Fachbuch
225 Seiten
1 Erste Besiedlungsspuren im Rhein-Main-Gebiet
1.1 Bandkeramische Bauern der Jungsteinzeit
1.2 Kelten und Wanderung der Kimbern
1.3 Römer und Alemannen
2 Landnahme der Franken im Odenwaldraum
2.1 Fränkische Besiedlung ab 496 n. Chr.
2.2 Fränkische Gaue und Gaugrafen
2.3 Fränkische Königshöfe und Martinskirchen
3 Waldmarken des Odenwaldes
3.1 Einrichtung der Waldmarken
3.2 Waldmark Heppenheim und Mark Michelstadt
4 Organisation der Odenwald-Besiedlung
4.1 Siedlungsträger und Rodungsperioden
4.2 Benediktinischer Geist und Siedler
4.3 Villikationen und Waldhufendörfer
5 Kolonisation des Benediktinerklosters Lorsch
5.1 Kloster Lorsch im Vorderen Odenwald
5.2 Gang in den Buntsandstein-Odenwald
6 Kolonisation des Benediktinerklosters Amorbach
6.1 Kloster Amorbach im Hinteren Odenwald
6.2 Zugewinn der oberen Zent Mudau
7 Siedlungsträger im nördlichen Odenwald
7.1 Gründungen des Benediktinerklosters Fulda
7.2 Andere Herren im nördlichen Odenwald
8 Siedlungsträger im südlichen Odenwald
8.1 Eine Gründung des Bistums Worms
8.2 Weltliche Träger im Neckartal-Odenwald
8.3 Gründungen des Benediktinerklosters Mosbach
9 Beispiel einer Villikation: Beerfelden
9.1 Geographische Lage und Namensdeutung
9.2 Wo war der Fronhof Beerfeldens?
9.3 Martinskirche und Pastorei
9.4 Blockgewannflur, Huben, Allmende
9.5 Leibeigenschaft, Zehnter und Fronakkord
9.6 Tuchmacherei und Sozialstruktur 1691
10 Beispiele angelegter Waldhufendörfer
10.1 Ältestes Waldhufendorf: Zotzenbach
10.2 Waldhufendorf im Buntsandstein: Airlenbach
10.3 Plansiedlung im Amorbacher Raum: Boxbrunn
11 Herrschaftsanfänge im Odenwald
11.1 Fränkischer Königshof, Sankt Michael
11.2 Einhard erhält die Mark Michelstadt
12 Die Schenken von Erbach
12.1 Ihre Herkunft; Klostervögte von Lorsch
12.2 Burg Erbach und Burgmannen-Siedlung
13 Die Zentverwaltung im Odenwald
13.1 Die Zent: Begriff und Forschungsgegenstand
13.2 Zentgraf und Gerichtsmänner
13.3 Aufgabe Wehrverfassung
13.4 Aufgabe Zentgericht
13.5 Vier weitere Aufgaben der Zent
13.6 Spuren alter Zenten in Odenwald und Ostfranken
14 Der Bauernkrieg im Odenwald
14.1 Schenk Eberhard XIII. im Bauernkrieg 1525
14.2 Ein Gerichtstag im Schlosshof zu Erbach
14.3 Eberhards Bedeutung und Andenken
15 Die Entstehung der Grafschaft Erbach
15.1 Der Erwerb des Grafentitels 1532
15.2 Die Reformation in der Grafschaft
16 Der Odenwald im Fränkischen Reichskreis
16.1 Die Gründung des Fränkischen Reichskreises
16.2 Das Fränkische Reichsgrafenkollegium
16.3 Sonderstellung des Ritterkantons Odenwald
16.4 Herrschaften um 1550; weitere Entwicklung
16.5 Der Odenwald vor der Französischen Revolution
17 Napoleon gestaltet den Odenwald um
17.1 Reichsdeputationshauptschluss 1803
17.2 Rheinbundakte und Auflösung des Reiches 1806
17.3 Besitzergreifung der Grafschaft durch Hessen
18 Reaktion der Odenwälder auf die neuen Herren
18.1 Widerstand der Bevölkerung
18.2 Beschwerde der Erbacher Grafen wider Hessen
18.3 Versuch die Grafschaft Erbach wiederherzustellen
18.4 Warum der Odenwald ein Teil Frankens bleibt
Die vorliegende Arbeit untersucht die früh- und hochmittelalterliche Besiedlung des Odenwaldes sowie die Herausbildung und Entwicklung der dortigen Herrschaftsstrukturen bis zum Ende des Alten Deutschen Reiches im Jahr 1806. Mittels geographischer und historischer Forschungsmethoden analysiert der Autor die Binnenkolonisation, die Rolle der Benediktinerklöster und die Entwicklung spezifischer Verwaltungsformen wie der Zenten.
