Lizentiatsarbeit, 2001
153 Seiten, Note: 5 (von 6)
A. Einleitung
1. Einführung
2. Themaeingrenzung und Fragestellung
3. Quellen – methodische Erläuterungen – Aufbau
4. Forschungsstand
B. Spielen und Konflikte ums Spielen in den Zürcher Richtbüchern
5. Regelungen zum Spielen im spätmittelalterlichen Zürich
5.1 Spielverordnungen im Zürcher Richtebrief
5.2 Spielverordnungen in den Zürcher Stadtbüchern
6. Die Spiele in den Zürcher Rats- und Richtbüchern
6.1 Brettspiele
6.1.1 Spil im brett
6.1.2 Schachzabel
6.2 Würfelspiele
6.2.1 Spil/spilen
6.2.2 Würfeln
6.2.3 Im brett schit spilen
6.2.4 Passen
6.2.5 Fünflen
6.3 Kartenspiele
6.3.1 Unbekannte Kartenspiele
6.3.2 Inschlachen/Uff dem kartenspil lupffen
6.3.3 Zuo der nünden karten
6.3.4 Drissgen
6.3.5 Puren
6.3.6 Russen
6.3.7 Buffen
6.3.8 Mit der karten stechen
6.3.9 Zuo der achtenden karten
6.3.10 Sibendlis
6.3.11 Alrunen
6.3.12 Hunderten oder Eins und Hundert
6.3.13 Under faren
6.4 Bewegungsspiele
6.4.1 Kegeln
6.4.2 Schiessen
6.4.3 Steinstossen
6.4.4 Ballspiel
6.5 Diverse und ungeklärte Spiele
6.5.1 Wetten
6.5.2 Lüschlis spilen
6.5.3 Wis und schwartz
7. Die Spielorte
7.1 Zünfte und der Gesellen Trinkstuben
7.2 Wirtshäuser und Gesellschaftsstuben
7.3 Spielorte im Freien
7.4 Privathäuser
7.5 Verschiedene Lokalitäten
7.6 Nicht identifizierte Spielorte
7.7 Spielordnungen auf den Trinkstuben
8. Die Spieler
8.1 Anzahl und Schichtzugehörigkeit
8.2 Berufszugehörigkeit
8.3 Zusammensetzung der Spielrunden
9. Die Spielkonflikte
9.1 Konfliktstoffe
9.2 Die Austragung der Spielkonflikte
9.3 Das Zürcher Ratsgericht im Umgang mit Spiel und Delinquenz
C. Schlusswort
10. Zusammenfassung
11. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Spielens sowie die daraus resultierenden Spielkonflikte im Zürich des ausgehenden Mittelalters anhand der Zürcher Richtbücher im Zeitraum von 1446 bis 1475. Das primäre Ziel ist es, die soziokulturelle Bedeutung des Spiels als Freizeitbeschäftigung zu erfassen, die sozialen Schichten und Spielumgebungen zu identifizieren und die Rolle des Zürcher Ratsgerichts bei der Regulierung von Spieldelikten und Streitigkeiten zu analysieren.
1. Einführung
In der Kulturgeschichte hat das Spiel – genauer gesagt: das Regelspiel – seit Jahrtausenden seinen Platz. Die frühesten Zeugnisse dafür begegnen uns als Würfelspiel bereits im alten Indien sowie im alten Ägypten. Darüber hinaus kommt das Würfeln – welche Zahl gerade fällt – einem Losentscheid gleich, was vor Augen führt, dass sich Menschen keineswegs nur vom Verstand, sondern auch vom Zufall leiten lassen – eine Erscheinung, die sich heute noch, zum Beispiel beim Münzen-Werfen oder Strohhalm-Ziehen, beobachten lässt. Nicht umsonst hat der Historiker Johan Huizinga im Titel seines Buches über den spielenden Menschen den vom Verstand geleiteten Homo sapiens durch den Homo ludens ersetzt.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich jedoch auch solche Spiele, wo der Erfolg vom Intellekt bestimmt wird. Prominentestes Beispiel ist das Schachspiel, das im frühen Mittelalter seinen Weg aus Asien nach Europa gefunden hat. Natürlich waren aber auch jene Spiele wie etwa Trictrac – heute als Backgammon geläufig – sehr beliebt, bei welchen beide Komponenten – Glück und Verstand – nötig waren. Besonders die Forschungen über das Mittelalter haben eine rege Spieltätigkeit unter den Menschen in allen Schichten und Ständen nachgewiesen. Spiele, insbesondere Glücksspiele, wo es oft um Geld ging, unterlagen auch unter den Zeitgenossen häufig einer kritischen Bewertung. Viele Prediger bedienten sich ihrer als Beispiele für die Einflüsse des Bösen, da sie oft in Handgreiflichkeiten ausarteten, die Mord und Totschlag zur Folge haben konnten. Deswegen war Glücksspiel auch Obrigkeiten ein Dorn im Auge, aber auch deshalb, weil sie zuweilen Familien vor dem Ruin bewahren mussten, deren Vater das gesamte Hab und Gut verspielt hatte. Übrigens weist die grosse Anzahl an Verordnungen und Verboten zum Spiel, die überliefert sind, darauf hin, dass die Menschen damals einen beträchtlichen Teil ihrer freien Zeit mit Spielen zubrachten.
