Masterarbeit, 2021
89 Seiten, Note: 1,1
1. EINLEITUNG
2. ANALYTISCH-THEORETISCHER RAHMEN: DAS KONZEPT DER GOUVERNEMENTALITÄT
2.1. DAS KONZEPT DER GOUVERNEMENTALITÄT
2.1.1.Der Begriff der Regierung
2.1.2.Der Begriff der Gouvernementalität
2.1.3.Gouvernementalitätstheoretisches Analysewerkzeug: Problematisierungsformeln
2.1.4.Governing the Present: Technologien der Selbst- und Fremdführung
2.1.5.Liberale Regierungskunst
2.1.6.Neoliberale Regierungskunst
3. ANALYTISCH-METHODISCHER RAHMEN: DIE GENEALOGIE
3.1. GENEALOGIE UND GOUVERNEMENTALITÄTSFORSCHUNG
3.1.1.Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie
3.1.2.Genealogisches Verfahren: Ziel und Zweck
3.1.3.Genealogische Frage und die drei Prinzipien der genealogischen Analyse
3.1.4.Gang der Analyse: Zentrale Fragestellung, Materialauswahl und Annäherung an den Forschungsgegenstand
4. GENEALOGISCHE ANALYSE I: DIE HERKUNFT DES MODERNEN GLÜCKSVERSTÄNDNISSES (18./19. JAHRHUNDERT)
4.1. EXKURS: ANTIKES GLÜCKSVERSTÄNDNIS
4.2. HISTORISCHER KONTEXT: AUFKLÄRUNG - SÄKULARISIERTES GLÜCK UND INDUSTRIALISIERUNG
4.3. FORTSCHRITTSDENKER: T. JEFFERSONS »PURSUIT OF HAPPINESS (1776)« UND J. MARQUIS DE CONDORCETS »ENTWURF EINER HISTORISCHEN DARSTELLUNG DER FORTSCHRITTE DES MENSCHLICHEN GEISTES (1786)«
4.4. GROßBRITANNIEN: DIE EROBERUNG UND DER FALL DES HEDONISCHEN GLÜCKS IN DER BRITISCHEN MORALPHILOSOPHIE
4.4.1.Quantitativer Utilitarismus: Jeremy Bentham’s »Greatest Happiness Principle (1789)«
4.4.2.Qualitativer Utilitarismus: John Stuart Mill’s Bentham-Kritik (1861)
4.4.3.Klassischer Liberalismus: Adam Smith’s »No Pursuit of Happiness Principle (1776)«
5. GENEALOGISCHE ANALYSE II: DAS KURZE VERSCHWINDEN UND DIE WIEDERENTDECKUNG DES GLÜCKS ALS MODERNE REGIERUNGSKUNST (20./21. JAHRHUNDERT)
5.1. HISTORISCHER KONTEXT: DAS ZEITALTER DER EXTREME
5.2. EXKURS: GLÜCK UND STAAT IM KOMMUNISMUS - BENTHIANISCHER MARX?
5.3. GLÜCK IM ORDOLIBERALISMUS
5.4. GLÜCK IN DER NEOKLASSIK: MEHR GELD, MEHR GLÜCK? DAS EASTERLIN-PARADOX.
5.5. GLÜCK IM NEOLIBERALISMUS: POLITISCHE LEITIDEE DES 21. JAHRHUNDERTS UND DER BEITRAG DER GLÜCKSFORSCHUNG
5.5.1.Vermessung des Glücks: Alternative Wohlfahrtsmessung als politische Rationalität der Moderne
5.5.2.Nationale Glücksbarometer: Empirische Beispiele für die Vermessung des Glücks als moderne Regierungskunst
6. ZUSAMMENTRAGEN DER ERGEBNISSE/SCHLUSSBETRACHTUNG
Die Masterarbeit untersucht aus einer gouvernementalitätstheoretischen und genealogischen Perspektive, wie sich das Glück als moderne Regierungskunst etabliert hat und welche sozialen Kräfte, Diskurse und politischen Rationalitäten diesen historischen Wandel seit der Epoche der Aufklärung bis in die Gegenwart maßgeblich bestimmt haben.
