Lizentiatsarbeit, 2007
145 Seiten, Note: Gut bis Sehr Gut
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1. Einleitung
2. Tabakforschung im kulturhistorischen Rahmen – zur Gegenstandsbestimmung und dem Forschungsstand
3. Tabakkonsum als soziokulturelles Konstrukt: Gesellschaftliche Bewertungsmuster und sozialpsychologische Funktionen
3.1 Man ist was man raucht - vom symbolischen Sinngehalt zu polaren Bewertungsmustern
3.2 Zu den sozialpsychologischen Funktionen: Tabakforschung aus der Makroperspektive
3.2.1 Medizinische Funktion: Ein krebserregendes Heilmittel
3.2.2 Zur (alltags-)rituellen Funktion des Tabaks: Vom Schamanismus zur Zigarette danach
3.2.3 Integrative Funktion: Vom Raucherabteil zur goldenen Tabakdose
3.3 Das mehrdimensionale Betrachtungsmodell als integrativer Ansatz in der kulturhistorischen Tabakforschung
4. Plakatwerbung als Gegenstand der Visual History
4.1 Strukturen einer Bilderflut – zur Quellenorganisation
4.2 Ikonographie und Historik - zur Quelleninterpretetion
5. Nicotiana Helvetica: Rauchformen und kulturelle Praxis in der Schweiz
5.1 Vom Acker an die Uni: Pfeifenraucher in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
5.2 Zigarren und Stumpen: Aufstieg & Fall einer Rauchkultur
5.3 Zur Zigarette: Von der exotischen Rauchmode zum Massenkonsumgut
6. Rauchgewohnheiten in der „Übergangszeit“ - von Relikten aus der Belle Epoque zu modernen Konsumformen der Nachkriegsgesellschaft
Die Arbeit untersucht die soziokulturelle Bedeutung des Rauchens in der Schweiz zwischen 1900 und 1950, wobei der Schwerpunkt auf dem Tabakkonsum als Ausdruck der zeitgenössischen Alltagskultur und deren Veränderung durch neue Konsumformen liegt.
3.1 Man ist was man raucht - vom symbolischen Sinngehalt zu polaren Bewertungsmustern
Es fällt gar nicht so leicht den Prozess des Rauchens zu analysieren und gleichzeitig von seiner Alltäglichkeit einmal abzusehen. Im Grunde genommen gibt es nämlich nichts Unnatürlicheres als Rauch einzuatmen, der in der Lunge brennt und möglicherweise heftige Hustanfälle evoziert. Was bewegt also Millionen von Menschen dazu täglich einer höchst bizarren Gewohnheit nachzugehen, die, wie sich vor nicht allzu langer Zeit herausstellte, auch noch schädlich für ihre Gesundheit ist. Es steht ausser Frage, dass Tabak, je nach Menge und Art des Konsums, eine mehr oder weniger starke aphrodisierende Wirkung hat und ihm daher in vielerlei Hinsicht auch heilende Wirkung zugesprochen werden kann. Es ist angenehm, sich vom permanenten Effekt des Nikotins berieseln zu lassen, es ist entspannend und kann konzentrationsfördernd sein. Dies ist jedoch nicht die einzige Antriebskraft, durch die sich seine immer noch anhaltende Beliebtheit erklären lässt. Einmal mehr sei betont, dass der gesellschaftlichen Bedeutung des Tabakkonsums sollte ebenso viel Gewicht beigemessen werden muss, wie seinem Nutzen für das Individuum. Nicht nur Rauchen, sondern auch andere Konsumformen sprechen eine Zeichensprache, die von der sozialen Umwelt verstanden und vor dem jeweiligen kulturellen Hintergrund gedeutet wird.
1. Einleitung: Stellt das Forschungsinteresse dar, das Rauchen als soziokulturelles Konstrukt und Ausdruck der Alltagskultur zwischen 1900 und 1950 zu untersuchen.
2. Tabakforschung im kulturhistorischen Rahmen – zur Gegenstandsbestimmung und dem Forschungsstand: Diskutiert Tabakgeschichte als Teil der Genussmittelforschung und ordnet den kulturhistorischen Forschungsansatz ein.
3. Tabakkonsum als soziokulturelles Konstrukt: Gesellschaftliche Bewertungsmuster und sozialpsychologische Funktionen: Analysiert die ambivalente gesellschaftliche Bewertung des Tabakkonsums sowie dessen individuelle und soziale Funktionen.
4. Plakatwerbung als Gegenstand der Visual History: Erläutert die methodischen Herausforderungen und Ansätze bei der Nutzung von Werbemedien als historische Quellen.
5. Nicotiana Helvetica: Rauchformen und kulturelle Praxis in der Schweiz: Detaillierte Betrachtung des Aufstiegs und Falls einzelner Rauchformen wie Pfeife, Stumpen, Zigarre und der Etablierung der Zigarette.
6. Rauchgewohnheiten in der „Übergangszeit“ - von Relikten aus der Belle Epoque zu modernen Konsumformen der Nachkriegsgesellschaft: Synthese der Ergebnisse, die den Wandel von Traditionen hin zur modernen Massenkonsumgesellschaft reflektiert.
Tabakkonsum, Schweiz, Kulturgeschichte, Rauchgewohnheiten, Zigarette, Stumpen, Visual History, Alltagsgeschichte, Genussmittel, Sozialer Wandel, Werbeplakate, Konsumkultur, Tabakindustrie, Mentalitätsgeschichte, Symbolik
Die Lizentiatsarbeit untersucht die soziokulturelle Bedeutung des Tabakkonsums in der Schweiz während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter Berücksichtigung kulturhistorischer und alltagsgeschichtlicher Aspekte.
Zentrale Themen sind der Wandel der Rauchgewohnheiten, die unterschiedliche gesellschaftliche Bewertung von Tabakformen sowie die Rolle der Werbung als visuelles Zeugnis dieses Wandels.
Das Ziel ist es, die heute medizinisch dominierte Tabakforschung um eine kulturelle Dimension zu erweitern und den Wandel des Tabakkonsums im Kontext sozialer Veränderungen darzustellen.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, insbesondere Methoden der Visual History zur Analyse von Werbeplakaten und anderen Bilddokumenten.
Der Hauptteil behandelt die sozialpsychologischen Funktionen des Tabakkonsums, die Entwicklung spezifischer Rauchformen (Pfeife, Stumpen, Zigarre, Zigarette) und deren Bedeutung für verschiedene soziale Gruppen.
Neben Tabakkonsum und Genussmittelforschung sind dies soziokulturelles Konstrukt, Konsumverlagerung, Identitätsstiftung und visuelle Medienanalyse.
Der Stumpen war ein entscheidendes Schweizer Tabakprodukt, das sich aufgrund seiner Beliebtheit und der marketingtechnischen Verknüpfung mit heimatlichen Werten bis in die 1940er Jahre erfolgreich gegen die Zigarette behaupten konnte.
Die Zigarette entsprach durch ihre praktische Handhabung und ihre Assoziation mit Modernität und westlichem Lebenswandel besser den Anforderungen einer sich beschleunigenden Industriegesellschaft als traditionelle Rauchformen.
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