5. Regelungen zum Spielen im spätmittelalterlichen Zürich: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Rahmenbedingungen und Verordnungen der Zürcher Obrigkeit, wobei der Fokus auf dem Richtebrief und den Stadtbüchern liegt.
6. Die Spiele in den Zürcher Rats- und Richtbüchern: Hier erfolgt eine detaillierte Auflistung und Analyse der in den Quellen erwähnten Brett-, Würfel-, Karten- und Bewegungsspiele.
7. Die Spielorte: Dieses Kapitel untersucht, wo in Zürich im ausgehenden Mittelalter gespielt wurde, unter besonderer Berücksichtigung der Zunftstuben, Wirtshäuser und Spielorte im Freien.
8. Die Spieler: Die Auswertung befasst sich mit der sozialen Schichtzugehörigkeit, der beruflichen Herkunft und der Zusammensetzung der Spielrunden innerhalb des untersuchten Zeitraums.
9. Die Spielkonflikte: Dieser Abschnitt analysiert die Ursachen für Streitigkeiten bei Spielsituationen, die Konfliktkultur sowie das Vorgehen des Zürcher Ratsgerichts gegen die Delinquenten.
Spätmittelalter, Zürich, Richtbücher, Glücksspiel, Kartenspiele, Würfelspiele, Delinquenz, Ratsgericht, Spielkonflikte, soziale Schichten, Zunftstuben, Wirtshäuser, Spielverordnungen, Konfliktkultur, Rechtsgeschichte.
Die Lizentiatsarbeit befasst sich mit dem Spielen und den daraus resultierenden Konflikten im spätmittelalterlichen Zürich zwischen 1446 und 1475, basierend auf der Auswertung von Gerichtsakten und Verordnungen.
Zentral sind die gesetzlichen Regelungen zum Spiel, die Vielfalt der damals bekannten Spiele, die Orte, an denen gespielt wurde, die soziale Struktur der Spieler sowie die Art und Weise, wie Konflikte durch das Zürcher Ratsgericht juristisch behandelt wurden.
Das Ziel der Untersuchung ist es, die Bedeutung des Spiels im Alltag der spätmittelalterlichen Zürcher Bevölkerung zu verstehen und zu analysieren, welche sozialen und moralischen Absichten die obrigkeitlichen Verordnungen verfolgten.
Der Autor führt eine quellenkritische Analyse der Zürcher Richtbücher und Stadtbücher durch, ergänzt durch einen prosopographischen Vergleich mit Steuerlisten, um die Spieler sozialgeschichtlich einzuordnen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Spielverordnungen, die Beschreibung der einzelnen Spielarten (Brett-, Würfel-, Karten- und Bewegungsspiele), die Untersuchung der Spielorte (Zünfte, Gasthäuser, Freiraum) sowie die Auswertung der Spielerschaft und Konfliktmuster.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Spätmittelalter, Spielkonflikte, Delinquenz, Zunftkultur, soziale Kontrolle und obrigkeitliche Spielregelungen definieren.
Laut den untersuchten Richtbüchern zwischen 1446 und 1475 taucht keine einzige Frau als Spielerin in den Akten auf, was den männlich dominierten Kontext der überlieferten Delikte verdeutlicht.
Die Obrigkeit dominierte primär durch eine Bussgerichtsbarkeit. Sie versuchte primär, den Stadtfrieden wiederherzustellen, und setzte auf ein normiertes System von Geldbussen, um Täter wieder in die Gemeinschaft einzugliedern, anstatt sie dauerhaft auszugrenzen.
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