Forschungsarbeit, 2008
68 Seiten, Note: Keine
Einleitung
Kapitel 1 - Die Fürsorge
1.1 Armut und Fürsorge im Spätmittelalter
1.2 Die Spitäler im deutschen Sprachraum
1.3 Die Stadt
1.4 Das Umland
1.5 Die Staatsausgaben
1.6 Das Spital
1.7 Die Agrarprodukte
1.8 Die Ausgaben
1.9 Die Reformation
Kapitel 2 Disziplinierung von Körper und Seele
2.1 Die Alphabetisierung
2.2 Das Schulwesen in Zürich vom Mittelalter bis zur Neuzeit
2.3 Die Traktate über die Erziehung
2.4 Gehorsam und Disziplin
2.5 Verordnungen und Verurteilungen in Zürich während der Reformation
2.6 Das Tribunal für Ehefragen
Kapitel 3 - Die reformierte Stadt
3.1 Fürsorge und Disziplinierung
3.2 Die Tessiner Glaubensflüchtlinge
3.3 Die Werdmüller
3.4 Andere aufstrebende Sektoren
3.5 Die Gebäude des 17. Jahrhunderts
3.6 Der Niedergang der Zünfte
Schlussfolgerung
Die Arbeit untersucht die sozialen Zustände in Zürich zur Zeit der Reformation, wobei der Fokus auf der Wechselbeziehung zwischen städtischer Fürsorgepolitik, Disziplinierung und ökonomischen Wandlungsprozessen liegt, um die Transformation der Stadt in der Frühen Neuzeit zu verstehen.
1.6 Das Spital
Eigentlich muss eine Wirtschaftsgeschichte des Zürcher Spitals in der frühen Neuzeit immer noch geschrieben werden. Viele der Informationen, die wir über dieses Hospiz besitzen, stammen aus Publikationen des 19. Jahrhunderts, und die einzige sich mit diesem Thema befassende Monografie – jene im Auftrag des Kantons Zürich aus Anlass der Gedenkfeier „600 Jahre Zürich in der Eidgenossenschaft“ von B. Milt geschriebene Studie64 – benutzt in ihren Aufarbeitungen hauptsächlich normative Quellen, die uns oft wenig über das tägliche Leben und die zu dieser Zeit innerhalb des Spitals existierenden sozialen Beziehungen sagen. In seiner Arbeit wird die mittelalterliche und neuzeitliche Geschichte des Zürcher Spitals auf knapp vierzig Seiten abgehandelt, ein doch etwas spärliches Resultat angesichts der grossen Fülle der von dieser Fürsorgeinstitution hinterlassenen Manuskripte.
Kommen wir zuerst zu seiner Baugeschichte. Bis in die Anfänge des 16. Jahrhunderts befand sich das Zürcher Spital im nördlichen Teil der Stadt. Da das Gebäude an das Ufer des Wolfbachs grenzte, der aus nordwestlicher Richtung her fliessend den Neumarkt durchquerte und dann rechtwinklig südlich in die Limmat strömte, trug es den Namen Heiliggeistspital am Wolfbach. Auf der 1576 von Jos Murer gezeichneten Stadtkarte ist die Konstruktion gut sichtbar. Das mittelalterliche Spital, dessen Existenz in Zürich bis ins Jahr 1204 nachgewiesen ist, bestand aus drei bescheidenen zweistöckigen Gebäuden, die wegen ihrer senkrecht zueinander stehenden Bauweise einen kleinen Hof am linken Ufer des Wolfbachs formten, dem sogenannten Mushafen, einem Ort, an dem im 16. Jahrhundert Wandersleute und Bettler ihre tägliche Ration Mus und Brot erhielten.65 Das mit den billigen Materialien Holz, Stroh und Lehm gebaute mittelalterliche Spital konnte wahrscheinlich gegen zwanzig Personen beherbergen, mit Ausnahme der Bettler und Wandersleute, für die sicherlich gemeinsame Strohlager vorhanden waren.
Kapitel 1 - Die Fürsorge: Analyse der Reorganisation der Armenfürsorge und der Rolle des Zürcher Spitals als wirtschaftliches und soziales Zentrum vor und während der Reformation.
Kapitel 2 Disziplinierung von Körper und Seele: Untersuchung der engen Verknüpfung von Bildung, Erziehungstraktaten, religiösen Vorschriften und staatlicher Disziplinierung in der reformierten Stadt.
Kapitel 3 - Die reformierte Stadt: Betrachtung der sozioökonomischen Auswirkungen, wie dem Aufstieg neuer Unternehmerfamilien und dem Wandel der Zunftmacht, nach der Reformation.
Reformation, Zürich, Fürsorgepolitik, Sozialdisziplinierung, Spital, Armenfürsorge, Bildungsgeschichte, Konfessionalisierung, Stadtgeschichte, Zünfte, ökonomischer Wandel, Textilindustrie, Protestantismus, Max Weber, Frühe Neuzeit.
Die Arbeit analysiert die sozioökonomischen und politischen Entwicklungen in Zürich während der Reformationszeit mit einem besonderen Fokus auf die Umgestaltung der Fürsorge und die Disziplinierung der städtischen Bevölkerung.
Zu den zentralen Feldern gehören die Geschichte der Armenfürsorge, die Rolle der Zürcher Spitäler, die Entwicklung des Schulwesens sowie der wirtschaftliche Wandel durch Zuwanderung und die Machtveränderungen zwischen Zünften und Unternehmern.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Reformation die sozialen Strukturen in Zürich veränderte und wie Disziplinierung und Fürsorge als Instrumente des gesellschaftlichen Wandels fungierten.
Der Autor stützt sich primär auf eine detaillierte Quellenanalyse, insbesondere auf Rechnungsbücher, Statuten, Dekrete und historische Chroniken, um die Diskrepanz zwischen Normen und tatsächlicher Praxis zu beleuchten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Spitalwesens, die Analyse der schulischen Disziplinierung und Erziehungstheorien sowie die Darstellung der wirtschaftlichen Transformation durch Tessiner Glaubensflüchtlinge und den Niedergang der Zünfte.
Schlüsselbegriffe sind Reformation, Sozialdisziplinierung, Fürsorge, Zürcher Spital, Konfessionalisierung und ökonomischer Wandel.
Das Spital fungierte als wichtiger Verteiler von Reichtum und als Instrument fürsorgerischer Politik, wodurch es den historischen Wandel der städtischen Machtverhältnisse und der Armenfürsorge exemplarisch widerspiegelt.
Sie brachten neue Fabrikationstechniken und Handelskontakte, insbesondere im Textilsektor, nach Zürich und trugen so maßgeblich zum wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt zum europäischen Exportzentrum bei.
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