Masterarbeit, 2021
80 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Nietzsches genealogische Kritik am Subjektbegriff
2.1 Der Seelenbegriff als Projektion christlicher Metaphysik & Moral
2.1.1 Umriss von Nietzsches Kritik am Christentum
2.1.2 Perspektiven Nietzsches auf den Begriff der Seele
2.2 Sprachmetaphysik und Denken in sprachlichen Zeichen
2.3 Sprachkorrelat Bewusstsein
3. Umwertung des Subjekts
3.1 Wille zur Macht als Seinsgrund
3.2) Unbewusstsein & Triebegeschehen
3.3) Bewusstsein als Phänomen physischer Vorgänge
3.3.1) Zum Verhältnis von Selbstbewusstsein und Gedächtnis
3.4) Leibvernunft statt Leibverachtung
4. Fazit
Diese Arbeit untersucht Nietzsches kritische Auseinandersetzung mit dem traditionellen Subjektbegriff, mit dem Ziel, seine genealogische Dekonstruktion der abendländischen Subjektvorstellung offenzulegen und seine Forderung nach einer Umwertung des Subjekts im Sinne einer Orientierung am Leib-Selbst und dem Willen zur Macht zu analysieren.
2.2 Sprachmetaphysik und Denken in sprachlichen Zeichen
Bewusstseinsprozesse basieren auf allen Ebenen auf Vorstellungen und diese wiederum auf Zeichen: vom initialen phänomenalen Gewahrwerden einer Empfindung oder Wahrnehmung, Erinnerungsprozesse, Denkvorgänge, Selbstbewusstsein oder Handlungsabsichten (Abel, 2001, S. 22) - zwangsläufig liegt diesen mentalen Prozessen immer ein auf sprachlichen Zeichen basierendes Denken zugrunde. Nietzsche pointiert, dass wir überhaupt „nur in der sprachlichen Form denken“ können und „(aufhören) zu denken, wenn wir es nicht in dem sprachlichen Zwange thun wollen“ (NF, 1886, 5(22), S. 193). Hierzu zählen auch Setzungen, die sich aus grammatischen Strukturen ergeben.
Diese wiederum bergen bereits ein interpretatives Moment. Mit Abel sei an dieser Stelle der Verbund von Sprache und Bewusstsein konkretisiert. Der Gebrauch sprachlicher Zeichen wurzelt in der sozialen Interaktion und ist sowohl historisch als auch kulturell geprägt - er kann nicht „einfach auf organische bzw. auf neurobiologische Zustände und Prozesse reduziert“ (Abel, 2001, S. 23) werden. Die organische Anlage des Sprachzentrums im Gehirn bildet zwar die Voraussetzung für Spracherwerb und Informationsverarbeitung, sie ist jedoch nicht Zeichen setzend, sondern stellt zunächst die physiologische Befähigung zum Erlernen sprachlicher Zeichen dar. An der Schnittstelle zwischen dem Organischen und den „Prozessen in den Sphären des Sozialen, des Geschichtlichen und des Kulturellen“ (ebd.) ist das Bewusstsein zu verorten.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Problematik des Subjektbegriffs ein und umreißt Nietzsches Ansatz, diesen kritisch zu hinterfragen.
2. Nietzsches genealogische Kritik am Subjektbegriff: Dieses Kapitel analysiert Nietzsches Ablehnung christlicher Metaphysik, die Rolle der Sprache als Konstrukt und das Bewusstsein als Korrelat.
3. Umwertung des Subjekts: Das Hauptkapitel expliziert den Willen zur Macht, die Funktion des Unbewussten und die Bedeutung der Leibvernunft als zentrale Motive der Umwertung.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bekräftigt Nietzsches radikale Abkehr von einem substanziellen Ich-Verständnis zugunsten einer prozessualen Seinsauffassung.
Nietzsche, Subjektbegriff, Genealogie, Wille zur Macht, Leibvernunft, Sprachkritik, Bewusstsein, Unbewusstsein, Metaphysik, Christentum, Dekadence, Perspektivismus, Identität, Körper-Geist-Dualismus, Umwertung aller Werte
Die Arbeit untersucht Nietzsches philosophische Auseinandersetzung mit der traditionellen Vorstellung des Subjekts und wie er diese durch seine genealogische Methode zu dekonstruieren versucht.
Zentrale Themen sind die Kritik an der christlichen Moral, die sprachphilosophische Fundierung des Subjektbegriffs, das Konzept des Willens zur Macht und die Etablierung des Leibes als "große Vernunft".
Das Ziel ist es, Nietzsches Forderung nach der "Umwertung des Subjekts" nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie er den Menschen vom metaphysischen Ich befreien möchte.
Die Arbeit verwendet eine hermeneutische und genealogische Vorgehensweise, indem sie Nietzsches Werk thematisch erschließt und die historischen sowie philosophischen Bedingungen seiner Kritik analysiert.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Willen zur Macht als Seinsgrund, der Rolle des Unbewussten, der Funktion des Bewusstseins als Mittel der Mitteilbarkeit und dem Gegenentwurf der Leibvernunft.
Neben Nietzsche und dem Subjektbegriff sind die wichtigsten Begriffe: Wille zur Macht, Leibvernunft, Perspektivismus, Sprachkritik und die Umwertung aller Werte.
Die "kleine Vernunft" bezeichnet bei Nietzsche den Geist und das bewusste Denken, während die "große Vernunft" den gesamten Leib als organische, vielfältige Kräfteeinheit beschreibt.
Nietzsche sieht das Bewusstsein nicht als leitende Instanz des Selbst, sondern als ein Werkzeug, das sich aus dem sozialen Kommunikationsbedürfnis des Menschen entwickelt hat.
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