Fachbuch, 2022
198 Seiten
1. Erkner – ein wohlhabender Rentier
2. Die Nachwirkungen des ‚flüchtigen Zwischenfalls‘
3. Der Breslauer Sozialistenprozess
4. Fazit
Anhang:
1. ‚Vor Sonnenaufgang‘ – Aufführungsliste
2: ‚Der Reichsbote‘ v. 12.11., 16.11., 17.11., 27.11.1889: Besprechung der Uraufführung ‚Vor Sonnenaufgang‘
3. Heinrich Lux: Der Breslauer-Sozialistenprozess. Eine Hauptmann-Erinnerung.
4. Gerhart Hauptmann über den Breslauer Sozialistenprozess in Selbstzeugnissen
5. Aus: Theodor Müller: Die Geschichte der Breslauer Sozialdemokratie
6. Liste ausgewählter Zeitungsmeldungen zum Breslauer Sozialistenprozess
7. Meldung der ‚Schlesische Volkszeitung‘ v. 26.5.1887 zu den Durchschnittsverdiensten der Arbeiter
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verwicklung des jungen Gerhart Hauptmann in den Breslauer Sozialistenprozess von 1887 und beleuchtet die biografischen und historischen Hintergründe, die diesen Vorfall für den Dichter zu einem lebenslangen, traumatischen "flüchtigen Zwischenfall" machten.
Gerhart Hauptmann und der Breslauer Sozialistenprozess
In einem bei Requardt/Machatzke wiedergegebenen Brief an die Gemeinde Erkner bezeichnet Gerhart Hauptmann seine vier Erkner-Jahre als die 'vier Ecksteine' für den Bau seines Werkes; an anderer Stelle als 'Lebenswende'.
Als sich Gerhart Hauptmann 1885 in Erkner - krankheitsbedingt - niederlässt, abends "bei klarer Luft den Widerschein der Riesin Berlin blutrot am Himmel", darf man ihn, ohne despektierlich zu sein, als wohlhabenden Rentier ohne irgendwelche schulische oder berufliche Qualifikation bezeichnen; die Verlagswerbung in der aktuellen Ullstein-Ausgabe von "Vor Sonnenaufgang" beschönigt das mit: "Nach Studien der bildenden Kunst, der Naturwissenschaften und der Philosophie in Breslau, Jena, Rom und Dresden".
Realistischer beschreibt Seyppel das 1993: "Autodidaktik, die Hauptmann für Bildung und Wissen hielt, die durch den wenig erfolgreichen Schulbesuch, durch unregelmäßige und ungeleitete Lektüre, durch das sporadische Universitätsstudium, ... Mangel an geistiger Führung".
Die finanziellen Ressourcen der Familie Hauptmann resultieren allerdings nicht aus Aktien- oder Immobilienvermögen, sondern lediglich aus dem vorzeitig ausgezahlten Erbe der Ehefrau Marie Thienemann. Requardt/Machatzke geben den auf einer brieflichen Angabe Arno Holz' beruhenden Betrag von etwa 150.000 Mark an, der unverzehrt – was bei Hauptmanns Lebensführung allerdings nicht zutraf - bei einer guten Rendite von 5% ein jährliches Einkommen von 7500 Mark garantiert hätte.
1. Erkner – ein wohlhabender Rentier: Dieses Kapitel analysiert Hauptmanns finanzielle Verhältnisse in den Erkner-Jahren und kontrastiert seine Selbstdarstellung als Autodidakt mit der realen Abhängigkeit vom Erbe seiner Frau.
2. Die Nachwirkungen des ‚flüchtigen Zwischenfalls‘: Hier wird Hauptmanns historische Verwicklung in den Ikarier-Kreis um Alfred Ploetz beleuchtet und in den Kontext der polizeilichen Verfolgungen unter dem Sozialistengesetz gestellt.
3. Der Breslauer Sozialistenprozess: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Aufarbeitung des Prozesses von 1887, wobei die Rolle der Justiz, die Zeugenaussagen und die prekäre Quellenlage kritisch diskutiert werden.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass der Prozess für Hauptmann trotz seiner tatsächlichen Unbedeutsamkeit für seine eigene politische Aktivität eine lebenslange, traumatische psychische Belastung darstellte.
Gerhart Hauptmann, Breslauer Sozialistenprozess, Sozialistengesetz, Ikarier, Alfred Ploetz, Sozialdemokratie, 1887, Vor Sonnenaufgang, Literaturgeschichte, Naturalismus, Biografie, Justizgeschichte, politisches Exil, Archivquellen.
Die Arbeit analysiert die bislang oft im Ungefähren belassene Verstrickung des jungen Gerhart Hauptmann in den Breslauer Sozialistenprozess des Jahres 1887.
Der Fokus liegt auf Hauptmanns Erkner-Jahren, seinem sozialen Umfeld in Breslau, den damaligen studentischen politischen Bewegungen sowie der repressiven Justizpraxis zur Zeit des Sozialistengesetzes.
Die Untersuchung zielt darauf ab, zu klären, warum Hauptmann diesen Prozess als lebensprägendes, traumatisches Ereignis wahrnahm und wie er dieses in seinem späteren Leben und Werk verarbeitete oder verdrängte.
Der Autor stützt sich auf eine akribische Auswertung zeitgenössischer Presseberichte, Archivdokumente, Briefwechsel und Hauptmanns eigene autobiografische Schriften, um Widersprüche und Verschleierungen aufzudecken.
Neben der Biografie Hauptmanns werden der Prozessverlauf, die Repressalien gegen die Beteiligten und die spezifische Rolle der politischen Polizei und der Justiz während der Ära Bismarck ausführlich dokumentiert.
Zu den zentralen Begriffen zählen: Gerhart Hauptmann, Breslauer Sozialistenprozess, Sozialistengesetz, studentischer Sozialismus, politische Repression und autobiografische Fiktion.
Die Gruppe, der Hauptmann angehörte, war ein studentischer Kreis mit utopisch-sozialistischen Zielen, der Hauptmann ins Visier der Behörden und damit in den Prozess als Zeuge brachte.
Es wird vermutet, dass Hauptmann in einer Art panikartiger Reaktion Dokumente vernichtete, um einer drohenden strafrechtlichen Verfolgung wegen seiner Mitgliedschaft in vermeintlichen "Geheimbünden" zu entgehen.
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