Diplomarbeit, 2008
124 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Erkenntnisziel
1.2 Aufbau der Arbeit.
2. Der demografische Wandel und seine Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
2.1 Bisherige Entwicklungen und Zukunftsprognosen
2.1.1 Die Entwicklung der Geburtenhäufigkeit
2.1.2 Die Entwicklung der Lebenserwartung
2.1.3 Die Entwicklung von Wanderungen
2.2 Auswirkungen auf Bevölkerungszahl und Altersstruktur der Gesellschaft
2.2.1 Auswirkungen auf die Bevölkerungszahl
2.2.2 Auswirkungen auf die Altersstruktur
2.3 Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
3. Die Erklärung kollektiver Phänomene unter Bezugnahme der Theorie der rationalen Wahl
3.1 Die Erklärung kollektiver Phänomene in der Soziologie
3.2 Bausteine und Prinzip einer Theorie der rationalen Wahl
3.3 Kritische Würdigung der Rational-Choice-Theorie
3.4 Der Einfluss sozialer Kräfte auf das individuelle Handeln
3.5 Das Grundmodell der soziologischen Erklärung
4. Die Erklärung der Erwerbsbeteiligung Älterer
4.1 Definition „ältere Erwerbspersonen“
4.2 Das Rational-Choice-Modell der Erwerbsbeteiligung Älterer
4.2.1 Die Logik der Situation
4.2.1.1 Die soziale Situation der Erwerbstätigen
4.2.1.2 Die soziale Situation der Erwerbslosen
4.2.1.3 Die Verbindung zwischen sozialer Situation und Akteur
4.2.2 Die Logik der Selektion
4.2.3 Die Logik der Aggregation
5. Die Erwerbsbeteiligung Älterer in Deutschland und Schweden – eine komparative Analyse
5.1 Die komparative historische Analyse
5.1.1 Charakteristika
5.1.2 Einsatz und Schwächen
5.1.3 Methoden
5.2 Die Arbeitsmarktsituation älterer Erwerbspersonen in Deutschland und Schweden
5.2.1 Überblick über die Arbeitsmarktsituation Älterer in Deutschland und Schweden
5.2.2 Deutschland und Schweden in europäischer Perspektive
5.3 Die komparative Analyse der sozialen Situation in Deutschland und Schweden
5.3.1 Makroebene
5.3.1.1 Die Konjunktur
5.3.1.2 Das generalisierte Altersbild
5.3.1.3 Die Ausgestaltung des Wohlfahrtsstaates
5.3.1.3.1 Das System der Arbeitsbeziehungen
5.3.1.3.2 Die Arbeitsmarktpolitik
5.3.1.3.3 Die Ausgestaltung des Rentensystems
5.3.1.3.4 Weitere Grundpfeiler der Sozialpolitik
5.3.1.4 Auswirkungen der Makroebene auf die Erwerbsbeteiligung Älterer
5.3.2 Mesoebene
5.3.2.1 Die betriebliche Personalpolitik in Bezug auf Ältere
5.3.2.2 Die Bekämpfung des Qualifikationsrisikos Älterer im Betrieb
5.3.2.3 Die Bekämpfung des Krankheitsrisikos Älterer im Betrieb
5.3.2.4 Auswirkungen der Mesoebene auf die Erwerbsbeteiligung Älterer
5.3.3 Die Mikroebene
5.3.3.1 Das individuelle Qualifikationsniveau
5.3.3.2 Der individuelle Gesundheitszustand
5.3.3.3 Wunsch nach alternativer Gestaltung der Lebenszeit
5.3.3.4 Wiedereintrittswunsch und empfundene -wahrscheinlichkeit
5.3.3.5 Auswirkungen der Mikroebene auf die Erwerbstätigkeit Älterer
6. Schlussfolgerungen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die unterschiedliche Höhe der Erwerbsbeteiligung älterer Menschen in Deutschland und Schweden. Auf Basis eines Rational-Choice-Modells wird analysiert, wie wohlfahrtsstaatliche Arrangements, betriebliche Personalpolitiken und individuelle Faktoren die Entscheidung von Akteuren beeinflussen, am Arbeitsmarkt zu verbleiben oder diesen zu verlassen.
Die Erklärung kollektiver Phänomene in der Soziologie
Kollektive Phänomene wie beispielsweise die Erwerbsbeteiligung in einer Gesellschaft sind Phänomene, die auf der Makroebene, d.h. der Ebene der Gesellschaft, in Erscheinung treten. Im Allgemeinen existieren zwei Möglichkeiten, sie zu erklären. Eine erste besteht darin, von bestimmten Bedingungen auf der Makroebene direkt auf das Explanandum, d.h. das zu Erklärende, zu schließen. Dieses Vorgehen wird als „Variablensoziologie“ oder „causal modeling“ bezeichnet. Hier werden zwei oder mehrere Variablen mit Hilfe statistischer Methoden miteinander korreliert. Ist die Korrelation dabei ungleich null, spricht man von einem Effekt der unabhängigen auf die abhängige Variable (vgl. Brüderl 2004, S. 164). Die Schwachpunkte dieser Strategie fasst Esser mit den Worten „not explanatory, (…) incomplete, and (…) meaningless“ (Esser 1996, S. 159) zusammen und verweist damit vor allem auf ein zentrales Problem: das Fehlen einer tatsächlich erklärenden Verbindung zwischen unabhängiger und abhängiger Variable.
