Diplomarbeit, 2007
127 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Das Phänomen der Langzeitarbeitslosigkeit
1.1. allgemeine Beschreibung
1.2. Ursachen
1.2.1. wirtschaftliche Ursachen
1.2.2. individuelle Ursachen
1.2.3. politische Ursachen
1.3. Folgen
1.3.1. persönliche Folgen
1.3.1.1. wirtschaftliche Folgen
1.3.1.2. psychische und körperliche Folgen
1.3.1.3. soziale Folgen
1.3.2. gesellschaftliche Folgen
1.3.2.1. strukturelle Benachteiligung
1.3.2.2. Verlust der Arbeitsmentalität
1.3.2.3. Abhängigkeit von öffentlicher Unterstützung
1.3.2.4. Gewalt
1.3.2.5. Entwicklung sozialreformerischer Ideen
1.4. Resumée
2. Der Begriff der Behinderung
2.1. Die Entwicklung des Begriffs
2.2. Der inhaltliche Rahmen
2.2.1. Die Definition des Sozialgesetzbuchs
2.2.2. Die Definition der Weltgesundheitsorganisation
2.2.3. Behinderung als pädagogischer Begriff
2.2.4. Behinderung als interdisziplinärer Begriff
2.3. Zusammen
3. Die Untersuchung eines inhaltlichen Zusammenhangs
3.1. Interviews
3.1.1. Die Vorbereitung der Interviews
3.1.2. Die Auswertung
3.2. Wissenschaftliche Literatur
3.3. Die Umfrage: Langzeitarbeitslosigkeit als Form von Behinderung
3.3.1. Der Entwurf
3.3.2. Der Fragebogen
4. Langzeitarbeitslosigkeit als Form von Behinderung?
4.1. Zum Stand der wissenschaftlichen Diskussion
4.2. Zur Interpretation der Interviews
4.3. Die Umfrage „Langzeitarbeitslosigkeit als mögliche Behinderung“
4.3.1. Ergebnisse zum Thema „Langzeitarbeitslosigkeit“
4.3.2. Bilanz zum Thema „Behinderung“
4.3.3. Resultate „Langzeitarbeitslosigkeit und Behinderung“
4.3.4. Gesamt
4.4. Fazit
4.4.1. Zu These 1: Langzeitarbeitslosigkeit ist eine Form von Behinderung.
4.4.2. Zu These 2 : Langzeitarbeitslosigkeit und Behinderung haben gemeinsame Merkmale.
5. Diskussion
5.1. Zum Begriff der Behinderung
5.2. Zur Frage des Menschenbildes
5.3. Folgen
5.3.1. pädagogische Folgen
5.3.2. gesellschaftspolitische Folgen
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen dem Phänomen der Langzeitarbeitslosigkeit und dem Begriff der Behinderung besteht. Ziel ist es, Merkmale zu identifizieren, die beiden Phänomenen gemein sind, und daraus Konsequenzen für die pädagogische und gesellschaftspolitische Arbeit mit langzeitarbeitslosen Menschen abzuleiten.
1. Das Phänomen der Langzeitarbeitslosigkeit
Seit mehr als 25 Jahren ist es in Deutschland nicht gelungen, Vollbeschäftigung herzustellen. Schon in Westdeutschland baute sich die Arbeitslosigkeit von Rezession zu Rezession mehr auf. „In den Rezessionen von 1981-1983 und 1993-1997 ist die Arbeitslosenzahl konjunkturell um über eine Million gestiegen; im Aufschwung allerdings nur etwa um die Hälfte zurückgegangen.“ (Kleinhenz 2002b S.4) . Im Jahresdurchschnitt 2001 waren 3,851 Mio. Menschen ohne Arbeit. (Kleinhenz 2002b S.3) Im Februar 2007 waren es 4,222 Mio. Menschen, gleichermaßen Männer wie Frauen. ( Statistisches Bundesamt 2007). Von ihnen waren 1,487 Mio. Personen langzeitarbeitslos (ebd.), d.h. „über 1 Jahr durchgehend arbeitslos“ (Kleinhenz 2002b S.5). Sie zählen nicht zu den 60 % der Arbeitslosen, für die die Arbeitslosigkeit nach spätestens 6 Monaten beendet ist, bzw. zu den gesamt 80%, für die sie auch nicht über 12 Monate hinausgeht. Für sie ist Arbeitslosigkeit nicht nur ein „kritisches, aber ein vorübergehendes und relativ gut abgesichertes Lebensereignis.“(ebd.)
