Masterarbeit, 2021
58 Seiten, Note: 2,3
1 EINLEITUNG
2 JOSÉ DE ALENCAR UND SEINE TRILOGÍA INDIGENISTA
3 DAS KONZEPT DER NATIONALALLEGORIE
4 ANALYSE
4.1 Peri
4.1.1 Naturkenntnis
4.1.2 Verhältnis zur Familie Mariz
4.1.3 Poetische Sprache
4.2 Cecília
4.3 Iracema
4.3.1 Beziehung zur Natur
4.3.2 Verhältnis zu Martim
4.3.3 Mutter von Moacir
4.4 Martim
5 VERGLEICH
6 FAZIT
Die vorliegende Arbeit untersucht die nationalallegorischen Liebesbeziehungen zwischen europäischen Kolonisatoren und indigenen Protagonisten in José de Alencars Romanen "O Guarani" und "Iracema", um die Konstruktion einer brasilianischen nationalen Identität im 19. Jahrhundert zu beleuchten.
4.1.1 Naturkenntnis
Peris kulturelle Ausstattung besteht zum größten Teil aus seiner Naturkenntnis. Diese ist von großer Bedeutung für seine spätere Rolle als Vater der brasilianischen Nation und wird deshalb umfangreich untersucht. Die Natur ist ein besonders wichtiges Element in O Guarani, denn genau hier, in den unberührten Wäldern, die noch nicht vom Menschen und der Zivilisation durchdrungen wurden, liegt Brasiliens Besonderheit: “[…] a civilização não tivera tempo de penetrar o interior” (Alencar 1971, 11). Der Roman beginnt und endet mit dem Bild des Paquequer Flusses und der Landschaft, die er durchfließt. Diese Beschreibung im Cenário wird auf den ersten Blick als typisch romantische Schreibkunst wahrgenommen, bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass es sich um kulturelle Codes handelt, die den Verlauf der Geschichte vorwegnehmen (cf. Wasserman 1994, 197).
É o Paquequer: saltando de cascata em cascata, enroscando-se como uma serpente, vai depois se espreguiçar na várzea e embeber no Paraíba, que rola majestosamente em seu vasto leito.
Dir-se-ia que, vassalo e tributário dêsse rei das águas, o pequeno rio, altivo e sobranceiro contra os rochedos, curva-se humildemente aos pés do suserano. Perde então a beleza selvática; suas ondas são calmas e serenas como as de um lago, e não se revoltam contra os barcos e as canoas que resvalam sobre elas: escravo submisso, sofre o látego do senhor.
1 EINLEITUNG: Einführung in die Bedeutung der lateinamerikanischen Romantik für die Nationenbildung und Vorstellung des Analyseziels.
2 JOSÉ DE ALENCAR UND SEINE TRILOGÍA INDIGENISTA: Biografischer Abriss zu Alencar und Einordnung seiner Indianerromane in den historischen Kontext.
3 DAS KONZEPT DER NATIONALALLEGORIE: Erläuterung der theoretischen Basis nach Doris Sommer zur Bedeutung der Romanze für nationale Ideale.
4 ANALYSE: Detaillierte Untersuchung der Hauptcharaktere (Peri, Cecília, Iracema, Martim) und ihrer Beziehung zur Natur.
5 VERGLEICH: Gegenüberstellung der Romane hinsichtlich ihrer Unterschiede in der nationalallegorischen Darstellung und der Entwicklung der Charaktere.
6 FAZIT: Zusammenführung der Erkenntnisse über den Indianismus im Dienst des Nationalismus und die Rolle des kulturellen Austauschs.
José de Alencar, O Guarani, Iracema, Nationalallegorie, brasilianische Identität, Romantik, Indianerromane, Naturdarstellung, Nationenbildung, Akkulturation, Literaturwissenschaft, indigene Kultur, Doris Sommer, Kolonisation, Moacir.
Die Arbeit analysiert, wie José de Alencar in seinen Romanen "O Guarani" und "Iracema" durch Liebesbeziehungen zwischen Indianern und Europäern die Entstehung einer brasilianischen Nation allegorisch darstellt.
Zentrale Themen sind der Nationalismus im 19. Jahrhundert, die Bedeutung der Natur als nationaler Topos, die Interkulturalität und der Prozess der Identitätsstiftung durch Rassenmischung.
Das Ziel ist es, die kulturelle Ausstattung der Protagonisten zu untersuchen und aufzuzeigen, wie sie durch ihr Handeln und ihre Verbindung zur Natur zur Gründung einer neuen brasilianischen Identität beitragen.
Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen Ansatz, der sich insbesondere auf die Konzepte von Doris Sommer zur "Nationalallegorie" stützt, ergänzt durch textnahe Analysen und Vergleiche der Romanfiguren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Charaktere Peri, Cecília, Iracema und Martim, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf ihrer Naturkenntnis und ihrer symbolischen Funktion liegt.
Wichtige Begriffe sind Nationalallegorie, brasilianische Identität, Indianismus, Akkulturation und das Konzept der "Gründungsfiktionen" nach Doris Sommer.
Peri verkörpert als "König des Waldes" die Urkraft der brasilianischen Natur. Seine Entwicklung zeigt den notwendigen Prozess der Transformation, um als "guter Wilder" die Basis für eine neue nationale Einheit mit europäischen Werten zu bilden.
Der Wald fungiert als essenzieller Identifikationspunkt und Spiegelbild der brasilianischen Nation. Die Verbindung der Protagonisten zum Wald unterstreicht ihre Authentizität und ihre Rolle bei der Definition eines landeseigenen Charakters, der sich von Europa abgrenzt.
Während in "O Guarani" die Liebe als Grundlage für eine friedliche Zukunft dient, ist die Beziehung in "Iracema" von Abhängigkeit und strategischer Manipulation geprägt. Iracemas Tod symbolisiert den schmerzhaften Verlust der indigenen Identität zugunsten der kolonialen Integration.
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