Examensarbeit, 2021
84 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Geschlecht als soziale Kategorie
2.1 Begriffserklärung von „sex“, „sex category“, „gender“ und „doing gender“
2.2 Sozialwissenschaftliche Perspektive auf gender in der Schule im historischen Kontext
2.2.1 Prinzip der Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität
2.2.2 Der Wandel von Monoedukation zu Koedukation
2.3 Heimlicher Lehrplan
3. Ethnomethodologischer Ansatz
3.1 Konstruktion der sozialen Wirklichkeit
3.2 Leitidee des ethnomethodologischen Ansatzes in Bezug auf „doing gender“
3.3 Der Fall „Agnes“ als Beispiel für „doing gender“ in der Ethnomethodologie
4. „Doing gender“ in der Schule als ethnomethodologischer Untersuchungsgegenstand
4.1 Konstruktion von Geschlecht auf struktureller Ebene
4.1.1 Feminisierung des Bildungswesens
4.1.2 Hegemoniale Männlichkeit als Teil der Schule
4.2 Konstruktion von Geschlecht auf interaktiver Ebene
4.2.1 Stereotypenbildung in der Schule
4.2.2 Studien zu „doing gender“ im Unterrichtsgespräch
4.2.3 Generisches Maskulinum im Kontext Schule
4.3 Konstruktion von Geschlecht auf thematischer Ebene
4.3.1 Relevanz von Geschlecht im Lehrplan des Landes Hessens
4.3.2 Relevanz von Geschlecht im sozialwissenschaftlichen Lehrplan des Landes Hessens
4.4 Praxisexkurs: Lehrwerkanalyse von „Mensch und Politik“ der Sekundarstufe 1 des Landes Hessens im Fach Politik und Wirtschaft
4.4.1 Ethnomethodologische Auseinandersetzung mit der thematischen Konzeption von „doing gender“ in der Schule
4.4.2 Reflexion der ethnomethodologischen Untersuchung in Bezug auf die vom Lehrplan gestellten obligatorischen Inhalte
5. Möglichkeiten des „undoing gender“ in der Schule
5.1 Studie zu „Genderbeauftragten“
5.2 Relevanz von gendergerechter Sprache im Unterricht
5.3 Genderkompetenz für Lehrkräfte
5.3.1 Dramatisierung von Geschlecht
5.3.2 Entdramatisierung von Geschlecht
5.3.3 Reflexive Koedukation als Kompromiss
6. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels einer ethnomethodologischen Perspektive, wie das soziale Konstrukt „Geschlecht“ im schulischen Alltag durch sogenannte „doing gender“-Prozesse hergestellt, reproduziert und gefestigt wird. Ziel ist es, die strukturellen, interaktiven und thematischen Ebenen der Schulbildung zu beleuchten, um aufzuzeigen, wie das binäre Geschlechtersystem und hegemoniale Vorstellungen in Lehrplänen und Unterrichtsinteraktionen wirken.
3.1 Konstruktion der sozialen Wirklichkeit
Sofern man über eine Konstruktion spricht, gilt die Annahme, etwas sei durch Menschenhand erzeugt worden, dabei spielt es zunächst einmal keine Rolle, um welches Abstraktum es sich genau handelt. Wichtig ist nur, dass sich diese gesellschaftlich erzeugten Normen verändern lassen, was lediglich durch die Verteilung und Hierarchisierung von Machtprozessen erfolgen kann (Vgl. Keller 2009: S.87). Für die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Konstruktion sozialer Wirklichkeit wird Michel Foucault als vorantreibende Größe angesehen, mit dessen Hilfe sich die Verhältnisse von Macht, Diskurs und Wirklichkeit bestimmen lassen. Denn für eine Konstruktion ist ein spezifisches Wissen erforderlich, das in Form von Diskursen erzeugt und gelehrt werden muss, so gibt es kein angeborenes kognitives Kategoriensystem von Wissen, auf das sich bezogen werden kann. Wissen gleicht an dieser Stelle vielmehr einem symbolischen System, welches durch die Gesellschaft konstruiert, „legitimiert, kommuniziert und transformiert“ (Bettinger 2007: S.76). Um nun genauer über die Konstruktion der sozialen Wirklichkeit und ihrer Auswirkungen sprechen zu können, bedarf es der Klärung, was unter dem Begriff „Wirklichkeit“ verstanden werden kann. Für die Mitglieder einer Gesellschaft ist die Wirklichkeit, die sie wahrnimmt, sinngebend und insofern bedeutungsvoll, als dass sie die Vorstellung der Alltagswelt bestimmt und durch Wissen über diese erfasst (Vgl. Berger 2007: S.21ff). In Diskursen wird dieses Wissen über die soziale Wirklichkeit konstruiert und verhandelt, was in Form von Sprache erfolgen muss, da der Mensch und alles, was er tun oder sagen kann, von Sprache und dem damit in Verbindung stehenden Diskurs determiniert ist (Vgl. Bettinger 2007: S.78).