1.1 Bandkeramische Bauern der Jungsteinzeit
In der späteren Jungsteinzeit muss man sich die Landschaft bis auf die Höhen noch bewaldet vorstellen. Die großen Flüsse, sofern sie sich durch Ebenen bewegen, mäandrierten stark und überfluteten das Gelände, weshalb sie keine guten Siedlungsplätze darstellten. Deshalb finden sich direkt am Main und Rhein keine oder fast keine steinzeitlichen Spuren. Anders ist es am Neckar, der in einem engen Bett durch den Odenwald fließt und dann in einem großen Schwemmfächer aus dem Gebirge austritt. Hier sind überall überschwemmungssichere Siedlungsplätze, weshalb der Neckar ab Neckargemünd bis über Ladenburg hinaus ein bevorzugter, jungsteinzeitlicher Siedlungsraum der Bandkeramischen Kultur (etwa 5500–4500 v. Chr.) war. Das Gebirge wurde bis auf Höhenwege und einzelne Berge am Rande gemieden, da die Durchstreifung der versumpften Täler und dichten Wälder doch mit unnötigen Mühen verbunden gewesen wäre.
Vorteilhaft sind aber die vielen kleineren Gewässer, die aus dem Gebirge austreten; siedelt man hier auf dem Gebirgsfuß, so hat man beides: das frische, fließende Wasser und den überschwemmungssicheren Platz. Außerdem eine leicht erhöhte Lage, was günstig ist, um sich vor herannahenden Gefahren besser schützen zu können. Deshalb wurde von den Bandkeramikern auch der flach ausklingende nördliche Odenwaldrand um Modau, Gersprenz, Richer Bach und Welzbach zur Siedlung genutzt.
1 Erste Besiedlungsspuren im Rhein-Main-Gebiet: Das Kapitel betrachtet die frühesten menschlichen Spuren im Odenwaldraum von der Jungsteinzeit bis zur römischen Zeit.
2 Landnahme der Franken im Odenwaldraum: Hier wird der Prozess der fränkischen Landnahme ab 496 n. Chr. sowie die Bedeutung der Gau-Einteilung und fränkischer Königshöfe behandelt.
3 Waldmarken des Odenwaldes: Dieses Kapitel erläutert die Einrichtung der Waldmarken als Instrument der frühen territorialen Erschließung.
4 Organisation der Odenwald-Besiedlung: Es wird die systematische Besiedlung des Odenwaldes durch Klöster und die Einführung von Waldhufendörfern analysiert.
5 Kolonisation des Benediktinerklosters Lorsch: Ein Schwerpunkt liegt auf der bedeutenden Rolle des Klosters Lorsch bei der Erschließung des westlichen und zentralen Odenwaldes.
6 Kolonisation des Benediktinerklosters Amorbach: Das Kapitel widmet sich der Arbeit des Klosters Amorbach im Hinteren Odenwald und der Zent Mudau.
7 Siedlungsträger im nördlichen Odenwald: Es werden die Aktivitäten des Klosters Fulda und weltlicher Grundherren im nördlichen Raum dargestellt.
8 Siedlungsträger im südlichen Odenwald: Das Kapitel beleuchtet die komplexen Siedlungsstrukturen im Bereich des Neckartals unter verschiedenen Grundherren.
9 Beispiel einer Villikation: Beerfelden: Eine Fallstudie untersucht exemplarisch die Struktur und Entwicklung der Villikation Beerfelden.