Durch die vorrangige Verwendung von Standardvariablen der Demografie wie Alter oder Einkommen, werden Hintergrundvariablen mit tatsächlichem Erklärungsgehalt ausgeblendet. Die Frage, warum es zu bestimmten Handlungen kommt, bleibt dabei ungeklärt, weswegen hier häufig von „black-box explanations“ (Hedström/Swedberg 1998a, S. 9) gesprochen wird. Mit dieser Begrifflichkeit wird ferner die Unvollständigkeit und Bedeutungslosigkeit der Erklärungen aufgezeigt (vgl. Esser 1996, S. 159ff.). Hedström und Swedberg verweisen demgegenüber auf eine zweite Möglichkeit, kollektive Phänomene zu erklären, nämlich mit Hilfe sozialer Mechanismen.
„The search for mechanisms means that we are not satisfied with merely establishing systematic covariation between variables or events; a satisfactory explanation requires that we are also able to specify the social ‘cogs and wheels’(...) that have brought the relationship into existence” (Hedström/Swedberg 1998a, S. 7).
1. Einleitung: Vorstellung des Erkenntnisziels, die Variation der Erwerbsbeteiligung Älterer in Deutschland und Schweden durch ein Modell der rationalen Wahl zu erklären.
2. Der demografische Wandel und seine Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Analyse der Einflussfaktoren wie Geburtenrate, Lebenserwartung und Wanderungen sowie deren Folgen für die Altersstruktur und den Arbeitsmarkt.
3. Die Erklärung kollektiver Phänomene unter Bezugnahme der Theorie der rationalen Wahl: Darlegung der theoretischen Grundlagen und des soziologischen Erklärungsmodells nach Esser, um kollektive Effekte auf individuelle Entscheidungen zurückzuführen.
4. Die Erklärung der Erwerbsbeteiligung Älterer: Konkretisierung des Modells der rationalen Wahl für ältere Erwerbspersonen durch Definition der Einflussfaktoren auf Makro-, Meso- und Mikroebene.
5. Die Erwerbsbeteiligung Älterer in Deutschland und Schweden – eine komparative Analyse: Durchführung des historischen Ländervergleichs und empirische Anwendung des Erklärungsmodells auf die beiden spezifischen Wohlfahrtsregime.
6. Schlussfolgerungen: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion zur Gültigkeit des aufgestellten Modells im Licht des Ländervergleichs.
Erwerbsbeteiligung, Ältere, demografischer Wandel, Deutschland, Schweden, Rationale Wahl, Rational Choice, Wohlfahrtsstaat, Arbeitsmarkt, Beschäftigungspolitik, Weiterbildung, Altersbild, Qualifikationsrisiko, Frühverrentung, Arbeitsorganisation.
Die Arbeit untersucht, warum sich die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen in Deutschland und Schweden so deutlich voneinander unterscheidet.
Zentrale Themen sind der demografische Wandel, die Theorie der rationalen Wahl, wohlfahrtsstaatliche Arrangements sowie betriebliche Personalstrategien.
Das Ziel ist es, Ursachen für die Variation in der Erwerbsbeteiligung älterer Erwerbspersonen zwischen Deutschland und Schweden auf Basis eines theoretischen Erklärungsmodells aufzuzeigen.
Es wird eine komparative historische Analyse genutzt, um die Bedingungen in den beiden Ländern zu vergleichen und auf das entwickelte theoretische Modell anzuwenden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Erklärungsmodells und dessen praktische Anwendung durch den Vergleich der deutschen und schwedischen Arbeitsmarktsituation auf Makro-, Meso- und Mikroebene.
Erwerbsbeteiligung, demografischer Wandel, Rationale Wahl, Wohlfahrtsstaat, Arbeitsmarktpolitik und Qualifikationsrisiko.
Deutschland wird als konservatives Regime mit stärkerer Tendenz zur Frühverrentung (Employment-Exit) eingeordnet, während Schweden als sozialdemokratisches Regime mit einer aktivierenden Arbeitsmarktpolitik (Employment-Maintenance) beschrieben wird.
Ein negatives Altersbild führt gesellschaftlich und betrieblich häufig zur Verdrängung älterer Arbeitnehmer, während ein positives Bild deren Stärken betont und einen längeren Verbleib fördert.
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