Examensarbeit, 2008
98 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Körper als soziokulturelle Zeichensysteme
3. Subjekt, Identität und Körper im interdisziplinären Diskurs
3.1 Zum Wandel der Subjektauffassung seit der `Moderne´ bis heute
3.2 Körperlichkeit und Identität in sozialen Interaktionsprozessen
4. Manipulation des Körpers im Kontext von Medialisierungsprozessen und neuen Technologien
4.1 Subjekt, Identität und Körper im Zeitalter der Medien- und Informationstechnologien
4.1.1 Zwischen Körperkult und Körperlosigkeit
4.2 Veränderte Körperwahrnehmung durch Körper- und Biotechnologie
5. Ästhetische Zugänge zum Körper in der zeitgenössischen Kunst
5.1 Kunstgeschichtliche Hintergründe zur Herausbildung der zeitgenössischen Körperkunst
5.1.1 Zur Verrückung der semantischen Dimension von Kunst im 20. Jahrhundert
5.1.2 Aktionsmalerei und frühe Körperaktionen
5.1.3 Performances von Künstlerinnen
5.2 Befreiungsakte des Körpers als Bedeutungsträger kollektiver Codes und sozialer Zwänge
5.2.1 Der `fremde´ Körper
5.3 Visionen zur Erschaffung von Körpern im Zeitalter neuer Technologien
5.3.1 Digitale Körpereingriffe
5.3.2 Der maßgeschneiderte, reproduzierbare Körper
5.3.3 Der fleischliche Körper
5.4 Körperspuren als Stellvertreter physischer Anwesenheit und körperlicher Befindlichkeiten
5.4.1 Abject Art
5.4.2 Reise in den Körper
6. Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Körper, Subjekt und Identität in der zeitgenössischen Kunst, wobei sie insbesondere die performativen Strategien von Künstlerinnen in den Fokus rückt. Dabei wird analysiert, wie gesellschaftliche Normen sowie mediale und biotechnologische Entwicklungen die zeitgenössischen Körperkonzepte prägen und wie diese durch künstlerische Prozesse kritisch hinterfragt oder transformiert werden.
5.3.2 Der maßgeschneiderte, reproduzierbare Körper
Seit 1994 arbeitet die in New York lebende Künstlerin Vanessa Beecroft mit Gruppen von jungen Frauen, welchen sie in ihren, mittels Video und Fotografie dokumentierten, Performanceserien ihrer Identitäten beraubt. Dieses erreicht die Künstlerin durch gleichartiges Aussehen der Frauen (z. B. gleichartige Perücken, gleiches Make-up, gleichartige Dessous und Schuhe) und streng geplante schematisierte Abläufe der Performances. Standardisierten Klischees folgend, lässt sie ihre Modelle zu fetischisierten und zugleich unnahbaren Objekten avancieren. Was die Kleidung und Accessoires der Mädchen anbelangt, welche die Künstlerin als ihr eigenes `Ebenbild´ bezeichnet, pflegt Beecroft, wie eine Modeschöpferin, zwischen unterschiedlichen Bekleidungsformen zu experimentieren.
Ihre Performances nähern sich der zweidimensionalen Fläche eines Bildes an. Dadurch werden die jungen Frauen zu tableaux vivants. Die Künstlerin knüpft damit an die europäische Tradition des 18. und 19. Jahrhunderts an, als solche `Lebenden Bilder´, zur höfischen Unterhaltung dienten. Es handelt sich um „Inszenierungen auf Zeit“, die uns i. d. R. nur von Videos und Fotografien vertraut sind. 1994 sagt Beecroft über ihre Performances:
„Niemand führt etwas vor, nichts geschieht; sie fangen weder etwas an, noch beenden sie etwas. Sie sind nur `markiert´ und kurz davor, zu verschwinden, wie beim `Quit´ auf dem Computerbildschirm“.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung des Körpers als Gegenstand der Kunst seit den 1960er Jahren und legt den Fokus auf die performative Auseinandersetzung von Künstlerinnen mit Subjektivität und Identität.
2. Körper als soziokulturelle Zeichensysteme: Dieses Kapitel beschreibt den Körper als Medium kultureller Identitätsstiftung und als Projektionsfläche für soziale Normen und gesellschaftliche Anforderungen.
3. Subjekt, Identität und Körper im interdisziplinären Diskurs: Die philosophischen und psychologischen Grundlagen des modernen Subjektbegriffs und dessen Wandel hin zu spätmodernen Theorien stehen hier im Zentrum.
4. Manipulation des Körpers im Kontext von Medialisierungsprozessen und neuen Technologien: Hier wird der Einfluss von Medien, Biotechnologie und Digitalisierung auf die Wahrnehmung und Manipulation des menschlichen Körpers kritisch analysiert.
5. Ästhetische Zugänge zum Körper in der zeitgenössischen Kunst: Dieses Hauptkapitel analysiert die kunstgeschichtlichen Hintergründe, die Bedeutung performativer Akte sowie spezifische ästhetische Strategien von Künstlerinnen wie Abramović, Export, Pane, Sherman, Beecroft, Orlan, Smith und Hatoum.
6. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die Auflösung des modernen Subjektbegriffs durch die zeitgenössische Körperkunst und diskutiert die Ambivalenz des Körpers in einer zunehmend technisierten Welt.
Körperkunst, Performance, Identität, Subjekt, Feminismus, Medialisierung, Biotechnologie, Körperbild, Selbstdarstellung, Körpermanipulation, Geschlechterkonstruktion, Körperinszenierung, Identitätsbildung, Abject Art, Körpertechnologie
Die Arbeit untersucht den Wandel der Körperwahrnehmung und -darstellung in der zeitgenössischen Kunst und analysiert, wie Künstlerinnen den Körper als Medium nutzen, um Identität und gesellschaftliche Normen kritisch zu reflektieren.
Die Schwerpunkte liegen auf soziokulturellen Körperkonzepten, der Dekonstruktion des Subjektbegriffs, dem Einfluss moderner Medien- und Biotechnologien sowie der Rolle der Performancekunst als Mittel zur Emanzipation.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Künstlerinnen performative Strategien einsetzen, um die Fremdbestimmung des weiblichen Körpers aufzuheben und neue, selbstbestimmte Identitätsentwürfe im Kontext aktueller Diskurse zu entwickeln.
Die Arbeit stützt sich auf eine kunstgeschichtliche und kulturwissenschaftliche Analyse sowie auf soziologische und psychologische Theorien, um die künstlerischen Werke in ihren gesellschaftlichen Kontext einzuordnen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Subjektdiskurse und Medialisierung sowie eine tiefgehende Analyse ästhetischer Strategien in der zeitgenössischen Körperkunst, illustriert durch zahlreiche Fallbeispiele von Künstlerinnen.
Zu den zentralen Begriffen gehören Körperkunst, Performance, Identität, Medialisierung, Geschlechterkonstruktion, Biotechnologie und das Spannungsfeld zwischen Subjektivität und Objektivität.
Der Wiener Aktionismus dient der Autorin als historischer Bezugspunkt, um die radikalen Ansätze der frühen Körperkunst und den bewussten Bruch mit gesellschaftlichen Tabus durch die Verwendung des eigenen Körpers als Arbeitsmaterial zu erläutern.
Die Arbeit kritisiert, dass Medien einerseits Ideale und Normen transportieren, die zu einer Objektivierung und Entfremdung des Körpers führen, während Künstlerinnen diese Strukturen durch bewusste Inszenierung und Dekonstruktion offenlegen.
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