Magisterarbeit, 2000
142 Seiten, Note: 1,8 (gut)
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung
1.1 Vom typologischen Faschismusvergleich zu einer vergleichenden Faschismusforschung
1.2 Gegenstand des Vergleiches: Die Tagespresse und der Rundfunk
1.3 Einführung in den Forschungsstand
1.4 Vergleichs- und Arbeitshypothesen
2. Die Tagespresse im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus
2.1 Chaotische Überorganisation der Presselenkung im Nationalsozialismus
2.2 Entwicklungsdiktatorische Presselenkung im italienischen Faschismus
2.3 Vom Vorbild zum konkurrierenden Imitator: Vergleich und Beziehungen
3. Der Rundfunk im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus
3.1 Der Mythos einer Rundfunkrevolution: Fortgesetzte Zentralisierung und anhaltender Aufstieg des Rundfunks im Nationalsozialismus
3.2 Entwicklungsdiktatorische Instrumentalisierung des Rundfunks im italienischen Faschismus
3.3 Ideologische Rigorosität als Trennlinie zwischen Faschismus und Nationalsozialismus: Vergleich und Beziehungen
4. Ergebnisse und Forschungsdesiderate
Die vorliegende Arbeit untersucht in einem historischen Vergleich die staatliche Organisation sowie die ideologische und propagandistische Instrumentalisierung von Tagespresse und Rundfunk im deutschen Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus. Das Ziel ist es, die wechselseitigen Impulse, Transformationen und Transferleistungen der diktatorischen Systeme aufzuzeigen und die These einer gemeinsamen ideologischen Prädisposition zu prüfen.
Die institutionelle Presselenkung
Die institutionelle Presselenkung im Dritten Reich vollzog sich im Prinzip auf drei Ebenen. Zum ersten auf der Ebene des Staates, zum zweiten auf der Ebene der Partei und zum dritten auf der Ebene des sog. »Berufsstandes«. Die Ebenen selbst waren streng vertikal ausgerichtet, aber nicht strikt voneinander getrennt, sondern im Gegenteil in zentralen Positionen miteinander verwoben. So stand Joseph Goebbels als Reichspropagandaminister, Reichspropagandaleiter der NSDAP und als Präsident der Reichskulturkammer formell allen drei Ebenen vor, wobei er selbst natürlich noch Adolf Hitler als Führer und Reichskanzler unterstellt blieb.
Neben dieser eindeutig hierarchischen Gliederung erwuchsen jedoch vielfältige Kompetenzprobleme, sowohl innerhalb der einzelnen vertikalen Gliederungen als auch zu anderen Ministerien und Organisationen der Partei, was insbesondere ein Ergebnis der Neugründung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (im folgenden kurz: RMVP) gewesen war. Denn das seit dem 13. März 1933 eingerichtete RMVP hatte eine ganze Reihe an Aufgaben von anderen Ministerien und Ämtern geerbt. So ging nicht nur der gesamte Mitarbeiterstab des Preußischen Presseamtes in das neue Ministerium ein, sondern auch die Presseabteilung des Innenministeriums. Darüber hinaus erhielt das Ministerium die Hoheit über all jene Wirtschaftsfragen, die mit den originären Belangen der Propagandatätigkeit zu tun hatten.
1. Einleitung: Begründung der Relevanz des Faschismusvergleichs und methodischer Rahmen der Untersuchung von Presse und Rundfunk.
2. Die Tagespresse im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus: Analyse der institutionellen, ökonomischen und inhaltlichen Lenkungsmechanismen sowie der Unterschiede in der Gleichschaltung der Presselandschaft.
3. Der Rundfunk im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus: Vergleich der unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und der nachfolgenden Instrumentalisierung des Rundfunks als Propagandamedium.
4. Ergebnisse und Forschungsdesiderate: Synthese der Vergleichsergebnisse und Aufzeigen von Lücken in der bisherigen Forschung zur propagandistischen Wirkmächtigkeit.
Nationalsozialismus, Faschismus, Pressegeschichte, Rundfunkgeschichte, Deutsche Geschichte, Italienische Geschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Massenmedien, Propaganda, Zensur, Meinungslenkung, Gleichschaltung, Konsensbildung.
Die Magisterarbeit vergleicht die Presse- und Rundfunkpolitik des deutschen Nationalsozialismus und des italienischen Faschismus im Hinblick auf deren staatliche Lenkung und propagandistische Nutzung.
Die Schwerpunkte liegen auf der institutionellen Organisation, der ökonomischen Kontrolle der Medienhäuser und der inhaltlichen Zensur durch staatliche Anweisungen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie beide Regime Massenmedien zur Konsensbildung und Meinungslenkung nutzten und inwieweit eine wechselseitige Beeinflussung der beiden Systeme vorlag.
Die Arbeit nutzt einen historisch-vergleichenden Ansatz, der neben politikgeschichtlichen Analysen auch die Ergebnisse aus Publizistik- und Kulturwissenschaften einbezieht.
Es werden separat die Entwicklungen der Presse und des Rundfunks in beiden Ländern dargestellt und anschließend auf ihre gemeinsamen Strukturen und Unterschiede hin bewertet.
Zentrale Begriffe sind Propaganda, Zensur, Gleichschaltung, "omnipräsente Aufmerksamkeitsdiktatur" und die "Regie des öffentlichen Lebens".
Das Ministero della Cultura Popolare (Minculpop) war das zentrale Instrument zur Steuerung von Presse und Rundfunk, das nach deutschem Vorbild das faschistische Informationsmonopol festigte.
Während der italienische Faschismus anfangs als Vorbild für bestimmte institutionelle Strukturen diente, wandelte sich das Verhältnis später zu einer Imitation deutscher Methoden, überschattet von einem innerfaschistischen Kulturkampf.
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