Geschichte der Geschlechtertests (von visuellen Inspektionen bis zu molekulargenetischen Verfahren) und die chronologische Aufarbeitung des Falls Caster Semenya.
Wichtige Begriffe sind Intersexualität, Testosteron-Grenzwerte, Geschlechterdichotomie, institutionelle Exklusion und sportliche Inklusion.
Semenya fungiert als Symbolfigur, da ihr Erfolg eine Welle internationaler Kontroversen auslöste, die schließlich zu signifikanten Regeländerungen der IAAF bezüglich hyperandrogener Athletinnen führten.
Die Arbeit zeigt auf, wie die Presse maßgeblich dazu beitrug, intersexuelle Athletinnen durch die Reduzierung auf ihr äußeres Erscheinungsbild zu diskreditieren und somit den institutionellen Druck auf Verbände erhöhte.
Das Fazit der Arbeit lautet, dass trotz der Abschaffung flächendeckender Tests das binäre Sportsystem weiterhin exkludierend wirkt und dringend reformiert werden muss, um der Realität geschlechtlicher Vielfalt gerecht zu werden.
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