Bachelorarbeit, 2020
98 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretische Einordnung
2.1. Objektive Sicherheitslage: Kriminalität
2.2. Subjektives Sicherheitsempfinden: Kriminalitätsfurcht
2.2.1 Das Kriminalitätsfurcht-Paradox
2.2.2 Dimensionen der Kriminalitätsfurcht
2.2.2.1 Soziale Kriminalitätseinstellungen
2.2.2.2 Personale Kriminalitätseinstellungen
2.3. Erklärungsansätze für die Entstehung von Kriminalitätsfurcht
2.3.1 Mikroebene: Die Viktimisierungsperspektive
2.3.2 Mesoebene
2.3.2.1 Soziale Kontrolle
2.3.2.2 Disorder-Phänomene: Broken Windows und Signs of incivility
2.3.2.3 Die Soziale-Kontroll-Perspektive
2.3.3 Makroebene: Die Soziale-Problem-Perspektive
2.3.4 Makroebene: Die Generalisierungsthese
2.3.5 Weitere Einflussvariablen
2.4. Gegen- und Präventionsmaßnahmen
2.4.1 Situationsbezogene Kriminalprävention
2.4.2 Kriminalprävention auf sozialräumlicher Ebene: Der Desintegrationsansatz
3. Aktueller Forschungsstand
4. Untersuchungsgegenstand: Koblenz und der Stadtteil Lützel
4.1. Räumliche Einordnung: Geographie und Sozialraum
4.2. Kriminalität und Kriminalitätsfurcht in Koblenz
4.2.1 Kriminalität in Koblenz
4.2.2 Kriminalitätsfurcht in Koblenz
4.3. Fazit
5. Empirische Untersuchung
5.1. Hypothesen und Forschungsfragen
5.2. Methodisches Vorgehen
5.2.1 Untersuchungsinstrumente
5.2.2 Durchführung und Datenerhebung
5.3. Beschreibung der Stichprobe
5.4. Darstellung der Ergebnisse
5.4.1 Quantitativer Teil: Fragebogen-Studie
5.4.1.1 Reputation des Stadtteils
5.4.1.2 Schutz- und Vermeideverhalten im Allgemeinen
5.4.1.3 Schutz- und Vermeideverhalten in Lützel
5.4.1.4 Wahrnehmung von Personen fremder Kulturen/ mit Migrationshintergrund
5.4.1.5 Präventionsmaßnahmen
5.4.1.6 Weitere Angaben der Befragten
5.4.1.7 Fazit
5.4.2 Qualitativer Teil: Experteninterviews
5.4.2.1 Die Bevölkerung des Stadtteils
5.4.2.2 Incivilities
5.4.2.3 Das subjektive Sicherheitsempfinden: Kriminalitätsfurcht
5.4.2.4 (In)formelle Sozialkontrolle: Repressiv- und Präventivmaßnahmen
5.4.2.5 Die objektive Sicherheitslage: Kriminalitätslage
5.4.2.6 Außenwirkung
5.4.2.7 Fazit
6. Diskussion
7. Ausblick
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Wahrnehmung von mangelnder sozialer Kontrolle und Zeichen sozialer Desorganisation im Koblenzer Stadtteil Lützel zur Ausprägung von Kriminalitätsfurcht beitragen, die sich in Schutz- und Vermeideverhalten äußert.
2.3.2.2 Disorder-Phänomene: Broken Windows und Signs of incivility
Wilson und Kelling beschreiben mithilfe der Broken Windows Theory einen Kreislauf abweichenden Verhaltens, der beim städtebaulichen Verfall und Zeichen sozialer Desorganisation, die geringe soziale Kontrolle symbolisieren, ansetzt – die Hemmschwelle für Vandalismus wird gesenkt, die Rate abweichenden Verhaltens nimmt zu und durch den dadurch entstehenden Rück- und Wegzug der BürgerInnen nimmt die soziale Kontrolle tatsächlich ab, was wiederum Delinquenz begünstig (Wilson & Kelling 1982). „Da Verfallserscheinungen auf das normwidrige Verhalten anderer hindeuten, können Normverstöße anderer, aber auch eigene als legitim erachtet werden“ (Landeskriminalamt NRW 2006, S. 8). Es wird nicht (nur) die tatsächliche Kriminalitätsrate als Auslöser von Furcht betrachtet, sondern es werden ebenso „disorderly people“ hinzugezogen (Wilson & Kelling 1982, S. 29). Diese Theorie wurde vielfach kritisiert, da sie als Basis einer Null-Toleranz-Strategie gilt; ihre Vertreter plädieren dafür, möglichst früh den Kreislauf abweichenden Verhaltens zu unterbrechen und daher vehement gegen niedrigschwellige Delinquenz vorzugehen – die Wirksamkeit dessen gilt allerdings als umstritten, da u.a. Verdrängungseffekte nicht auszuschließen sind (Kunz & Singelnstein 2016, S. 110). Mit der Broken Windows Theory können Verhaltensabweichungen nicht in ihren Ursprüngen erklärt werden; im Rahmen dieses kriminalpolitischen Programms kam es bisher außerdem zu polizeilichem Fehlverhalten und zahlreichen Einschränkungen der Grundrechte (ebd.).
