Masterarbeit, 2017
137 Seiten
1 Einführung: Ethische Positionierung in der Arbeitswelt von morgen
1.1 Herauskristallisierung und Stellenwert der Themenstellung
1.2 Identifizierung einer forschungsrelevanten Frage- und Problemstellung
1.3 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Ethik als Regulativ unternehmerischen und mitarbeiterbezogenen Handelns: Ausprägung einer Verantwortungsethik und individueller Verantwortungsfähigkeit
2.1 Grundlagen zur betrieblichen (Verantwortungs-)Ethik
2.1.1 Definition (Verantwortungs-)Ethik im betrieblichen Kontext
2.1.2 Einordnung in das normative Wertegefüge
2.2 Aussagekraft ausgewählter verantwortungsethischer Modelle
2.2.1 Max Weber
2.2.2 Hans Jonas
2.2.3 Karl-Otto Apel
2.3 Die ethische Verantwortungsfähigkeit von Management und Mitarbeitenden
2.3.1 Definition und Ziele der (ethischen) Verantwortungsfähigkeit von Individuen
2.3.2 Ausprägungselemente im Überblick
2.4 Ethik und Zukunft: Verantwortungsvolles Mitarbeiterhandeln
2.4.1 Werte als zeitloses und/oder veränderliches Phänomen?
2.4.2 Begründung und Entwicklung eines zukunftsorientierten Ethikrasters als Reflexionsgrundlage
3 Mitarbeiterbezogene Verantwortungsfähigkeit in Organisationsformen und Arbeitswelten der Zukunft – eine erste ethische Reflexion anhand einer Literaturanalyse
3.1 Generierung eines interdependenten Wirkungsgeflechts als Grundlage
3.1.1 Ethikrelevante Wirk- und Gestaltungsvariablen
3.1.1.1 Zukunftsorientierte Arbeitswelten und Organisationsformen
3.1.1.2 Operationalisierung der Verantwortungsfähigkeit von Mitarbeitenden
3.1.2 Gestaltungshandeln: Determinismus versus gemäßigter Voluntarismus
3.1.3 Modellhafte Abbildung der interdependenten Wirkbeziehungen
3.2 Mitarbeiter-Verantwortungsfähigkeit in betrieblichen Organisationsformen und Arbeitskonzepten der Zukunft und ihre ethische Reflexion
3.2.1 Technologisch geprägte Arbeitswelt: Das Konzept Industrie 4.0 als Beispiel
3.2.1.1 Konzeptvorstellung
3.2.1.2 Sondierung der Verantwortungsfähigkeit der Mitarbeitenden
3.2.1.3 Ethische Reflexion
3.2.2 Neue Organisationsformen: Netzwerkstrukturen und fluide Arbeitsbeziehungen als Beispiele
3.2.2.1 Konzeptkennzeichnung
3.2.2.2 Verantwortungspositionierung der Mitarbeitenden
3.2.2.3 Ethische Reflexion
3.3 Gesamtbetrachtung und Grenzen der Mitarbeiterverantwortung
3.3.1 Vielfältige Verantwortlichkeiten der Mitarbeitenden in zukünftigen Arbeitsstrukturen
3.3.2 Systembedingte Grenzen der Verantwortungsfähigkeit von Mitarbeitenden
4 Begründung und Methodik des empirischen Untersuchungsansatzes
4.1 Begrenzte Aussagekraft der Literaturanalyse als Ausgangspunkt für eine eigene Untersuchung
4.2 Forschungsmethodische Grundkonzeption: Hypothesenuntersuchung
4.2.1 Systematische Ableitung von Hypothesen bzw. Forschungsfragen
4.2.2 Prüfbarkeit der Hypothesen: Möglichkeiten und Grenzen
4.3 Konkretes Forschungsdesign: Auswahl der Erhebungsmethodik und Fragebogengestaltung
4.3.1 Auswahl der Befragungsobjekte
4.3.2 Begründung der Favorisierung qualitativer Leitfadeninterviews
4.3.3 Hypothesentransformation in Fragen
4.4 Limitationen des gewählten Untersuchungsansatzes
5 Experteninterviews über die Verantwortungsfähigkeit von Mitarbeitenden und der praktischen Bedeutung des Ethikrasters
5.1 Zentrale Ergebnisse der Befragung ausgewählter Unternehmen
5.1.1 Darstellung der Ergebnisse
5.1.1.1 Relevanz neuer Arbeitswelten und Organisationsformen
5.1.1.2 Verantwortungsfähigkeit der Mitarbeitenden im neuen Arbeitskontext
5.1.1.3 Ethische Einschätzung der verantwortungszentrierten Mitarbeiterpositionierung
5.1.2 Ergebnis-Interpretation und Schlussfolgerungen
5.2 Expertenbefragung bei fachaffinen Instituten und Organisationen
5.2.1 Explikation zentraler Ergebnisse
5.2.1.1 Vorstellung von zukünftigen Arbeitswelten und betrieblichen Organisationsformen
5.2.1.2 Verantwortungspositionierung der Mitarbeitenden im veränderten Arbeitskontext
5.2.1.3 Ethische Reflexion der neuen Mitarbeitersicht
5.2.2 Interpretation der Ergebnisse und Schlussfolgerungen
5.3 Vergleich und Gesamtinterpretation der Befragungsergebnisse
5.3.1 Vergleich der beiden Befragungsschienen
5.3.2 Hypothesenprüfung und Gesamtinterpretation
6 Theoretische und praktische Ergebnisimplikationen
6.1 Theoretisches und pragmatisches Wissenschaftsziel der Betriebswirtschaftslehre als Orientierungsbasis
6.2 Theoretisch-forschungsorientierte Perspektive
6.2.1 Erkenntnisse aus einem systematischen Literatur-Praxis-Abgleich: Eröffnung neuer Forschungsperspektiven
