Masterarbeit, 2021
99 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Gesellschaft in der Coronakrise
2.1 Historische Einordnung
2.2 Risikopolitik
3. Das Sozialfigurenkonzept
3.1 Zu den Eigenschaften und der Genese von Sozialfiguren
3.2 Sozialfiguren im theoretischen Vergleich
3.3 Erforschung von Sozialfiguren
4. Forschungsdesign
4.1 Kritische Diskursanalyse
4.2 Ein Leitfaden zur Erforschung von Sozialfiguren
4.3 Figurentableaus
5. Sozialfiguren der Coronavirus-Krise
5.1 Patient 0
5.2 Der Hamsterkäufer
5.3 Die Systemrelevanten
5.4 Der Virologe
5.5 Der Krisenmanager
5.6 Die Geimpfte
5.7 Der Querdenker
6. Figurentableaus
6.1 Zeitliches Figurentableau
6.2 Figurenkonstellationstableau
7. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, welche gesellschaftlichen Erfahrungen und Problemstellungen während der Coronavirus-Krise durch die Kommunikation über sogenannte Sozialfiguren zum Ausdruck gebracht wurden. Dabei liegt der Fokus auf der Identifizierung charakteristischer Merkmale dieser Figuren und der Einordnung ihrer Entwicklung in ein sich fortlaufend wandelndes Krisennarrativ, um ein kohärentes Gesamtbild der Kollektiverfahrungen zu zeichnen.
5.1 Patient 0
Die Konfiguration der Sozialfigur des Patienten 0 erfolgt vordergründig in dem Zeitfenster vom 16. Februar 2020 bis zum 23. Mai 2020. Zu diesem Zeitpunkt war das relative Suchinteresse in Deutschland für den Begriff „Patient 0“ am höchsten.
Der im epidemiologischen Sinne als ‚Indexpatient’ zu bezeichnende Patient 0 steht am Anfang einer Infektionswelle. Seine Identifizierung ist für die Rekonstruktion von Infektionswegen und dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn von tragender Bedeutung (Antwerpes 2020). Über die Sozialfigur des Patienten 0 werden substanzielle Fragen und Probleme im Umgang mit der Coronakrise kommuniziert. Diese Problemlagen werden im Folgenden konturiert. Patient 0 ist eine der ersten Sozialfiguren, die sich im Zusammenhang mit der Coronavirus-Krise konfigurieren. Am Anfang der Auseinandersetzung mit Patient 0 steht die Suche nach dem Ursprung des Virus. Erschwert wird diese durch die, in vielen Fällen symptomfreie Übertragung des Coronavirus. Es sind bestimmte Städte und Gemeinden, die medial in den Vordergrund rücken, weil sich dort Indexpatient*innen lokalisieren lassen.
Im Zentrum der Spekulationen darüber, wo das Virus erstmals von einem Tier auf den Menschen übertragen wurde, steht der Huanan-Fischmarkt der chinesischen Metropolregion Wuhan. Unklar bleibt, ob sich Patient 0 wirklich dort infiziert hat. Wie der Spiegel am 18. Februar 2020 berichtet, spielt der Fischmarkt für die weitere Ausbreitung eine entscheidende Rolle (Köppe 2020). In der Titelgeschichte des Magazins vom 9. Mai 2020 wird die Schuldfrage gestellt: „Was geschah in Wuhan und wer hat Schuld an der Pandemie?“.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die globale Krise durch COVID-19 und führt die wissenschaftliche Relevanz der Sozialfiguren als seismographische Indikatoren für gesellschaftliche Umbrüche ein.
2. Die Gesellschaft in der Coronakrise: Dieses Kapitel verortet die Pandemie in einen historischen Kontext und führt Andreas Reckwitz’ Konzept der Risikopolitik als analytischen Rahmen ein.
3. Das Sozialfigurenkonzept: Es wird die Theorie der Sozialfiguren als soziologisches Instrument zur Krisendiagnose dargelegt, in Vergleich zu anderen Konzepten gesetzt und methodisch verortet.
4. Forschungsdesign: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, insbesondere die kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger und die Konstruktion der analytischen Figurentableaus.
5. Sozialfiguren der Coronavirus-Krise: In diesem Hauptteil werden die sieben ausgewählten Sozialfiguren – Patient 0, Hamsterkäufer, Systemrelevante, Virologe, Krisenmanager, Geimpfte und Querdenker – detailliert analysiert.
6. Figurentableaus: Hier werden die Ergebnisse aus der Diskursanalyse in einem zeitlichen Verlauf und einer Figurenkonfigurationsmatrix zusammengeführt und ausgewertet.
7. Fazit und Ausblick: Das Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und reflektiert, wie die Methode der sozialfigurativen Analyse zukünftig auf andere Krisen, wie die Klimakrise, angewendet werden kann.
Coronavirus-Krise, Sozialfiguren, Kritische Diskursanalyse, Risikopolitik, Patient 0, Hamsterkäufer, Systemrelevanz, Virologe, Krisenmanager, Geimpfte, Querdenker, Figurentableau, Soziologie, Krisennarrativ, Normativer Konflikt
Die Arbeit analysiert die Coronavirus-Pandemie aus medienkulturwissenschaftlicher Perspektive, indem sie untersucht, wie gesellschaftliche Krisenerfahrungen durch sogenannte Sozialfiguren kommuniziert und strukturiert werden.
Zentrale Themen sind die Wahrnehmung von Risiken in der modernen Gesellschaft, das soziale Verhalten in Krisenzeiten, die Bedeutung medialer Kommunikation sowie die normativen Konflikte, die durch die Pandemie aufgedeckt wurden.
Ziel ist es, die Charakteristika spezifischer Sozialfiguren herauszuarbeiten und zu zeigen, wie diese Figuren helfen, das komplexe Krisennarrativ der Pandemie zu konturieren und zeitlich einzuordnen.
Die Arbeit nutzt die kritische Diskursanalyse nach Siegfried Jäger sowie das Konzept der Sozialfiguren von Moser und Schlechtriemen, ergänzt durch die Erstellung von Figurentableaus zur Visualisierung.
Im Hauptteil erfolgt eine tiefgehende Analyse von sieben Sozialfiguren (Patient 0, Hamsterkäufer, Systemrelevante, Virologe, Krisenmanager, Geimpfte, Querdenker) hinsichtlich ihrer Konfiguration, Defiguration und Refiguration.
Wichtige Begriffe sind Sozialfiguren, Coronavirus-Krise, Risikopolitik, Krisennarrativ, Diskursanalyse und normative Merkmalsoppositionen.
Anders als der nerdige oder "Mad Scientist"-Typus aus der Popkultur tritt der Virologe in der Coronakrise als zentraler, öffentlichkeitswirksamer Akteur auf, der seine Expertise direkt in den Dienst der Krisenbewältigung stellt.
Sie offenbart den tiefgreifenden Konflikt zwischen individueller Angstreaktion und kollektiver Solidarität sowie die Diskrepanz zwischen injuktiven Normen (was man tun sollte) und sozialen Normen (was tatsächlich getan wird).
Das Tableau ermöglicht es, das normative Potenzial und die sozialen Beziehungen der Figuren untereinander zu visualisieren und ihre Bedeutung im Krisengeschehen systematisch zu gewichten.
Politische Akteure nutzen diese Figuren teils als Ankerpunkte für ihre Krisenkommunikation (z.B. Helden-Narrative), während sie gleichzeitig durch eigenes Handeln (z.B. Maßnahmen) die Konfiguration neuer Figuren maßgeblich beeinflussen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

