Bachelorarbeit, 2020
93 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Lorenzers Reformulierung des Freud´schen Biologismus
2.1 Zur Psychosexualität
2.2 Der Triebbegriff bei Lorenzer
2.3 Das Unbewusste
2.3.1 Sachvorstellung und Szene
2.3.2 Die Szene und das Unbewusste
3 Symboltheorie
3.1 Der Symbolbegriff bei Freud
3.2 Die Symboltheorie nach Cassirer und Langer
3.3 Die Symbolkonzeption bei Lorenzer
4 Psychische Strukturbildung
4.1 Die bestimmte Interaktionsformen
4.1.1 Einigung auf bestimmte Interaktionsformen
Exkurs: Zur gesellschaftlichen Praxis der Mutter
4.1.2 Öffnung der Mutter-Kind-Dyade zum familialen Feld
4.2 Die sinnlich-symbolischen Interaktionsformen
4.3 Die sprachsymbolische Interaktionsformen
4.4 Zusammenfassung
5 Ausgewählte Formen psychischer Erkrankung
5.1 Die Bildung von Klischees oder: Der Doppelcharakter des Spracherwerbs
5.2 Zeichen
5.3 Trauma und Traumatisierung
5.4 Der Traumabegriff von Lorenzer
6 Szenisches Verstehen als Chance der Re-symbolisierung
6.1 Das logische Verstehen
6.2 Das psychologische Verstehen
6.3 Das Szenische Verstehen
6.4 Szenisches Verstehen und die Differenzen der psychoanalytisch-therapeutischen und der (sozial)pädagogischen Praxis
7 Beantwortung der Fragestellung und Fazit
Die Arbeit untersucht die Relevanz der Theorie der Interaktionsformen von Alfred Lorenzer für die sozialarbeiterische Interaktion mit psychisch kranken Menschen, indem sie die psychische Strukturentwicklung sowie deren mögliche Beschädigungen auf Basis einer historisch-materialistischen Psychoanalyse analysiert.
6.3 Das Szenische Verstehen
Szenisches Verstehen ist, wie bereits gesagt, auf einer Ebene angesiedelt, die die beiden erst genannten Verstehensebenen überschreitet. Logisches Verstehen sowie psychologisches Verstehen werden insofern überschritten, als nach der Verständigung über die Sprachgemeinschaft und dramatischer Handlung, die Aufmerksamkeit von dieser allgemeinen Ebene auf die besondere Ebene „dieses Patienten“ (Lorenzer 1985, S. 138) gelenkt wird. Der*Die Analysand*in ist im therapeutischen Setting gemäß der freien Assoziation dazu angeleitet, sich von dem „Druck der Systematisierung“ frei zu machen und alles zu beschreiben, was ihm durch den Kopf geht (a.a.O., S. 94). Der methodische Sinn dahinter ist, dass der*die Analytiker*in als Pendant zur freien Assoziation versucht, in gleichschwebender Aufmerksamkeit die Äußerungen des*der Analysanden*in in einen Sinnzusammenhang zu bringen. „Beide sollen versuchen, sich freizumachen für die Leistung, auf stets wechselnde Inhalte überzugehen.“ (ebd.). Hierbei ist eines zu beachten, was für das psychoanalytische Verstehen zentral ist: Es ist mit jeder Äußerung des*der Analysanden*in unklar, ob diese Schilderungen oder dramatische Handlungen der Wahrheit entsprechen oder nicht. Der Analytiker*in macht sich genau diese „[…] Trennung der »Frage nach dem Sinn« von der »Frage nach den Tatsachen« zunutze“ (a.a.O., S. 88). Es geht für den*die Analytiker*in in diesem „[…] Außerachtlassen der Frage nach der Faktizität der Mitteilungen des Patienten […] [um die] »Zuwendung zu den Sprachgehalten«, den Symbolen des Patienten […]“ (ebd.).
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation des Autors aus der psychiatrischen Praxis und führt in die Bedeutung von Lorenzers Theorie für die Sozialarbeit ein.
2 Lorenzers Reformulierung des Freud´schen Biologismus: Dieses Kapitel arbeitet heraus, wie Lorenzer Freuds Triebbegriff historisch-materialistisch interpretiert und erweitert.
3 Symboltheorie: Es wird die zentrale Rolle des Symbols bei der Vermittlung zwischen Individuum und Gesellschaft dargestellt, unter Einbezug von Cassirer und Langer.
4 Psychische Strukturbildung: Das Kapitel beschreibt die stufenweise Entwicklung der Psyche durch bestimmte, sinnlich-symbolische und sprachsymbolische Interaktionsformen.
5 Ausgewählte Formen psychischer Erkrankung: Hier werden Strukturzerstörungen, insbesondere durch Klischeebildung und Traumata, thematisiert.
6 Szenisches Verstehen als Chance der Re-symbolisierung: Das Kapitel erläutert das szenische Verstehen als hermeneutische Methode zur Aufdeckung latenter Sinnstrukturen.
7 Beantwortung der Fragestellung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Anwendbarkeit der Methode auf die sozialarbeiterische Praxis.
Alfred Lorenzer, Psychoanalyse, Sozialisationstheorie, Theorie der Interaktionsformen, Szenisches Verstehen, Unbewusstes, Symbolbildung, Psychische Struktur, Trauma, Sozialarbeit, Triebbegriff, Sprachsymbolik, Klischeebildung, Tiefenhermeneutik, Subjektivität
Die Arbeit untersucht die psychoanalytische Sozialisationstheorie von Alfred Lorenzer und ihre Anwendbarkeit auf die sozialarbeiterische Praxis im Umgang mit psychisch kranken Menschen.
Die Schwerpunkte liegen auf der psychischen Strukturbildung, der Symboltheorie, den Prozessen der Desymbolisierung (wie Trauma und Klischees) und der methodischen Reflexion mittels Szenischen Verstehens.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das methodische Konzept des Szenischen Verstehens Sozialarbeitern helfen kann, latente Beziehungsdynamiken und Sinnstrukturen in der Arbeit mit Klienten besser zu verstehen.
Der Autor nutzt die kritisch-hermeneutische Methode der Psychoanalyse, speziell das von Lorenzer entwickelte Verfahren des Szenischen Verstehens als Reflexionswerkzeug.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Interaktionsformen, die Analyse psychischer Strukturzerstörung und die methodische Darlegung der Resymbolisierung.
Zentrale Begriffe sind Sozialisationstheorie, Interaktionsformen, Szenisches Verstehen, Symbolik, Trauma, Resymbolisierung und psychische Struktur.
Der Autor betont, dass die Pädagogik in einem ungleich offeneren, institutionellen Alltagskontext stattfindet, wohin gegen die Analyse ein hermetisches, zeitlich begrenztes Setting nutzt.
Desymbolisierung beschreibt den Vorgang, bei dem die Verknüpfung von Erleben und Sprache zerbricht, was zu einem Verlust der symbolischen Vermittlung und zur Entstehung von Klischees führt.
Es ermöglicht den Zugang zu emotionalen und bildhaften "Wahrheiten" der Klienten, selbst wenn diese sich nicht sprachlich explizieren lassen, und schützt vor einer unbewussten Verstrickung in die Szenen der Klienten.
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