Diplomarbeit, 1999
108 Seiten, Note: 2
I. EINLEITUNG
II. KERNPROBLEM - AUSGANGSSITUATION UND ENTWICKLUNG
1. EIGENE ERFAHRUNGEN
2. VON BETREUUNG UND BEVORMUNDUNG ZUM SELBSTBESTIMMTEN LEBEN
2.1. Independent Living Bewegung in den USA
2.1.1. Definition und Entstehung der Independent Living Bewegung
2.1.2. Rechtliche Grundlagen
2.1.3. Der Selbsthilfegedanke
2.2. Historischer Aufriß über die Entwicklung der deutschen Behindertenbewegung nach 1945
2.3. Münchener Vorbedingungen und Gründung des VbA e.V.
III. VBA – SELBSTBESTIMMT LEBEN E.V.
1. STRUKTUR DES VBA E.V.
2. FINANZIERUNG
3. AUFGABEN UND KOMPETENZVERTEILUNG
IV. PEER COUNSELING
1. UNTERSCHIEDLICHE BEDEUTUNGEN VON PEER COUNSELING UND PEER SUPPORT
2. PEER COUNSELING – METHODE
2.1. Verständnis der Methode nach Carl Rogers
2.2. Die Bedeutung der Methode
2.3. Technische Grundlagen der Methode
3. DIE STELLUNG DES PEER COUNSELORS
4. MÖGLICHKEITEN UND GEDANKEN ZUR QUALIFIZIERUNG ALS PEER COUNSELOR
5. WARUM PEER COUNSELING?
6. EMPOWERMENT DURCH PEER COUNSELING
7. EINSATZFORMEN VON PEER COUNSELING
V. TRAININGSPROGRAMM
1. VORBEREITUNG ZUR DURCHFÜHRUNG
1.1. Unsere Überlegungen
1.2. Ausschreibung zur Trainingsgruppe: (Auszüge aus unserem Faltblatt)
1.3. Zusammenstellung der Trainingseinheiten
2. PROTOTYP DES TRAININGSPROGRAMMES
1. Treffen: Vorstellung und Einführung
2. Treffen: Rahmenbedingungen und Zielformulierungen
3. Treffen: „Independent Living“ und „Selbstbestimmt Leben“
4. Treffen: Behinderung und Gesellschaft - Darstellung von Behinderung in den Medien
5. Treffen: Welches Wissen und welche Fertigkeiten benötige ich?
6. Treffen: Assistenzsuche
7. Treffen: Assistenzauswahl
8. Treffen: Verhalten in der Probezeit
9. Treffen: Konflikte
10. Treffen: Ungeklärte Fragen oder „Heißer Stuhl“ zum Thema Sexualität
11. Treffen: Abschlußveranstaltung
3. ERSTE AUSWERTUNG DER TRAININGSGRUPPEN
3.1. Gruppenstruktur
3.2. Ablauf und Auswertung
VI. ABSCHLIEßENDE GEDANKEN
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung sowie den Stellenwert von Peer Counseling als zentrales Instrument der Beratung und Empowerment-Förderung für behinderte Menschen. Ziel ist es, den Werdegang von der Bevormundung hin zum selbstbestimmten Leben aufzuzeigen und ein praktisches Trainingskonzept vorzustellen, das behinderten Menschen hilft, ihre eigenen Bedürfnisse zu artikulieren, Assistenz zu organisieren und gesellschaftliche Teilhabe zu verwirklichen.
Die Stellung des Peer Counselors
Der Peer Counselor nimmt eine sehr wichtige Funktion im Gespräch ein. Sobald ein Ratsuchender Vertrauen gefaßt hat, schildert er dem Peer Counselor die wichtigsten Probleme und Bedürfnisse, der so Einblick in Dinge bekommt, die oft niemand anderem offenbart wurden.
Manchmal ist es sehr schwierig als selbst Betroffener nicht wieder davon betroffen zu sein und sich selbst zu stark einzubringen. Wichtig ist, diese Grenze nicht zu überschreiten und die Ratsuchenden dadurch in ihrer Entwicklung zu behindern.