10 Beispiele angelegter Waldhufendörfer: Es werden Zotzenbach, Airlenbach und Boxbrunn als spezifische Siedlungsbeispiele analysiert.
11 Herrschaftsanfänge im Odenwald: Hier geht es um die Entwicklung von Michelstadt vom fränkischen Königshof zum Einhard-Besitz.
12 Die Schenken von Erbach: Das Kapitel zeichnet den Aufstieg und die Bedeutung der Schenken von Erbach nach.
13 Die Zentverwaltung im Odenwald: Eine historische Untersuchung der Zent als Gerichts- und Verwaltungsbezirk sowie deren Funktionen.
14 Der Bauernkrieg im Odenwald: Es wird die Rolle von Schenk Eberhard XIII. im Bauernkrieg 1525 kritisch beleuchtet.
15 Die Entstehung der Grafschaft Erbach: Hier wird die Erhebung in den Grafenstand und die Reformation thematisiert.
16 Der Odenwald im Fränkischen Reichskreis: Das Kapitel erläutert die Einbindung des Odenwaldes in die reichsständische Ordnung des 16. bis 18. Jahrhunderts.
17 Napoleon gestaltet den Odenwald um: Eine Analyse der radikalen territorialen Umgestaltungen durch den Reichsdeputationshauptschluss und die Rheinbundakte.
18 Reaktion der Odenwälder auf die neuen Herren: Zum Abschluss wird der Widerstand gegen die neuen Landesherren nach 1806 und das Ende der alten Grafschaft betrachtet.
Odenwald, Fränkische Landnahme, Waldmarken, Benediktinerklöster, Lorsch, Amorbach, Siedlungsgeschichte, Waldhufendörfer, Villikation, Zentverwaltung, Grafschaft Erbach, Bauernkrieg, Napoleon, Mediatisierung, Herrschaftsstrukturen.
Die Arbeit bietet eine umfassende historische Untersuchung der Besiedlung und der Entwicklung von Herrschaftsstrukturen im Odenwald, beginnend bei den ersten menschlichen Spuren bis hin zum Untergang der alten Territorialverhältnisse im 19. Jahrhundert.
Zentrale Themen sind die fränkische Landnahme, die Rolle großer Klöster als Kolonisatoren, die Organisation der Zentverwaltung und die Geschichte der Grafschaft Erbach.
Ziel ist es, die Entwicklung des Odenwaldes als Kulturlandschaft nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie durch die Binnenkolonisation der mittelalterlichen Klöster und die Etablierung spezieller Verwaltungseinheiten (Zenten) eine dauerhafte Struktur geschaffen wurde.
Der Autor nutzt eine interdisziplinäre Methode, die historische Quellenanalyse (z.B. Lorscher Codex) mit siedlungsgeographischen Ansätzen wie Ortsnamenforschung, Flurformanalyse und praktischer Exkursion verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Studien zu spezifischen Siedlungsträgern, der Struktur von Villikationen, der Zentverwaltung und der politischen Geschichte des Hauses Erbach bis hin zu den napoleonischen Umgestaltungen.
Odenwald, Kolonisation, Benediktinerklöster, Waldhufensiedlung, Zentverwaltung und Grafschaft Erbach.
Lorsch war der Hauptkolonisator des Odenwaldes und erschloss über einen Zeitraum von gut 500 Jahren große Teile des Gebirges, insbesondere durch die Einrichtung von Villikationen und Waldhufendörfern.
Der Erbacher Schenk Eberhard XIII. nahm eine historisch bemerkenswerte Rolle ein, da er sich durch ein mutiges, aber mildes und vermittelndes Auftreten auszeichnete, was zur Schonung der Bauern und zur späteren Standeserhöhung beitrug.
Die Zent war ein spezifischer Gerichts- und Verwaltungsbezirk des Mittelalters, der eng mit der militärischen Sicherung und genossenschaftlichen Waldnutzung verbunden war und deren Spuren sich bis heute in Flurnamen und Strukturen finden.
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