Den Grundstein, um soziale Wirklichkeit innerhalb einer Gesellschaft etablieren zu können, bildet ein gemeinsames Sprachsystem, da die Dinge und Handlungen, auf die der Mensch sich in seinen Interaktionen bezieht, sprachlich realisiert werden müssen (Vgl. Keller 2009: S.91). Folglich ist die Sprache, die aus historischen und gesellschaftlichen Prozessen hervorgeht, der Indikator dafür, was in der Gegenwart und Zukunft als Realität wahrgenommen wird. Das Kommunikationsmittel Sprache sichert Erfahrungen und Bedeutungen des Alltags für die gegenwärtigen Diskurse, aber auch für die nachfolgenden Generationen ab (Vgl. Berger 2007: S.39).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Geschlechterforschung innerhalb der Soziologie ein und erläutert den Fokus auf ethnomethodologische Ansätze zur Aufdeckung von „doing gender“-Prozessen im Schulalltag.
2. Geschlecht als soziale Kategorie: Das Kapitel definiert grundlegende Begriffe wie „sex“, „gender“ und „doing gender“ und verortet das Verständnis von Geschlecht als soziales Konstrukt im historischen und machttheoretischen Kontext.
3. Ethnomethodologischer Ansatz: Hier werden die theoretischen Grundlagen des ethnomethodologischen Ansatzes nach Harold Garfinkel dargelegt, insbesondere im Hinblick auf die soziale Konstruktion von Wirklichkeit und die Bedeutung von Alltagspraktiken.
4. „Doing gender“ in der Schule als ethnomethodologischer Untersuchungsgegenstand: Dieser Hauptteil analysiert, wie Geschlecht auf struktureller, interaktiver und thematischer Ebene innerhalb der Institution Schule durch Diskurse und Lehrmaterialien reproduziert wird.
5. Möglichkeiten des „undoing gender“ in der Schule: Das Kapitel diskutiert pädagogische Interventionsmöglichkeiten, wie etwa Genderkompetenztraining für Lehrkräfte und den bewussten Einsatz gendergerechter Sprache, um Stereotype abzubauen.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert die Erkenntnisse der Arbeit und betont die Notwendigkeit einer reflexiven pädagogischen Haltung, um soziale Ungleichheiten in schulischen Machtgefügen aufzubrechen.
Doing Gender, Undoing Gender, Ethnomethodologie, Soziale Konstruktion, Schule, Geschlechterrollen, Heteronormativität, Hegemoniale Männlichkeit, Lehrwerkanalyse, Gendergerechte Sprache, Sozialisation, Machtverhältnisse, Stereotypenbildung, Bildungswesen, Koedukation.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Perspektive auf das Konstrukt „Geschlecht“ im schulischen Kontext und untersucht, wie dieses durch alltägliche Prozesse (sog. „doing gender“) reproduziert wird.
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Geschlecht als soziales Konstrukt, der Einfluss des Schulsystems auf Geschlechterbilder, die Rolle von Lehrplänen und Schulbüchern sowie Möglichkeiten zur Dekonstruktion dieser Muster.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Institutionen wie Schule und Lehrkräfte unbewusst zur Aufrechterhaltung binärer Geschlechtervorstellungen beitragen und welche Möglichkeiten bestehen, diese durch „undoing gender“-Ansätze zu hinterfragen.
Die Arbeit nutzt einen ethnomethodologischen Ansatz. Dieser dient dazu, die Routinen und „Quasigesetze“ des Alltags zu untersuchen, die maßgeblich zur Stabilisierung der sozialen Ordnung und der Geschlechterhierarchien beitragen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der strukturellen, interaktiven und thematischen Ebenen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Analyse von Lehrwerken und der Wirksamkeit von Sprache im Schulalltag.
Wichtige Begriffe sind „doing gender“, „hegemoniale Männlichkeit“, „Heteronormativität“, „ethnomethodologische Analyse“ und „Genderkompetenz“.
„Agnes“ ist eine Fallstudie aus der Ethnomethodologie, die von Harold Garfinkel begleitet wurde. Sie dient in der Arbeit als Beispiel dafür, wie eine Person in einer Gesellschaft aktiv daran arbeiten muss, ein „natürliches“ Geschlecht darzustellen, um gesellschaftliche Anerkennung zu finden.
Die Analyse zeigt, dass die Verwendung des generischen Maskulinums in Schulbüchern die Vormachtstellung des männlichen Geschlechts sprachlich manifestiert und zur Unsichtbarkeit weiblicher Identitäten im schulischen Diskurs beiträgt.
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