Diplomarbeit, 2008
126 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Vorwort
1.2. Unterwegs zu John Cage
2. Theoretische Grundlegungen
2.1. Theorie des Begehrens
2.2. Intermedialität
2.3. Unruhe und synchroner Schnitt
2.4. Rhizom und Bricolage
2.5. „Empty Words“ – ein Rhizom?
2.6. Autoren vs. Diskurse
2.7. Francois Jullien
2.8. Überleitung
3. Fassung der Begriffe Stille, Werk, Zufall, Leben
3.1. Stille
3.1.1. Francois Jullien
3.1.2. I-Ging
3.1.3. Ton und Klang
3.2. Werk
3.2.1. Die Frage der Performanz
3.2.2. Nietzsche und Metzger über Cage
3.2.3. Derrida und das „Theater der Grausamkeit“
3.2.4. Intention und Zufall
3.3. Leben
4. Exemplarische Untersuchungen
4.1. Vorbemerkungen
4.2. „4:33“
4.2.1. Eine Annäherung
4.2.2. Das Black Mountain College
4.2.3. Theoretische Überlegungen
4.2.4. Die Aufführungspraxis
4.2.5. Die eigene Stille?
4.2.6. Struktur, Zeitlichkeit, Räumlichkeit
4.3. „Untitled Event“
4.3.1. Vorbemerkungen
4.3.2. Eine Annäherung
4.3.3. Artaud und Futurismus
4.3.4. Überlegungen
5. Fragestellungen zum Theorie- und Kunstbegriff
5.1. Die Anwendbarkeit der Theorie
5.2. Der Kunstbegriff
6. Unterwegs mit John Cage
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist es, den Komponisten John Cage aus einer intermedialen und kulturtheoretischen Perspektive zu untersuchen und dabei etablierte westliche Wissenschafts- und Kunstbegriffe anhand seines Werkes zu hinterfragen und zu verschieben.
3.1. Stille
Es hat viele Gründe, warum am Anfang dieses neuen und umfassenden Kapitels die Stille steht. Die Stille ist der ersehnte Nullpunkt, den zu suchen man Cage wohl durchaus unterstellen könnte. Dieser Anfang mit der Stille steht aber zugleich für den Versuch, den allzu drängenden Diskurs kurzfristig auszuschalten, die Stille noch nicht in Begriffe zu fassen, wie es im Verlauf dieses Kapitels geschehen wird, sondern sie in einem anderen Sinn zu verstehen. Sie soll verstanden werden als die Möglichkeit, John Cage zu Wort kommen zu lassen, so unmittelbar als möglich.
Die Stille, das Schweigen oder zumindest das bedächtige Zuhören und Zulassen von Widersprüchen ist etwas, das sich der Schreiber dieser Zeilen in den kommenden Ausführungen zugestehen will. Der drängende, vielleicht allzu drängende Diskurs einer versuchten theoretischen Grundlegung benötigt an diesem Punkt Stille. Dieses Kapitel beschäftigt sich aus diesem Grund mit einigen historischen Hintergründen, mit Interviews von John Cage, mit einigen Betrachtungen aus Zen und I-Ging, die vorerst nicht nach Nützlichkeit für die weiteren Betrachtungen bewertet werden. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, sind sie dringend notwendig, um sich an dieser Stelle endgültig anzunähern, sich vielmehr an manchen Stellen anzuschleichen.
1. Einleitung: Diese Einleitung reflektiert die Schwierigkeit, über John Cage zu schreiben, und etabliert den Anspruch, den Diskurs über Kunst und Wissenschaft mit Cages Werk zu verschieben.
2. Theoretische Grundlegungen: Hier werden theoretische Ansätze wie der Begriff des Begehrens nach Roland Barthes, Intermedialität und die Rhizom-Metapher eingeführt, um den theoretischen Rahmen für die Auseinandersetzung mit Cage zu bilden.
3. Fassung der Begriffe Stille, Werk, Zufall, Leben: In diesem zentralen Kapitel werden diese vier Schlüsselbegriffe in Bezug auf Cages Werk und fernöstliche Denktraditionen analysiert.
4. Exemplarische Untersuchungen: Das Kapitel wendet die theoretischen Ansätze auf zwei zentrale Werke von John Cage an: „4:33“ und „Untitled Event“.
5. Fragestellungen zum Theorie- und Kunstbegriff: Dieser Abschnitt reflektiert die Anwendbarkeit der zuvor diskutierten Theorien auf das Schaffen von John Cage und postuliert einen modernen Kunstbegriff.
6. Unterwegs mit John Cage: Das abschließende Kapitel resümiert den Weg der Untersuchung und unterstreicht die Notwendigkeit, sich auf einen unkonventionellen Denkweg einzulassen, statt nach abschließenden Antworten zu suchen.
John Cage, Stille, Werkbegriff, Zufallsoperationen, Intermedialität, Performanz, Black Mountain College, Roland Barthes, Francois Jullien, Rhizom, I-Ging, Zen, 4:33, Untitled Event, Kunstbegriff
Die Arbeit untersucht das Werk von John Cage aus einer intermedialen Perspektive und nutzt kulturtheoretische Ansätze, um Cages Wirken und seine Auffassung von Kunst neu zu befragen.
Zentrale Themen sind der Prozess der Verschiebung von wissenschaftlichen Begrifflichkeiten, die Bedeutung von Stille und Zufall sowie die Auflösung der klassischen Grenzen zwischen Kunst und Leben.
Das Ziel ist es, den westlichen Wissenschafts- und Kunstbegriff durch die Arbeit mit Cages Werk zu erweitern und eine neue, performative Sichtweise auf seine Schöpfungen zu etablieren.
Die Arbeit nutzt kulturwissenschaftliche und poststrukturalistische Theorien (u.a. Barthes, Foucault, Jullien) und verknüpft diese mit dem intermedialen Ansatz einer „Wechselseitigen Erhellung der Künste“.
Der Hauptteil widmet sich der begrifflichen Klärung von Stille, Werk, Zufall und Leben sowie der exemplarischen Untersuchung der Stücke „4:33“ und „Untitled Event“.
Die Arbeit ist geprägt von Begriffen wie Rhizom, Bricolage, Performanz, ästhetische Situation und der Idee des „Nullpunkts“ in der Kunst.
Das Black Mountain College bot Cage ein freies, kreatives Umfeld, das den Austausch mit Künstlern wie Robert Rauschenberg förderte und die Entwicklung seiner Theorien zu Zufallsoperationen maßgeblich beeinflusste.
Der Autor argumentiert, dass „4:33“ eher ein performatives Ereignis oder eine „ästhetische Situation“ ist, die das Publikum einlädt, die Umgebungsgeräusche als Teil der Kunst zu begreifen.
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