Bachelorarbeit, 2021
83 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1. Relevanz und Forschungsfrage
1.2. Methodik
1.3. Literaturübersicht und bisheriger Forschungsstand
2. Theoretischer Hintergrund: Neorealismus
2.1. Defensiver Ansatz nach Kenneth Waltz und Stephen Walt
2.2. Offensiver Ansatz nach John Mearsheimer
3. Thematischer Hintergrund
3.1 Europäische Strategische Autonomie (ESA)
3.2. Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP)
4. Fallstudien Strategische Autonomie und Balancing
4.1 Grundannahmen
4.2. Die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit (SSZ)
4.3. Der Europäische Verteidigungsfond (EVF)
4.4. Einschränkungen und kritische Beurteilung
5. Zusammenfassung und Fazit
Diese Arbeit untersucht aus der Perspektive des defensiven Neorealismus, inwieweit das Streben der Europäischen Union nach strategischer Autonomie als Balancing-Maßnahme in einem zunehmend multipolaren internationalen System zu verstehen ist, wobei der Fokus auf den sicherheits- und verteidigungspolitischen Implikationen liegt.
1.1. Relevanz und Forschungsfrage
Verglichen mit anderen Politikfeldern der Europäischen Union (EU) wie dem Binnenmarkt gehört die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) sowie die ihr zugeordnete Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) zu den am geringsten integrierten Feldern. Obwohl dieses intergouvernementale Politikfeld bereits seit den Anfangstagen der EU eine Rolle spielte, kam es nie zu einer größeren Umsetzung und vertieften Integration, da europäische Verteidigung primär als Aufgabe der NATO angesehen wird.
Jedoch ist der Bedarf nach einer verstärkten europäischen Handlungsfähigkeit im Bereich der Außenpolitik, Sicherheit und Verteidigung in den vergangenen 10 Jahren deutlich gewachsen. Die Gründe liegen zum einen in neuen Bedrohungen und Herausforderungen für die EU. Zu nennen sind hier die russische Annexion der Krim 2014 und der seitdem andauernde Konflikt in der Ostukraine, der Syrische Bürgerkrieg und hierdurch bedingte Fluchtbewegungen nach Europa sowie Terrorismus, allem voran in Form des Islamischen Staates (European External Action Service, 2016, S.33ff).
Zum anderen hat sich der globalpolitische Fokus der Vereinigten Staaten von Amerika (USA), welche der wichtigste Verbündete Europas ist, zunehmend auf den Indo-Pazifik verschoben. Bedingt dadurch können sich die europäischen Staaten im Krisenfall immer weniger auf Unterstützung durch die USA verlassen. Dieser Zustand wurde zusätzlich durch die Präsidentschaft Donald Trumps verschärft. Seine scharfe und häufige Kritik an EU und NATO sorgten während den vier Jahren seiner Präsidentschaft für deutliche Spannungen in den transatlantischen Beziehungen, welche trotz der Wahl des Transatlantikers Joe Bidens zum US-Präsidenten nicht vollständig abnehmen dürften (Hofmann, 2021, S.6f,9).
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik und Formulierung der zentralen Forschungsfrage zum Balancing.
2. Theoretischer Hintergrund: Neorealismus: Erläuterung der neorealistischen Grundlagen, insbesondere des defensiven und offensiven Ansatzes zur Analyse staatlichen Verhaltens.
3. Thematischer Hintergrund: Definition der Begriffe Europäische Strategische Autonomie und Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie deren historische Entwicklung.
4. Fallstudien Strategische Autonomie und Balancing: Empirische Untersuchung der SSZ und des EVF als konkrete Instrumente der europäischen Sicherheitsarchitektur.
5. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der Frage, ob ESA als Balancing-of-Power zu interpretieren ist.
Europäische Strategische Autonomie, Neorealismus, Balancing-of-Power, Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik, Ständige Strukturierte Zusammenarbeit, Europäischer Verteidigungsfonds, Multipolarität, transatlantische Beziehungen, Verteidigungspolitik, industrielle Autonomie, Sicherheitsinteressen, Machtgleichgewicht, EU-Integration, Rüstungsindustrie, Geopolitik.
Die Arbeit untersucht, ob die aktuellen Bemühungen der EU, im Bereich der Sicherheit und Verteidigung autonomer zu werden, als neorealistisches „Balancing“ (Ausgleich von Machtverhältnissen oder Bedrohungen) gegenüber einer sich verändernden globalen Ordnung interpretiert werden können.
Als theoretisches Fundament dient der Neorealismus. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem defensiven Neorealismus nach Kenneth Waltz und Stephen Walt, um zu erklären, warum Staaten in einem anarchischen System Kooperation suchen.
Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwieweit die Forderung nach „Europäischer Strategischer Autonomie“ (ESA) als ein Versuch sicherheits- und verteidigungspolitischer Machtausbalancierung in einem multipolaren System zu verstehen ist.
Zur Überprüfung der Hypothese wurden die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit (SSZ) und der Europäische Verteidigungsfonds (EVF) als zentrale Initiativen der EU-Verteidigungspolitik detailliert analysiert.
Die Arbeit argumentiert, dass das internationale System sich in einer Transitionsphase hin zur Multipolarität befindet, was die EU vor neue Herausforderungen stellt, da die USA ihren Fokus zunehmend auf den Indo-Pazifik verlagern.
Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass das Streben nach ESA eher einem Balancing-of-Power gegenüber den USA entspricht, wenngleich in einer schwächeren Form, als dies die klassische Theorie vermuten ließe.
Frankreich wird als treibende Kraft identifiziert, die versucht, durch die SSZ und andere Initiativen europäische Fähigkeiten zu bündeln, um eine eigenständige Außenpolitik, insbesondere in seinen Interessenssphären wie Afrika, verfolgen zu können.
Der EVF wird als wichtiges Instrument für industrielle Autonomie eingestuft, wobei seine Wirkung durch nationale Interessen und die protektionistische Ausrichtung der Rüstungsindustrie bisher nur marginale Fortschritte erzielen konnte.
Ja, die Arbeit thematisiert die Unterschiede in der Bedrohungswahrnehmung, wobei insbesondere osteuropäische Staaten Russland als Hauptbedrohung sehen, während west- und südeuropäische Staaten andere sicherheitspolitische Schwerpunkte setzen.
Nein, die zugrundeliegende Hypothese, dass es sich primär um ein „Balancing-of-Threat“ gegenüber Russland handelt, konnte in den Fallstudien nicht bestätigt werden; stattdessen dominiert das „Balancing-of-Power“ gegenüber der dominierenden, aber potenziell abnehmenden Machtposition der USA.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

