Masterarbeit, 2021
75 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Projekt der Genealogie des Nachmetaphysischen Denkens
2.1 Das moderne Selbstverständnis der Philosophie
2.2 Die semantische Osmose zwischen Christentum und Philosophie
3. Lernschritte und Weichenstellungen des nachmetaphysischen Denkens
3.1 Symbiose von Glauben und Wissen
3.2 Trennung von Glauben und Wissen
3.2.1 Luther und der performative Eigensinn des Glaubens
3.2.2 Subjektphilosophie
3.3 Kant und die vernünftige Freiheit
3.4 Hegel und der objektive Geist
3.5 Die junghegelianische Wende
4. Vom Weltbild zur Lebenswelt – Ein Zwischenfazit
5. Sakraler Komplex – Reformation – Sakrament
5.1 Die ambivalente Gattungserfahrung des vergesellschafteten Individuums
5.2 Die sakrale Macht und der Sinn ritueller Praktiken
5.3 Mythos und Ritus
5.4 Transformation des sakralen Komplexes – Die Zäsur der Achsenzeit
5.4.1 Sublimierung und Moralisierung des Heiligen
5.4.2 Transformation ritueller Praktiken
5.5 Reformation
5.5.1 Theologische Grundannahmen Luthers
5.5.2 Reformatorische Umwertung der kirchlichen Sakramente
6. Die fremd gewordene Praxis – Ein Zwischenfazit
7. Die Bedeutung des sakralen Komplexes in der postsäkularen Gesellschaft
8. Kritische Überlegungen
9. Fazit
Die Arbeit untersucht Jürgen Habermas' Genealogie des nachmetaphysischen Denkens unter besonderer Berücksichtigung der Rolle und Bedeutung des sogenannten "sakralen Komplexes". Dabei wird analysiert, wie religiöse Gehalte in philosophisches Wissen übersetzt wurden und welche Funktion die religiöse Praxis für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer postsäkularen Gesellschaft einnimmt.
3.2.1 Luther und der performative Eigensinn des Glaubens
Habermas verdeutlicht, wie Martin Luthers (1483–1546) radikale Bestrebung, den performativen Modus des Glaubens vor dessen ontologischen Vergegenständlichung zu bewahren, zur Abkopplung des Glaubens vom Wissen führt (vgl. II, 13). Thomas bemerkt: „Den Übergang zur Neuzeit verortet Habermas […] nicht, wie mancher erwarten würde, bei Descartes, sondern bei Martin Luther.“ Habermas unterstreicht Luthers Bedeutung für die Genealogie, die allein anhand der Tatsache, dass die Auseinandersetzung mit Luther den Beginn des zweiten Bandes darstellt, hervorgehoben wird, wie folgt:
Im Verhältnis von Theologie und Philosophie breitet Luther gewissermaßen einen Stabwechsel vor. Indem er den Glauben vom Wissen entkoppelt, zerbricht die Theologie selbst den Rahmen, innerhalb dessen sich der Diskurs über Glauben und Wissen bewegt hatte. Sie beendet das Zeitalter des Weltbildes und verweist die Philosophie in die Schranken nachmetaphysischen Denkens. (I, 162)
Die scholastische Gelehrtenwelt des Mittelalters ist nach Habermas in der Zeit Luthers noch stark geprägt von der Rezeption des wiederentdeckten Aristoteles, dessen Metaphysik einen enormen Einfluss auf die christliche Lehre übte (vgl. I, 157). Die Aristotelesrezeption stellt eine wichtige Phase dar, die Habermas anhand der Theorien von Duns Scotus, Thomas von Aquin und Wilhelm von Ockham darstellt, auf die hier jedoch nicht näher eingegangen werden kann. Habermas schreibt: „Eine philosophische Anverwandlung religiöser Gehalte und Fragestellungen ist zuerst im Zuge der Ausbildung des christlichen Platonismus aufgetreten. Dieser zweischneidige Prozess wiederholt sich im Zuge der Aristotelesrezeption während des hohen Mittelalters.“ (I, 693)
1. Einleitung: Einführung in das Werk von Habermas und die zentrale Fragestellung der Bedeutung des sakralen Komplexes.
2. Das Projekt der Genealogie des Nachmetaphysischen Denkens: Erörterung der philosophischen Zielsetzung Habermas', das nachmetaphysische Denken durch eine Genealogie zu plausibilisieren.
