Fachbuch, 2008
55 Seiten
Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
1 Einleitung
2 Begegnungen und das Werk John Lockes
I. Ausbildung
II. Wilkins
III. Boyle
IV. Descartes
V. Sydenham, Newton und Huygens
VI. Thomas
VII. Shaftesbury
VIII. König James II. und Wilhelm von Oranien
IX. Sir Francis and Lady Masham, née Damaris Cudworth
3 Two Treatises of Government
I. Die beiden Treatises
II. Kapitel 10 des Zweiten Treatise - Die Gesellschaft und ihre Staatsformen
Der Naturzustand
III. Kapitel 11 des Zweiten Treatise - Das Ausmaß der gesetzgebenden Gewalt
1. Der Zweck der Gesetzgebung und die Bindungswirkung der Gesetze
2. Das Willkürverbot
3. Das Gebot der Rechtssicherheit
4. Der Schutz des Eigentums
5. Keine Änderung der Staatsform durch den Gesetzgeber
6. Zusammenfassung
IV. Aufstand und Regizid - Das Widerstandsrecht nach Locke
4 Der Kontext der Enstehung des Werkes
I. Der Entstehungszeitraum des Textes
II. Die Entstehung der beiden Treatises historischen Kontext
1. Filmer
2. Locke und Hobbes
3. Lockes Treatises und die Glorreiche Revolution 1688
4. Lockes verschwiegene Urheberschaft an den Treatises
5. Verschiedene Versionen der Treatises
6. Zwei Texte
7. Fragestellungen
III. Die Two Treatises im Kontext des Lockeschen Gesamtwerks
5 Government nach den Treatises: Die Aufnahme des Werkes Lockes in Verfassungs theorie und –praxis
I. Die Vereinigten Staaten von Amerika
II. Lateinamerika
III. Andere Staaten, insbesondere Frankreich
Die Arbeit untersucht John Lockes politische Philosophie in den Kapiteln 10 und 11 seiner "Zwei Abhandlungen über die Regierung" unter Berücksichtigung des biographischen und historischen Kontextes. Das primäre Ziel ist es, Lockes Staatsverständnis, die Begründung von Herrschaft durch Konsens sowie die rechtlichen Grenzen staatlicher Macht zu analysieren und deren Wirksamkeit in der späteren politischen Praxis aufzuzeigen.
Der Naturzustand
Im Naturzustand den Locke beschreibt sind alle Menschen dahingehend frei, dass sie keine Macht über andere ausüben und niemand Macht über sie ausübt. Nach Ansicht Lockes ist dieser Naturzustand zu seiner Zeit zumindest ansatzweise noch in den (von Europäern) unbesiedelten Gebieten Amerikas sowie in den Beziehungen zwischen verschiedenen Völkern gegeben, jedoch muss klar sein, dass für Locke der Naturzustand keineswegs (nur) ein historisches Faktum sein sollte, sondern dass es für ihn (nicht aber für viele seiner zeitgenössischen Kritiker) ein abstaktes Gedankengebilde darstellte.
Jedoch ist in dieser Freiheit das Eigentum der Menschen, welches für Locke eine zentrale Rolle spielt, permanent gefährdet, da es keinerlei höhere Instanzen gibt, die beispielsweise einen Diebstahl zu verhindern in der Lage wären. Den Ausweg aus dem Naturzustand bildet die menschliche Gesellschaft. Hiermit kommen wir zu der (neben der Idee des Naturzustandes) zweiten Element, welches für Locke und viele seiner philosophischen Zeitgenossen wie bereits angedeutet selbstverständlich war, dem Gesellschaftsvertrag. Für Locke ist es gerade nicht die Machtübernahme durch Gewalt, die zu seiner Zeit den Regelfall darstellt (noch mehr als beim Naturzustand ist der Gesellschaftsvertrag etwas, was Locke zwar voraussetzt, wofür ihm jedoch nahezu jegliches praktische Beispiel fehlt), sondern der Konsens, der eine legitime Regierung begründet.
Würde Locke anerkennen, dass Regierungen legitimerweise durch Gewalt an die Macht kommen können, müsste er seine Unterscheidung zwischen legitimer und illegitimer Herrschaft aufgeben, folglich muss er sich gegen die Realitäten seiner Zeit stellen um die Rechtmäßigkeit einer Regierung vom Konsens der Regierten abhängig machen zu können. Damit stellt sich Locke gegen nahezu jede damalige Regierung - was seinen Wunsch, seine Urheberschaft an den Treatises geheimzuhalten teilweise erklärt.
