Examensarbeit, 2006
72 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Die „Krisisschrift“
2.1 Aufgaben und Ziel der Schrift
2.2 Die neue Wissenschaft
2.2.1 Prolegomena
2.2.2 Galilei und die neue Wissenschaft
2.2.2.1 Idealitäten und Idealisierung
2.2.2.2 Die galileische Wende
2.2.2.3 Das Problem der Füllen
2.2.2.4 Über die naturwissenschaftliche Methode
2.3 Die Rolle Descartes’
2.3.1 Descartes und die neue Idee der Wissenschaft
2.3.2 Descartes als Urstifter
2.3.2.1 Der Dualismus als Grundlage der naturalistischen Psychologie
2.3.2.2 Das Ego und seine angebliche Fehldeutung
2.4 Analyse der Begriffe „naturalistisch“ und „Psychologie“ sowie ihrer Beziehung und Bezüglichkeit in der Schrift
2.5 Zusammenfassung
3 Descartes’ „Meditationes de prima philosophia“
3.1 Über das Werk
3.2 Naturwissenschaftliche Elemente in den „Meditationen“
3.2.1 Mathematik und Geometrie
3.2.2 Empirismus
3.3 Der Dualismus
3.3.1 Seine Begründung im Rahmen der Meditationen
3.3.2 Der cartesische Interaktionismus der Substanzen
3.3.3 Das Ego
4 Abschließende Betrachtungen
Die vorliegende Arbeit untersucht Husserls Kritik an Descartes, insbesondere im Kontext seiner Spätschrift „Die Krisis der europäischen Wissenschaften“. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Descartes durch seine dualistische Philosophie und seine Konzeption des Ego, beeinflusst vom aufkommenden Geist der Naturwissenschaften, die Grundlage für eine naturalistische Psychologie schuf, die aus Husserls Sicht in der europäischen Geistesgeschichte in eine Krise mündete.
3.3.1 Seine Begründung im Rahmen der Meditationen
Wie ich im ersten Teil dieser Arbeit gezeigt habe, resultiert für Husserl der Dualismus der Substanzen aus der Konzeption einer abgeschlossenen Körperwelt. Bevor also das Verhältnis von res cogitans und res extensa diskutiert werden kann, muss erst einmal seine Rechtfertigung in den Meditationen beleuchtet werden. Es sollen demnach folgende Fragen wegweisend sein: Ist die Begründung des Dualismus bei Descartes schlüssig? Und: Wie ist sie im Rahmen der cartesischen Intention zu bewerten?
Zunächst betrachten wir die Unterscheidung der Substanzen. Hinsichtlich welcher Eigenschaften distinguiert Descartes diese? In der dritten Meditation beschreibt er die Substanzen als einer Klasse zugehörig. Beide, also res cogitans und res extensa sind abhängig von Gott. Perler nennt dies eine Klassifizierung nach Existenzart. Von größerer Bedeutung ist jedoch sicherlich die zweite Unterscheidung, welche Descartes in der sechsten Meditation macht. Denkende und ausgedehnte Substanz werden hier hinsichtlich ihrer Attribute voneinander getrennt:
„Denn einerseits habe ich doch eine klare und deutliche Vorstellung meiner selbst, sofern ich lediglich denkendes, nicht ausgedehntes Ding bin; andererseits habe ich eine deutliche Vorstellung vom Körper, sofern er lediglich ausgedehntes, nicht denkendes Ding ist.“ („quia tamen ex unâ parte claram et distinctam habeo ideam meî ipsius, quatenus sum tantùm res cogitans, non extensa, & ex aliâ parte distinctam ideam corporis, quatenus est tantùm res extensa, non cogitans“.)
1 Einleitung: Einführung in das Thema der Husserlschen Descartes-Kritik und Darstellung der Zielsetzung, Descartes' Beitrag zur Entstehung der naturalistischen Psychologie aufzuzeigen.
2 Die „Krisisschrift“: Analyse der Husserlschen Darstellung der neuzeitlichen Wissenschaftskrise, beginnend mit Galilei und dessen mathematischer Naturkonzeption.
3 Descartes’ „Meditationes de prima philosophia“: Detaillierte Untersuchung des cartesianischen Werkes hinsichtlich seiner dualistischen Metaphysik und deren wissenschaftstheoretischer Auswirkungen.
4 Abschließende Betrachtungen: Zusammenfassende Reflexion über die Rolle Descartes' in der Geistesgeschichte und das fortwährende Spannungsfeld zwischen naturwissenschaftlichem Naturalismus und phänomenologischer Sinnstiftung.
Husserl, Descartes, Krisisschrift, Transzendentale Phänomenologie, Dualismus, naturalistische Psychologie, Galilei, res cogitans, res extensa, Objektivismus, Wissenschaftstheorie, Meditationes, Cogito, Rationalismus, Leib-Seele-Problem.
Die Arbeit analysiert Husserls Kritik an Descartes, um aufzuzeigen, wie Descartes' Philosophie den Weg für eine naturalistische Psychologie ebnete, die Husserl in seiner „Krisisschrift“ als grundlegend für die Krise der europäischen Wissenschaften identifiziert.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der neuzeitlichen Wissenschaft, dem cartesianischen Dualismus von Geist und Körper sowie der Analyse des Begriffs Naturalismus in der Psychologie.
Die Arbeit fragt danach, inwiefern Descartes' Philosophie – unter dem Einfluss des rationalistischen Geistes seiner Zeit – die Entwicklung einer naturalistischen Psychologie induziert hat, die Husserl kritisch betrachtet.
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die Husserls Interpretation von Descartes' Werk „Meditationes de prima philosophia“ nachvollzieht und durch Textanalyse belegt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Husserls Krisisschrift, die galileische Naturwissenschaft, die cartesische Metaphysik sowie den Dualismus der Substanzen.
Wichtige Begriffe sind Husserl, Descartes, Dualismus, naturalistische Psychologie, res cogitans, res extensa und Objektivismus.
Descartes trennt die denkende Substanz (res cogitans) und die ausgedehnte, körperliche Substanz (res extensa) primär durch ihre unterschiedlichen Attribute, wie er insbesondere in der sechsten Meditation darlegt.
Husserl wirft Descartes eine Inkonsequenz in der Durchführung seines Zweifels vor und kritisiert, dass Descartes das Ego mit der Seele gleichsetzt, anstatt es als transzendentale Instanz aller Geltungen zu begreifen.
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