6.2.2 Weiterentwicklung der arbeitszentrierten Ethikforschung
6.2.3 Konkretisierung relevanter Forschungsbezüge
6.2.3.1 Ergänzung des entwickelten Wirkmodells
6.2.3.2 Weiterentwicklung und Operationalisierung des Ethikrasters
6.3 Gestaltungsanregungen für Unternehmen: Integrativ-ethische Vorstellung von Verantwortungsfähigkeiten der Mitarbeitenden in zukünftigen Strukturen
6.3.1 Begründung der integrativen Konzeptvorstellung
6.3.2 Normative Ebene: Etablierung eines zukunftsfähigen und -gestaltenden Wertesystems als Grundlage der Verantwortungsfähigkeit
6.3.2.1 Technik, Mensch und Ethik: Austarierung zentraler Elemente
6.3.2.2 Ethikgeprägte Unternehmensphilosophien und -kulturen mit Fokus auf die Verantwortlichkeit der Mitarbeitenden
6.3.3 Strategische Ebene: Schaffung von mitarbeiterbezogenen Verantwortlichkeitsräumen
6.3.3.1 Dezentrale und delegative Organisations- und Führungsprinzipien vor dem Hintergrund des humanistischen Managementparadigmas
6.3.3.2 Potenziale des Mitunternehmer-Konzepts
6.3.4 Operative Ebene: Motivation und Befähigung der Mitarbeitenden zu einer ethisch geprägten Verantwortungsfähigkeit
6.3.4.1 Motivierung: Anreize zur Verantwortungsfähigkeit
6.3.4.2 Qualifizierung: Schulung und Coaching der Mitarbeitenden
7 Fazit und Ausblick
7.1 Ergebnisquintessenz: Zentrale Erkenntnisse der Arbeit
7.2 Ausblick: Zukunftsgestaltung und weiterer Forschungsbedarf
Ziel der Arbeit ist es, die Verantwortungsfähigkeit von Mitarbeitenden in den komplexen Arbeitswelten der Zukunft zu untersuchen und Gestaltungsmöglichkeiten für ein integrativ-ethisches Managementkonzept aufzuzeigen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie Mitarbeitende und Unternehmen ihre jeweiligen Anforderungen in ein gemeinsames ethisches Werteverständnis übersetzen können, um so Verantwortung auf Mikroebene erfolgreich wahrzunehmen.
2.2.1 Max Weber
In seinem Vortrag „Politik als Beruf“35 trifft Max Weber die für das Verständnis von Verantwortung bedeutsame Unterscheidung zwischen der Kant’schen Gesinnungsethik und einer Verantwortungsethik.36 Kants Gesinnungsethik beschreibt ein Handeln des Individuums, bei der die wirklichen, reinen Ziele und Absichten des Handelnden wichtiger sind als das Ergebnis dieser Handlung, auch wenn diese im Keim reinen Ziele und Absichten negative Folgen haben könnten. Die Gesinnung steht bei Kant damit meist im Singular für eine sittliche ethische Haltung und ermöglicht damit eine erste hergeleitete Nachhaltigkeitsidee, die das einzelne Individuum auffordert die Verantwortung zu übernehmen.37
Die Verantwortungsethik Webers verankert sich gedanklich in den Folgen38 einer Handlung, bei der nicht nur Chancen und Risiken miteinander verglichen werden und zu einem Ergebnis führen, sondern die sittliche und moralische Bewertung einer Handlung alleine von deren Folgen abhängig ist.39 Hieraus bilden sich nicht nur neue Argumente und Erkenntnisse, sondern es erweitert sich der Horizont für das Erkennen neuer Chancen und Risiken, weil ein komplementäreres Verhältnis von Verantwortung, unter Vorrang einer realen Orientierung, möglich wird. Webers Auffassung nach können verantwortungsethische Urteile der Vergangenheit auch aufgehoben werden, wenn die Individuen für voraussehbare Folgen ihres Handels die Verantwortung übernehmen.40
Kritisch sei anzumerken, dass alle verantwortungsethischen Entscheidungen mit einem Unsicherheitsrisiko behaftet sind, da Folgen von zukünftigen Handlungen nicht absehbar sein können. In der Folge begründet das einen bewussten und offenen Umgang mit Risiken in unternehmerischen Systemen, in denen Unsicherheiten, durch beispielsweise die Verankerung und Akzeptanz einer Fehlerkultur, als positives Leitelement Einzug in eine Unternehmenskultur findet und so einer eher realen, anstatt theoretischen, Orientierung Vorrang gewährt. Sofern tatsächliche Folgen eintreten, ist das für den Träger von Verantwortung ein sofortiges „Feedback“, welches ihm kontinuierlich hilft, die Richtigkeit von Normen und seiner getroffenen Entscheidung zu prüfen und ggf. dann zu korrigieren, wenn diese sich als falsch erweisen. Dies hilft dem Träger von Verantwortung bei der Frage, auf welcher Grundlage Entscheidungen gegenwärtig und in Zukunft getroffen werden können.41
1 Einführung: Ethische Positionierung in der Arbeitswelt von morgen: Einleitung in das Thema, Herleitung der Problemstellung und Definition des Forschungsziels im Kontext der zukünftigen Arbeitswelt.