Bezüglich des Konsenses bleibt festzuhalten, dass es sich hierbei um einen Prozess handelt, der sich in zwei Schritten vollzieht:
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Situation Englands unter Charles II. ein und erläutert Lockes Widerstand gegen absolutistische Tendenzen sowie den Entstehungskontext seines Hauptwerkes.
2 Begegnungen und das Werk John Lockes: Das Kapitel beleuchtet den Lebensweg Lockes, seine prägenden akademischen Begegnungen sowie die Bedeutung seines Umfelds für die Entwicklung seiner politischen Theorie.
3 Two Treatises of Government: Dieses zentrale Kapitel analysiert Lockes Theorie der Staatsformen, das Wesen des Naturzustandes und die rechtlichen Grenzen der gesetzgebenden Gewalt sowie das Widerstandsrecht.
4 Der Kontext der Enstehung des Werkes: Hier wird der historische Entstehungszeitraum diskutiert, insbesondere die Auseinandersetzung mit Robert Filmer und die Frage nach dem Einfluss auf die Glorreiche Revolution.
5 Government nach den Treatises: Die Aufnahme des Werkes Lockes in Verfassungs theorie und –praxis: Dieses Kapitel zeigt die weitreichende Wirkung von Lockes Werk auf die Verfassungsgeschichte, insbesondere in den USA, Lateinamerika und Frankreich.
John Locke, Two Treatises of Government, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Legislative, Widerstandsrecht, Eigentum, Freiheit, Souveränität, Glorreiche Revolution, Verfassungsgeschichte, Liberalismus, Menschenrechte, Politikphilosophie, Rechtsstaatlichkeit.
Die Arbeit analysiert die politische Philosophie von John Locke, insbesondere die Kapitel 10 und 11 seiner "Zwei Abhandlungen über die Regierung", und setzt diese in den Kontext seiner Zeit und seines Lebenswegs.
Im Mittelpunkt stehen die natürliche Freiheit des Menschen, der Gesellschaftsvertrag, die Legitimität staatlicher Gewalt, der Schutz des Eigentums sowie die theoretische Fundierung des Widerstandsrechts.
Ziel ist es, die philosophischen Grundlagen von Lockes Staatsverständnis herauszuarbeiten und zu verstehen, wie Locke die Legitimation einer Regierung an das Vertrauen und den Konsens der Regierten knüpft.
Der Autor nutzt eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, um Lockes Argumentation im Lichte seiner persönlichen Biografie, seiner Zeitgenossen und des zeithistorischen Umfelds des 17. Jahrhunderts zu interpretieren.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Exegese der "Two Treatises", der kritischen Auseinandersetzung mit Zeitgenossen wie Filmer und Hobbes sowie der Analyse der verfassungsrechtlichen Auswirkungen von Lockes Werk.
Wichtige Begriffe sind Naturzustand, Legislative, Volkssouveränität, Willkürverbot, Rechtssicherheit und die Verfassungsrezeption in den USA und anderen westlichen Demokratien.
Lockes Postulat des Widerstandsrechts war in einer Zeit, in der der Königsmord als schwerstes Verbrechen galt, eine revolutionäre Rechtfertigung für den Schutz der Freiheit und des Eigentums gegen tyrannische Herrscher.
Während bei Hobbes das Eigentum letztlich dem Souverän untergeordnet ist, betont Locke das Eigentum als ein individuelles Recht, das der Grund und Zweck des Staates ist und durch den Gesetzgeber nicht willkürlich angetastet werden darf.
Locke sieht in der Erziehung ein Instrument zur Förderung mündiger Bürger, die rational handeln und die Freiheit sowie das öffentliche Wohl verteidigen können, was eine Brücke zwischen seiner Pädagogik und seiner Politikphilosophie schlägt.
Aufgrund des politisch hochbrisanten Inhalts, der sich gegen die absolute Herrschaft richtete, bestand die Gefahr von Verfolgung, weshalb Locke seine Urheberschaft lange Zeit verschwieg und nur einem kleinen Kreis von Vertrauten anvertraute.
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