4.4.1. Quantitativer Utilitarismus: Jeremy Bentham’s »Greatest Happiness Principle (1789)«
Zehn Jahre nach dem Pursuit-of-Happiness-Statement von Jefferson veröffentlicht der britische Moralphilosoph Jeremy Bentham (1748 - 1873) im Jahr 1789 sein Werk The Principles of Morals and Legislation, das als Gründungsdokument des klassischen Utilitarismus gilt. Auch wenn der Utilitarismus hauptsächlich auf Bentham zurückzuführen ist, steht er repräsentativ für ein utilitaristisches Verständnis von Glück, welches implizit fas allen Denkern der Aufklärung gemein ist (vgl. Zevnik 2014: 105). Mit seinem Buch markiert Bentham einen „radikalen Kurswechsel“ (Schefczyk 2011: 169) in der britischen Moralphilosophie. Historisch verfasst Bentham sein Werk „noch zu einer Zeit, in der er fest daran glaubte, dass die herrschenden Eliten am Wohl der Bevölkerung interessiert seien und daher seine Reformvorschläge auch gern annehmen und realisieren würden“ (Hofmann 2002: 194). Er entwickelt in The Principles of Morals and Legislation eine systematische Theorie zur Nützlichkeits- und Glücksproblematik moralischen und politischen Handelns und formuliert mit ihr erstmalig das utilitaristische Prinzip (vgl. Hofmann 2002: 11). Im Gegensatz zu den altruistischen Hedonisten, die sich darüber einig waren, „dass im Handeln zum Ausdruck kommende Motive oder Charaktereigenschaften der vorrangige Gegenstand moralischer Beurteilung sind“ (Schefczyk 2011: 168), galt für Benthams Utilitarismus bei der Beurteilung einer Richtigkeit oder Falschheit einer Handlung ein anderer Faktor als einzig richtiger: der Nutzen für das Glück der Allgemeinheit. Für Bentham gibt es im menschlichen Leben nur zwei grundlegende Konstanten: „Nature has placed mankind under the governance of two sovereign masters, pain and pleasure. It is for them alone to point out what we ought to do, as well as to determine what we shall do“ (Bentham 1789: 1). In seiner Moralphilosophie geht er davon aus, dass der Mensch nur Dinge anstrebt, die ihm Freude und Lust bereiten.
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die wachsende politische Bedeutung des Glücks als modernes Regierungsziel ein und skizziert die forschungsleitende Frage nach dessen ideengeschichtlichen Wurzeln.
2. ANALYTISCH-THEORETISCHER RAHMEN: DAS KONZEPT DER GOUVERNEMENTALITÄT: Dieses Kapitel erläutert Michel Foucaults Konzept der Gouvernementalität als zentrales Analysewerkzeug zur Untersuchung von Machttechniken und Subjektivierungsprozessen.
3. ANALYTISCH-METHODISCHER RAHMEN: DIE GENEALOGIE: Hier wird die Genealogie als kritische Methode eingeführt, um bestehende Machtverhältnisse und historische Kontingenzen des untersuchten Glücksdispositivs freizulegen.
4. GENEALOGISCHE ANALYSE I: DIE HERKUNFT DES MODERNEN GLÜCKSVERSTÄNDNISSES (18./19. JAHRHUNDERT): Das Kapitel zeichnet die Ursprünge des modernen Glücksverständnisses in der Aufklärung nach, insbesondere im Utilitarismus und dem klassischen Liberalismus.
5. GENEALOGISCHE ANALYSE II: DAS KURZE VERSCHWINDEN UND DIE WIEDERENTDECKUNG DES GLÜCKS ALS MODERNE REGIERUNGSKUNST (20./21. JAHRHUNDERT): Dieser Teil analysiert das Wiederaufkommen des Glücksdiskurses im 20. und 21. Jahrhundert, geprägt durch die Glücksforschung als politisches Instrument im Neoliberalismus.
6. ZUSAMMENTRAGEN DER ERGEBNISSE/SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und diskutiert die Kontingenz sowie die politische Wirkungsmacht des Glücks als moderne Rationalität.
Gouvernementalität, Genealogie, Foucault, Glück, Utilitarismus, Neoliberalismus, Regierungskunst, Glücksforschung, Macht, Wissen, Subjektivierung, Wohlstand, Lebenszufriedenheit, politische Rationalität, Dispositiv.
Die Arbeit untersucht das moderne Bestreben, Glück politisch zu erfassen und zu steuern, und versteht dies als ein historisch gewachsenes Regierungsphänomen, das sich nicht als naturgegeben, sondern als Konstrukt erweist.
Die zentralen Felder umfassen die Philosophie der Aufklärung, die Geschichte des Utilitarismus, liberale und neoliberale Gouvernementalität sowie die aktuelle wissenschaftliche und politische Glücksforschung.
Ziel ist es, die ideengeschichtlichen Herkünfte des Glücks als politische Leitidee nachzuzeichnen und zu zeigen, wie dieses Dispositiv zur modernen Regierungskunst geworden ist.
Die Arbeit nutzt einen foucaultianischen Ansatz, kombiniert mit der genealogischen Methode, um Diskurse und Machtmechanismen historisch kritisch zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des 18./19. Jahrhunderts (Entstehung der utilitaristischen Glücksideen) und des 20./21. Jahrhunderts (Transformation durch Glücksforschung und Neoliberalismus).
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gouvernementalität, Genealogie, Glücksdispositiv, Utilitarismus und neoliberale Regierungskunst definiert.
Die Autorin kritisiert, dass das aktuelle Glücksverständnis stark auf einer quantitativ-hedonistischen Messung basiert, die soziale Aspekte ausblendet und Individuen für ihr eigenes Glück verantwortlich macht.
Ökonomische Modelle, etwa durch die Glücksökonomie oder das BIP, werden in der Arbeit als Instrumente identifiziert, die versuchen, subjektives Wohlbefinden in objektive, steuerbare Variablen zu übersetzen.
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