Bachelorarbeit, 2021
52 Seiten, Note: 2,0
A. Einleitung
B. Grundlagen
I. Der Patent-Troll als Non Practicing Entity
II. Patentformen
1. Trivialpatente
2. Standardessentielle Patente
3. Patente in komplexen Produkten
III. Spezielle Formen des missbräuchlichen Verhaltens
1. Ausnutzung von Hold-up Situationen
2. Patenthinterhalt
3. Inanspruchnahme des Importeurs
IV. Das Ausschließlichkeitsrecht als Kern des Patentrechts
1. Funktionen des Ausschließlichkeitsrechts
a) Anreiz- und Belohnungsfunktion
b) Offenbarungsfunktion
2. Die Bedeutung des patentrechtlichen Unterlassungsanspruchs
C. Die neue Verhältnismäßigkeitsbeschränkung in § 139 I PatG
I. Historische Entwicklung der neuen Gesetzgebung
1. Die Enforcement-Richtlinie der Europäischen Union
2. „Ebay v. MercExchange“
3. Die „Wärmetauscher“-Entscheidung des BGH
II. Bestimmung der einzelnen gesetzlichen Merkmale
1. Die Unverhältnismäßigkeit
a) Der Verfassungsrang des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes
b) Der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz im Privatrecht
c) Patentrechtliche Konkretisierung
2. Anknüpfung an die Inanspruchnahme des Unterlassungsanspruchs
3. Die besonderen Umstände des Einzelfalls
4. Durch das Ausschließlichkeitsrecht nicht gerechtfertigte Härte
5. Grundsatz von Treu und Glauben
6. Die Interessen des Verletzers
a) Art und Umfang des Verschuldens
b) Wirtschaftliche Folgen einer Unterlassungsverfügung
c) Versuch einer Beseitigung des Anscheins rechtswidrigen Verhaltens
d) Möglichkeit einer angemessenen Lizenzierung
7. Die Interessen schutzwürdiger Dritter
a) Schutzwürdige Dritte auf Seiten des Verletzers
b) Schutzwürdige Dritte auf Seiten des Patentinhabers
c) Verbraucher und die Allgemeinheit als schutzwürdige Dritte
III. Die Interessen des Patentinhabers
1. Die Interessen des Patentinhabers als ungeschriebenes Merkmal
2. Nicht-Praktizierung des Patents
a) Wille des Gesetzgebers
b) Kein logischer Zusammenhang
c) Ökonomische Funktion
d) Keine Differenzierung de lege lata
e) Erfüllung der Innovationsfunktion
3. Verletzte Patentform
a) Standardessentielle Patente
b) Patentdickicht in einem komplexen Produkt
c) Trivialpatente
IV. Rechtsfolge und Ausgleichsanspruch
V. Zwischenergebnis
D. Kritik an der gesetzlichen Neuregelung
I. Keine Notwendigkeit einer Gesetzesänderung
II. Zu weitgehende Einschränkung des Unterlassungsanspruchs
III. Alternative Lösungsvorschläge
E. Fazit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine kritische Analyse der neuen gesetzlichen Verhältnismäßigkeitsbeschränkung in § 139 I PatG durchzuführen, um das Risiko einer missbräuchlichen Durchsetzung des patentrechtlichen Unterlassungsanspruchs zu bewerten.
A. Einleitung
In der Welt der skandinavischen Sagen ist der Troll ein Wesen von unvorteilhafter Gestalt, das mit Vorliebe schlafende Kaufleute überfällt. Er findet sich nicht nur in skandinavischen Sagen, sondern auch in deutschen Märchen wieder, wo er als Brückentroll unter Brücken lauert. Nähert sich ein argloser Reisender der Brücke, so springt er plötzlich und unvermittelt hervor, um dem Reisenden einen überhöhten Wegzoll abzunüpfen.
