Bachelorarbeit, 2021
42 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Was sind Mediendiskurse?
2.1 Medienangst
2.2 Medienkarrieren
2.3 Popularisierung
3. Der Film ab 1909 - eine historische Einordnung
4. Soziologische Motive der Kinodebatte
4.1 Die Ästhetik der Großstadt
4.2 Hoch- versus Populärkultur
4.2.1 Die Masse und der Versuch der Abgrenzung
4.2.2 Die Angst vor der Trivialität
4.3 Kunst als technische und profitable Massenware
5. Ästhetische Motive der Kinodebatte
5.1 Der Vergleich mit dem Theater
5.2 Eine neue Bildlichkeit
5.2.1 Ein internationales und demokratisches Medium
5.3 Neue Erzählformen
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht systematisch die Motive, unter denen diverse Autoren das Kino im Zeitraum von 1909 bis etwa 1920 kritisierten. Dabei steht die Rekonstruktion des damaligen Mediendiskurses im Vordergrund, um die ambivalente Haltung des Literaturbetriebs gegenüber dem Aufstieg des neuen Mediums Film zu verstehen.
4.2.1 Die Masse und der Versuch der Abgrenzung
„Das Kino wandte sich an die breite Masse, zunächst vor allem an die großstädtischen Unterschichten“ hält Schweinitz fest und während er die Bezeichnung Masse als neutrale Bezeichnung für eine große Gruppe Menschen wählt, sahen die Autoren in der Kinodebatte die Masse oder Menge größtenteils als etwas Bedrohliches und negativ Behaftetes. Diese negative Konnotation des Massen-Begriffs kann auf die Massenpsychologie von Gustave Le Bon zurückgeführt werden, dessen psychologische Arbeit über die Masse in etwa gleichzeitig mit der ersten Filmvorstellung erschien.
Le Bon erarbeitete seine massenpsychologische Abhandlung zwar nicht in Bezug auf das Kino, aber in den folgenden Jahren sollten seine Definitionen in Bezug auf das Kino angewandt werden, da es als Massenmedium die Masse wie kein Medium vor ihm in das Zentrum der Aufmerksamkeit und Diskussion rückte. Le Bon definiert die Masse im Vergleich zum Individuum als allgemein intellektuell minderwertiger und unfähiger im rationalen Urteilen. In dem Moment, wo sich Individuen zu einer Masse zusammenschließen, legen sie laut Le Bon ihre individuellen Ansichten ab, um sich zu einer kollektiven Massenseele zu bündeln, die als Kollektiv anders urteilt und handelt, als es die Individuen einzeln täten.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zeitgenössische Kino-Debatte ein und legt das Ziel fest, die kritischen Motive zwischen 1909 und 1920 systematisch zu analysieren.
2. Was sind Mediendiskurse?: Dieses Kapitel definiert Mediendiskurse als reflexive Kommunikationsprozesse bei Medienumbrüchen und erläutert Phänomene wie Medienangst und Medienkarriere.
3. Der Film ab 1909 - eine historische Einordnung: Hier wird die filmhistorische Zäsur durch den Übergang vom Kurz- zum Langfilm sowie der Begriff des "Cinema of Attractions" dargelegt.
4. Soziologische Motive der Kinodebatte: Das Kapitel analysiert die gesellschaftlichen Reaktionen auf das Kino, insbesondere die Ästhetik der Großstadt und die Distinktion zwischen Hoch- und Populärkultur.
5. Ästhetische Motive der Kinodebatte: Hier werden die ästhetischen Aspekte der Kino-Debatte behandelt, mit Fokus auf den Vergleich mit dem Theater sowie der neuen Bildlichkeit des Stummfilms.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Diskursanalyse zusammen und unterstreicht die ambivalente, jedoch weitgehend von Unsicherheit geprägte Haltung der literarischen Elite.
Kino-Debatte, Mediendiskurs, Medienangst, Populärkultur, Hochkultur, Distinktion, Stummfilm, Langfilm, Autorenfilm, Kinoreform, Literatur, Soziologie, Ästhetik, Massenpsychologie, Medienkritik
Die Arbeit analysiert die Debatten und Kritiken, die der Literaturbetrieb in den Jahren 1909 bis 1920 gegenüber dem aufkommenden Medium Film äußerte.
Die zentralen Felder sind die soziologische Einordnung des Kinos, das Spannungsfeld zwischen Hoch- und Populärkultur, die Angst vor Trivialität sowie die ästhetischen Herausforderungen durch die neue visuelle Ausdrucksform des Films.
Das Ziel ist es, die Motive, Ängste und Argumentationsmuster zu identifizieren, die zur kritischen Ablehnung oder aber zur vorsichtigen Annäherung an das neue Medium Kino führten.
Es handelt sich um eine diskursanalytische Untersuchung, bei der Primärtexte aus der damaligen Zeit (Autoren wie Pfemfert, Friedell, Polgar u.a.) analysiert und theoretisch eingeordnet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine soziologische und eine ästhetische Analyse, in denen Konzepte wie die "Masse", die "Großstadt" und der Konkurrenzkampf zwischen Theater und Film detailliert untersucht werden.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Medienangst, Distinktion, Trivialitätsthese, Autorenfilm und das "Cinema of Attractions".
Laut der Arbeit galt es als Angstmedium, weil es als neuartiges technisches Medium die etablierten sozialen und kulturellen Machtverhältnisse sowie das traditionelle Bildungsmonopol der Elite infrage stellte.
Dieser Übergang wird als medienhistorische Zäsur betrachtet, da er die Rezeptionsästhetik veränderte und das Kino stärker in die Nähe tradierter, bürgerlicher Kunstformen rückte, was neue Kritik auslöste.
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