Trotz aller Kritik an der Broken Windows Theory aufgrund der Erklärungslücken in Hinblick auf abweichendes Verhalten ist diese bei Weitem nicht ad acta zu legen, da der Grundgedanke, die Symbolisierung mangelnder Sozialkontrolle und des Verfalls durch Disorder-Erscheinungen als Basis für die Erklärung von Kriminalitätsfurcht, in zahlreichen Publikationen aufgegriffen und zur „Soziale-Kontroll-Perspektive“ weiterentwickelt wurde; besondere Bekanntheit erlangte die Arbeit von Lewis & Salem (1986/ 2017). Die Disorder-Erscheinungen werden als „signs of incivility“ oder „Incivilities“ bezeichnet, wobei grundsätzlich zwei Formen unterschieden werden: Unter sozialen Incivilities versteht man abweichende Handlungen von spezifischen Personengruppen (bspw. Alkohol-/ Drogenkonsum, Prostitution) und physische Incivilities umfassen Handlungsspuren wie u.a. Graffiti, herumliegenden Müll und Zeichen der Zerstörung an Bushaltestellen, Autos und Gebäuden (Häfele 2013a, S. 21).
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert das sinkende subjektive Sicherheitsgefühl und dessen Auswirkungen auf das Verhalten der Bevölkerung im Kontext des Stadtteils Lützel.
2. Theoretische Einordnung: Dieses Kapitel liefert einen theoretischen Rahmen über Kriminalität, Kriminalitätsfurcht, deren Entstehungsursachen auf verschiedenen Analyseebenen sowie Gegenmaßnahmen.
3. Aktueller Forschungsstand: Hier werden zentrale soziologische Theorien zur sozialen Desorganisation und kollektiven Wirksamkeit im Kontext der Kriminalitätsfurcht diskutiert.
4. Untersuchungsgegenstand: Koblenz und der Stadtteil Lützel: Das Kapitel bietet eine geographische und sozialräumliche Beschreibung des Stadtteils Lützel und beleuchtet die dortige Kriminalitätslage.
5. Empirische Untersuchung: Dieser Teil beschreibt das methodische Design der Arbeit, die Hypothesenbildung und die Ergebnisse der quantitativen Befragung sowie der qualitativen Experteninterviews.
6. Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert und in den theoretischen Kontext eingebettet, wobei die Rolle der Wahrnehmung sozialer Desorganisation hervorgehoben wird.
7. Ausblick: Der abschließende Teil skizziert mögliche Strategien zur Imageverbesserung und Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts im Stadtteil.
Kriminalitätsfurcht, Lützel, Soziale Kontrolle, Incivilities, Broken Windows Theory, Stadtentwicklung, Sicherheitsempfinden, soziale Desorganisation, Prävention, Lebensqualität, Diskriminierung, Quartiersmanagement, Prekarität, Mixed-Method-Design.
Die Arbeit analysiert, inwiefern die Wahrnehmung von Zeichen sozialer Desorganisation (sog. Incivilities) im Koblenzer Stadtteil Lützel zur Entstehung von Angsträumen und Kriminalitätsfurcht bei Anwohnenden beiträgt.
Zu den zentralen Themen gehören das subjektive Sicherheitsgefühl, die Theorie der sozialen Desorganisation, die Bedeutung des städtischen Images sowie die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen.
Die Forschungsfrage untersucht, inwieweit die Wahrnehmung mangelnder sozialer Kontrolle das Schutz- und Vermeideverhalten der Bewohner in Lützel beeinflusst und ob dieser Stadtteil aufgrund seines Rufs als "Angstraum" wahrgenommen wird.
Die Autorin nutzt ein „Mixed-Method-Design“. Dies beinhaltet eine quantitative Fragebogen-Studie unter der Bevölkerung und eine qualitative Analyse mittels Leitfadeninterviews mit Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Sozialplanung und Kriminalprävention.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung, eine Darstellung des Untersuchungsgegenstands Koblenz-Lützel sowie die umfassende empirische Auswertung inklusive Hypothesentests zur Reputation und zum Schutzverhalten.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kriminalitätsfurcht, Incivilities, Soziale Kontrolle, Lützel, Kriminalprävention und soziale Desorganisation.
Lützel gilt aufgrund hoher Bevölkerungsdichte, hoher Mobilität sowie eines hohen Anteils an sozial schwachen Personen und Menschen mit Migrationshintergrund als ein klassisches „Problemviertel“ mit speziellem Forschungsbedarf.
Die Experten stufen die objektive Kriminalitätslage meist als unbedenklich ein. Sie führen die Wahrnehmung als unsicherer Ort eher auf den negativen Ruf (Stigmatisierung) und sichtbare Anzeichen von Verwahrlosung zurück.
Ja, die Arbeit zeigt, dass Personen, die keinen Kontakt zum Stadtteil haben, tendenziell negativer über das Viertel urteilen und stärkere Vorurteile bezüglich der dortigen Sicherheit äußern, was ihr Handeln im öffentlichen Raum beeinflusst.
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