[...] Die Rolle des Peer Counselors ist es deshalb nicht, die Probleme der anderen Person zu lösen, sondern vielmehr sie dabei zu unterstützen, ihre eigenen Lösungen zu finden. Peer Counselor geben den Leuten weder vor was sie tun „sollten“, noch geben sie Ratschläge. Statt dessen fördert der Peer Counselor die andere Person darin, Problemlösungen zu entdecken, und zwar durch Zuhören, Erfahrungsaustausch, dem Herausfinden von Handlungsmöglichkeiten sowie durch teilnehmende Unterstützung.“ (Bruckner / Bruckner 1993 / S.64)
Der Peer Counselor hat hier also entgegen der herkömmlichen bevormundenden Beraterrolle im Behindertenbereich folgende fünf Grundregeln des Peer Counselings zu befolgen, die ich direkt übernehmen werde:
I. EINLEITUNG: Die Einleitung skizziert die Problematik der paternalistischen Begrifflichkeiten wie „Sorgenkinder“ und führt in das Konzept der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung ein.
II. KERNPROBLEM - AUSGANGSSITUATION UND ENTWICKLUNG: Dieses Kapitel behandelt die persönlichen Erfahrungen der Autorin sowie die historische Genese der Behindertenbewegung in den USA und Deutschland.
III. VBA – SELBSTBESTIMMT LEBEN E.V.: Hier werden die organisatorische Struktur, die Finanzierungsmodelle und die Aufgabenverteilung des Münchner Vereins dargestellt.
IV. PEER COUNSELING: Dieses Kapitel definiert Peer Counseling als methodische psychosoziale Beratung und erläutert die Anwendung nach Carl Rogers sowie die spezifische Rolle des Peer Counselors.
V. TRAININGSPROGRAMM: Hier wird ein konkretes Trainingskonzept für behinderte Menschen vorgestellt, inklusive Vorbereitung, Prototyp-Ablauf und erster Evaluation.
VI. ABSCHLIEßENDE GEDANKEN: Das Fazit reflektiert die Rolle von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft und formuliert Visionen für politischen Einfluss und gleichberechtigte Integration.
Peer Counseling, Selbstbestimmt Leben, Independent Living, Empowerment, Behinderung, Beratung, Behindertenbewegung, VbA, Selbsthilfe, Assistenz, Lebensregie, Klientenzentrierte Gesprächsführung, Autonomie, Diskriminierung, Soziale Teilhabe.
Die Diplomarbeit thematisiert den Weg von Menschen mit Behinderung aus einer bevormundeten Lebenssituation hin zu einem selbstbestimmten Leben durch das Konzept des „Independent Living“ und die Methode des „Peer Counseling“.
Zu den Kernbereichen zählen die historische Entwicklung der Behindertenbewegung, die Organisationsstruktur von Selbsthilfezentren, die methodischen Grundlagen der Beratung durch Betroffene und die praktische Durchführung von Empowerment-Trainings.
Das Ziel ist es, die Wirksamkeit von Peer Counseling als Beratungsform aufzuzeigen und ein erprobtes Trainingsmodell vorzulegen, das behinderten Menschen hilft, ihre Lebensgestaltung eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen.
Die Arbeit basiert auf einer Kombination aus Literaturanalyse zur historischen Entwicklung sowie der Dokumentation und Evaluation eines praktischen Trainingsprojekts für junge behinderte Menschen.
Der Hauptteil analysiert die Philosophie und Technik des Peer Counselings (u.a. nach Carl Rogers), die Strukturen des „VbA selbstbestimmt Leben e.V.“ und detailliert das in der Arbeit entwickelte Trainingsprogramm in seinen verschiedenen Phasen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Selbstbestimmung, Empowerment, Peer-Beratung, Autonomie, Assistenz und die Überwindung medizinischer Paradigmen geprägt.
Im Gegensatz zur professionellen Sozialarbeit basiert Peer Counseling auf der geteilten Betroffenheit („Peers“), was eine authentische Kommunikation, ein höheres Maß an Empathie und den Verzicht auf bevormundende Ratschläge ermöglicht.
Die Finanzierung ist eine zentrale Herausforderung. Der Verein setzt auf eine Mischfinanzierung, bestehend aus kommunaler Förderung, Projekten der Arbeitsförderung, Einnahmen aus einem Lohnabrechnungsbüro und ehrenamtlichem Engagement.
Das Programm ist auf die spezifischen Bedürfnisse junger behinderter Menschen zugeschnitten, nutzt einen methodisch abwechslungsreichen Ansatz (Rollenspiele, Reflexion, Gruppenarbeit) und fokussiert auf die Förderung von Selbstbewusstsein und Kompetenz zur Lebensgestaltung.
Die eigene Erfahrung der Autorin und der Peer Counselor dient als Modellfunktion; sie ermöglicht es, Ängste und gesellschaftliche Barrieren aus erster Hand zu verstehen und den Ratsuchenden als gleichwertige Person zu begegnen.
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