Nun scheint diesem schadensbringenden Quälgeist der Sprung von der Sagen- und Märchenwelt in die reale Welt des Patentrechts gelungen zu sein. Dieser Eindruck drängt sich einem zumindest auf und zwar nicht nur beim Lesen von Artikeln in der Tagespresse, sondern auch bei der Lektüre juristischer Fachaufsätze, die sich im Wesentlichen mit einer Beschränkung des patentrechtlichen Unterlassungsanspruchs beschäftigen. In der durchaus sehr realen Welt des Patentrechts droht er als sogenannter Patent-Troll nämlich vornehmlich mit dem scharfen Schwert des patentrechtlichen Unterlassungsanspruchs, um vermeintlichen Patentverletzern unter Ausnutzung seiner formalen Rechtsstellung überhöhte Lizenzgebühren abzuzwingen. Die Durchsetzung des patentrechtlichen Unterlassungsanspruchs führt bei Feststellung einer Verletzung des Patents regelmäßig zur Einstellung der Produktion oder zumindest zu einer technischen Umgestaltung des betroffenen Produkts. Dies ist in der Regel mit deutlichen höheren Kosten verbunden als die Zahlung einer Lizenzgebühr.
A. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Patent-Trolle und die aktuelle Debatte um die Beschränkung des patentrechtlichen Unterlassungsanspruchs ein.
B. Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert das Geschäftsmodell von Patent-Trollen (Non Practicing Entities) und untersucht die Bedeutung des Ausschließlichkeitsrechts sowie des Unterlassungsanspruchs im Patentsystem.
C. Die neue Verhältnismäßigkeitsbeschränkung in § 139 I PatG: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der gesetzlichen Neuregelung, ihrer Entstehungsgeschichte und der Auslegung der einzelnen Merkmale im Rahmen der Verhältnismäßigkeitsprüfung.
D. Kritik an der gesetzlichen Neuregelung: Dieses Kapitel beleuchtet kritische Stimmen in der Literatur, die die Notwendigkeit sowie die Reichweite der Gesetzesänderung in Frage stellen und alternative Ansätze diskutieren.
E. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Auswirkungen der Neuregelung auf das Gleichgewicht zwischen Schutz des geistigen Eigentums und dem Interesse an der Vermeidung missbräuchlicher Rechtsausübung.
Patentrecht, Unterlassungsanspruch, Patent-Troll, Non Practicing Entity, Verhältnismäßigkeit, § 139 I PatG, Missbrauch, Lizenzgebühren, Innovation, Wärmetauscher-Entscheidung, Rechtsmissbrauch, Ausschließlichkeitsrecht, Interessenabwägung, Patentdickicht, Schadensersatz
Die Arbeit analysiert die neue gesetzliche Beschränkung des patentrechtlichen Unterlassungsanspruchs in Deutschland und deren Auswirkungen auf die missbräuchliche Ausnutzung des Patentrechts.
Im Fokus stehen das Verhalten von sogenannten Patent-Trollen, die Dogmatik des patentrechtlichen Unterlassungsanspruchs und die Auslegung der neuen Verhältnismäßigkeitsprüfung nach § 139 I PatG.
Ziel ist es zu untersuchen, ob die neue gesetzliche Regelung tatsächlich geeignet ist, missbräuchliche Patentdurchsetzungen effektiv zu verhindern, ohne den Kernbereich des Patentschutzes zu schwächen.
Die Arbeit nutzt eine rechtsdogmatische Analyse unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen (Gesetzgebung), der aktuellen Rechtsprechung und des Schrifttums.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen, die detaillierte Analyse der neuen gesetzlichen Merkmale der Verhältnismäßigkeitsbeschränkung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Neuregelung.
Wesentliche Begriffe sind Patent-Troll (NPE), Unterlassungsanspruch, § 139 I PatG, Verhältnismäßigkeit und Interessenabwägung.
Sie dient als maßgebliche Rechtsprechungslinie des BGH, die den Weg für die gesetzliche Verankerung der Verhältnismäßigkeitsbeschränkung ebnete und wichtige Kriterien für die Abwägung vorgab.
Der Autor stellt fest, dass Teile der Literatur eine Notwendigkeit der Gesetzesänderung bestreiten und vor einer zu weitreichenden Einschränkung des Unterlassungsanspruchs warnen, die dem bewährten Patentsystem schaden könnte.
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