In der wissenschaftlichen Literatur wird Arbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit unter verschiedenen Blickwinkeln gesehen: Dankwart Danckwerts beschreibt Arbeitslosigkeit als einen „Deklassierungsprozess“ (Jantzen 1980 S.152), der die materielle Lebensbasis über verschiedene Stationen hinweg einschränke (vgl. ebd.) und führt Duisburg als Beispiel dafür an als Stadt „mit der höchsten offenen und verdeckten Obdachlosigkeit und überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik.“ (ebd. S.154) Dass Arbeitslosigkeit jedoch auch psychische Folgen hat, kommt in dem Aufsatz „Arbeitslosigkeit und psychische Erkrankung von P.Bastiaan u.a. zum Ausdruck (vgl. ebd. S.75- 94). Astrid Ruckstuhl u.a. sehen gesellschaftliche Folgen im Sinne eines Bedeutungswandels der Arbeit. (vgl. Ruckstuhl o.J.; Engler 2006) Mit Gruppen von langzeitarbeitslosen Menschen selbst befasste sich Annelinde Eggert-Schmid-Noerr. Sie konstatiert im wesentlichen drei Strukturmerkmale: Polarisierungen in den Gruppen im Hinblick auf die Einstellung zu Arbeit und Arbeitslosigkeit - einen besonderen Gruppenzusammenhalt unter den Betroffenen - Unterschiede in der Geschlechtsrolle bei Männern und Frauen. (vgl. Iben 1996 S.117-122). Die Betroffenen selbst würden sich in aller Regel nicht öffentlich äußern. Gründe dafür analysiert Carl August Chasse in seinem Aufsatz „Die neue Armut ist stumm“ (vgl. ebd. S.123-127)
1. Das Phänomen der Langzeitarbeitslosigkeit: Beschreibung der Entwicklung und Ursachen von Langzeitarbeitslosigkeit sowie deren individuelle und gesellschaftliche Folgen.
2. Der Begriff der Behinderung: Historische Entwicklung und verschiedene disziplinäre Definitionen von Behinderung, eingebettet in den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs.
3. Die Untersuchung eines inhaltlichen Zusammenhangs: Darstellung der methodischen Vorgehensweise, bestehend aus der Auswertung von Interviews und der Konzeption einer Umfrage zu Langzeitarbeitslosigkeit und Behinderung.
4. Langzeitarbeitslosigkeit als Form von Behinderung?: Auswertung der Ergebnisse aus Interviews und Umfragen zur Überprüfung der These, dass Langzeitarbeitslosigkeit als Behinderung gelten kann.
5. Diskussion: Kritische Reflexion der Ergebnisse vor dem Hintergrund von Menschenbildern, pädagogischen Ansätzen und gesellschaftspolitischen Implikationen.
Langzeitarbeitslosigkeit, Behinderung, Sonderpädagogik, Heilpädagogik, Empowerment, Lebensbewältigung, Stigmatisierung, soziale Ausgrenzung, Arbeitsmarktpolitik, Hartz IV, Sozialgesetzbuch, Armut, psychische Folgen, sozio-ökonomische Benachteiligung, Menschenrechte.
Die Arbeit untersucht, ob Langzeitarbeitslosigkeit als eine Form von Behinderung betrachtet werden kann und welche Merkmale beide Phänomene teilen.
Die Arbeit verknüpft die Bereiche Arbeitslosigkeit, Behinderung, Heilpädagogik sowie Empowerment und Lebensbewältigung in einer modernen Arbeitsgesellschaft.
Die zentrale Frage ist, inwiefern ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen Langzeitarbeitslosigkeit und Behinderung besteht und welche Konsequenzen dies für die professionelle Arbeit mit Betroffenen hat.
Es wird ein gemischtes Verfahren eingesetzt, das auf qualitativen Interviews, einer Literaturanalyse und einer nichtrepräsentativen quantitativen Umfrage basiert.
Im Hauptteil werden zunächst das Phänomen der Langzeitarbeitslosigkeit und der Begriff der Behinderung analysiert, bevor die empirische Untersuchung methodisch erläutert und die Ergebnisse hinsichtlich der aufgestellten Thesen ausgewertet werden.
Zentrale Begriffe sind Langzeitarbeitslosigkeit, Behinderung, Empowerment, Lebensbewältigung, soziale Ausgrenzung und Arbeitsmarktpolitik.
Die Untersuchung zeigt, dass beide Gruppen von gesellschaftlicher Ausgrenzung und Stigmatisierung betroffen sind, wobei die befragten langzeitarbeitslosen Menschen, die zusätzlich eine Behinderung haben, besonders gravierende negative Folgen berichten.
Sowohl Langzeitarbeitslose als auch behinderte Befragte berichten häufig von Willkür, bürokratischen Hürden und einem als verwaltend wahrgenommenen professionellen Umgang durch Ämter.
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