3. Lernschritte und Weichenstellungen des nachmetaphysischen Denkens: Nachzeichnung der Entwicklungslinien des Denkens von der Symbiose bis zur Trennung von Glauben und Wissen.
4. Vom Weltbild zur Lebenswelt – Ein Zwischenfazit: Synthese der Ergebnisse zur Transformation von Weltbildern hin zur Lebenswelt.
5. Sakraler Komplex – Reformation – Sakrament: Untersuchung des Hauptgegenstandes, insbesondere der rituellen Praxis und Luthers Sakramentenlehre.
6. Die fremd gewordene Praxis – Ein Zwischenfazit: Resümee der bisherigen Erkenntnisse über die sozialintegrative Funktion des sakralen Komplexes.
7. Die Bedeutung des sakralen Komplexes in der postsäkularen Gesellschaft: Diskussion der aktuellen Relevanz religiöser Gemeinschaften und deren Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs.
8. Kritische Überlegungen: Reflexion über die unterschiedlichen Rezeptionen der Thesen von Habermas.
9. Fazit: Zusammenfassende Schlussbetrachtung der Ergebnisse und Ausblick auf künftige theologische Forschung.
Jürgen Habermas, nachmetaphysisches Denken, sakraler Komplex, Glaube und Wissen, vernünftige Freiheit, Religion, Ritus, Lebenswelt, soziale Integration, Sakramentenlehre, Martin Luther, Säkularisierung, postsäkulare Gesellschaft, performative Praxis, Solidarität
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Religion und ritueller Praxis im Kontext der Philosophie von Jürgen Habermas, speziell in seinem Werk "Auch eine Geschichte der Philosophie".
Im Zentrum stehen die Entwicklung des nachmetaphysischen Denkens, die Rolle des sogenannten "sakralen Komplexes" sowie die Funktion religiöser Praktiken für den sozialen Zusammenhalt.
Ziel ist es, Habermas' Rekonstruktion der Genealogie des nachmetaphysischen Denkens theologisch zu interpretieren und zu prüfen, welche Bedeutung er dem sakralen Erbe in der modernen Gesellschaft beimisst.
Es handelt sich um eine systematische Text- und Diskursanalyse, die Habermas' philosophiegeschichtliche Rekonstruktion aus theologischer Perspektive reflektiert und kritisch würdigt.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Entstehung und Transformation des "sakralen Komplexes", wobei insbesondere die Achsenzeit und die reformatorische Sakramentenlehre Luthers beleuchtet werden.
Wichtige Begriffe sind Habermas, sakraler Komplex, vernünftige Freiheit, Lebenswelt, soziale Solidarität, religiöse Praxis und Säkularisierung.
Habermas sieht eine komplexe Wechselwirkung: Die Philosophie hat sich zwar von religiösen Weltbildern emanzipiert, schöpft aber weiterhin aus dem religiösen Erbe für ihren Begriff der vernünftigen Freiheit.
Habermas verortet den entscheidenden Übergang zur Neuzeit und die Abkopplung des Glaubens von der Vernunft bei Luther, dessen Rechtfertigungslehre neue performative Zugänge zum Glauben eröffnete.
Die Lebenswelt dient als performativ erfahrener Hintergrund, auf den sich kommunikativ handelnde Subjekte beziehen; sie fungiert als Bedingung für den Zusammenhalt in einer nachmetaphysischen Welt.
Habermas warnt davor, das religiöse Proprium und den Bezug zur Transzendenz komplett aufzugeben, da dies zum Versiegen der sozialintegrativen Quelle führen könnte, die auch für eine säkulare Gesellschaft von Wert ist.
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