2 Ethik als Regulativ unternehmerischen und mitarbeiterbezogenen Handelns: Ausprägung einer Verantwortungsethik und individueller Verantwortungsfähigkeit: Theoretische Fundierung von Ethik, Moral und Verantwortungsethik unter Einbeziehung philosophischer Modelle.
3 Mitarbeiterbezogene Verantwortungsfähigkeit in Organisationsformen und Arbeitswelten der Zukunft – eine erste ethische Reflexion anhand einer Literaturanalyse: Untersuchung moderner Arbeitsstrukturen wie Industrie 4.0 und Netzwerkorganisationen sowie deren Auswirkungen auf die Mitarbeiterverantwortung.
4 Begründung und Methodik des empirischen Untersuchungsansatzes: Wissenschaftliche Herleitung der Hypothesen und Vorstellung des Forschungsdesigns inklusive der qualitativen Expertenbefragung.
5 Experteninterviews über die Verantwortungsfähigkeit von Mitarbeitenden und der praktischen Bedeutung des Ethikrasters: Auswertung und Interpretation der geführten Experteninterviews aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen.
6 Theoretische und praktische Ergebnisimplikationen: Synthese der Erkenntnisse aus Literatur und Praxis sowie Entwicklung konkreter Gestaltungsempfehlungen (Ethikraster) für Unternehmen.
7 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der zentralen Ergebnisse und Ausblick auf künftigen Forschungsbedarf.
Unternehmensethik, Verantwortungsethik, Verantwortungsfähigkeit, Industrie 4.0, Arbeitswelt der Zukunft, CSR, Mitunternehmer-Konzept, Ethikraster, Netzwerkorganisationen, Integrierte Unternehmensführung, Mitarbeitermotivation, Personalführung, Individuelle Verantwortung, Wertekanon, Personalentwicklung
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ethischen Reflexion der Verantwortungsfähigkeit von Mitarbeitenden in modernen, zukunftsorientierten Organisationsformen und Arbeitswelten.
Zentral sind die Themenbereiche der Unternehmensethik, die Auswirkungen technologischer Entwicklungen (Industrie 4.0), neue Organisationsstrukturen (Netzwerke) und das Konzept der individuellen Verantwortung.
Ziel ist es zu untersuchen, wie Unternehmen und Mitarbeitende die Herausforderung der Verantwortungsübernahme in ein gemeinsames Werteverständnis übersetzen können, um in zukünftigen Arbeitswelten agieren zu können.
Die Arbeit kombiniert eine fundierte theoretische Literaturanalyse mit einem qualitativen empirischen Ansatz, basierend auf Experteninterviews mit Unternehmensvertretern und Wissenschaftlern.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Verantwortungsethik, eine Analyse zukünftiger Arbeitsformen und die Vorstellung eines neu entwickelten Ethikrasters als Gestaltungsinstrument.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Unternehmensethik, Verantwortungsfähigkeit, Industrie 4.0, Netzwerkorganisationen und Personalentwicklung definieren.
Während die individuelle Verantwortung das persönliche Handeln und die ethische Haltung des Einzelnen betrifft, bezieht sich die kooperative Verantwortung auf die Strukturen und das System der Organisation, die durch das Management gestaltet werden.
Das Ethikraster dient als praktisches Instrument zur Operationalisierung ethischer Prinzipien, um Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Mitarbeiterverantwortung konkret zwischen Unternehmen und Individuum zu vereinbaren.
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