Diplomarbeit, 2008
218 Seiten, Note: 1,3
I. EINLEITUNG
II. KONZEPTUELLER RAHMEN
II. 1 Kindheit
II. 1. 1. gesellschaftstheoretische Ansätze
II. 1. 2 sozialisationstheoretische Ansätze und das Kind als sozialer Akteur
II. 1. 3. strukturelle Ansätze
Kindheit in der Generationenbeziehung (Leena Alanen)
Kinder als ökonomische Generation (Jens Qvortrup)
II. 1. 4 biographietheoretischer Ansatz und Kindheit als Teil des Lebenslaufes
II. 2 Familie
II. 2. 1 Begriff
II. 2. 2 Familie als Sozialisationsinstanz
II. 2. 3 Familie als Schutz- und Schonraum
II. 3 Armut
II. 3. 1 Ressourcenansatz
Absolute Armut
Relative Einkommensarmut
II. 3. 2 Lebenslagenansatz
II. 3. 3 Lebenslagen von Kindern/Kinderarmut
II. 4. Resilienz
II. 4. 1 Was ist Resilienz?
II. 4. 2 Forschungsstand
II. 4. 3 Charakteristika
II. 4. 4 Konzepte von Resilienz
Konzept der Bewältigung von Krisen (Oevermann)
Das Moderatorkonzept/Puffer-Modell (Rutter)
Konzept der Resilienz von Familien (Walsh)
Rahmenmodell von Resilienz (Kumpfer)
II. 4. 5 Kritik an den Konzepten von Resilienz
II. 4. 6 Schlussfolgerungen
III. DAS KINDER- UND JUGENDPROJEKT: DIE ARCHE
III. 1 Das Projekt
III. 2 Intentionen und Ziele
III. 3 Visionen
III. 4 Das Kinder- und Jugendwerk „Die Arche“ e.V. in Hellersdorf
IV. DIE FELDSTUDIE: DESIGN UND METHODISCHES VORGEHEN
IV. 1 Qualitative Sozialforschung als Ansatz
IV. 2 Grounded Theory (Glaser/Strauss)
IV. 3 Objektive Hermeneutik (Oevermann)
IV. 4 Dokumentarische Methode (Bohnsack)
IV. 5 Interview
IV. 5. 1 biographische Methode
IV. 5. 2 Das narrativ-biographische Interview
IV. 5. 3 Interviews mit Kindern
IV. 6 Fallauswahl
IV. 7 Datenerhebung
IV. 7. 1 Vorgehensweise
IV. 7. 2 Leitfadeninterview
IV. 7. 3 Memos
IV. 8 Transkription
IV. 9 Datenauswertung
IV. 9. 1 Datenanalyse im Rahmen der Grounded Theory
IV. 9. 2 Kodierparadigma
IV. 9. 3 Objektive Hermeneutik
IV. 9. 4 Analyse narrativer Interviews
IV. 9. 5 Dokumentarische Textinterpretation
IV. 10 Fallrekonstruktion/Fallkontrastierung
V. ERGEBNISSE
V. 1 Fall 1 – Annika
V. 1. 1 Interviewsituation
Hintergrund
Das Interview – Melanie und Christian
Das Interview – Annika
V. 1. 2 Biographie der Familie
Melanie
Christian
Elternbeziehung
Eltern-Kind-Beziehung
V. 1. 3 Portrait Annika
Persönliche Merkmale
Lebensumwelt
V. 1. 4 Deutungsmuster
Melanie
Christian
Annika
V. 1. 5 Hypothese zum Fall Annika: Krise als Möglichkeit zur Entwicklung
V. 2 Fall 2 – Anna
V. 2. 1 Interviewsituation
Hintergrund
Das Interview - Jens
Das Interview - Anna
V. 2. 2 Biographie der Familie
Jens
Marion
Elternbeziehung
Eltern-Kind-Beziehung
V. 2. 3 Portrait Anna
Persönliche Merkmale
Lebensumwelt
V. 2. 4 Deutungsmuster
Jens
Anna
V. 2. 5 Hypothese zum Fall Anna: Krise als Gefahr für die Entwicklung
V. 3 Fall 3 – Daniel
V. 3. 1 Interviewsituation
Hintergrund
Das Interview – Andre und Kerstin
Das Interview - Daniel
V. 3. 2 Biographie der Familie
Andre
Kerstin
Elternbeziehung
Eltern-Kind-Beziehung
V. 3. 3 Portrait Daniel
Persönliche Merkmale
Lebensumwelt
V. 3. 4 Deutungsmuster
Andre und Kerstin
Daniel
V. 3. 5 Hypothese zum Fall Daniel: Krisen als Chance
VI. FALLVERGLEICH UND FALLKONTRASTIERUNG
VI. 1 Krisen und Wendepunkte
VI. 2 Potenziale der Kinder an Resilienz
VI. 3 Typenbildung
VII. SCHLUSS
Die vorliegende Arbeit untersucht das Resilienzpotenzial von benachteiligten Kindern und Jugendlichen im Umfeld des christlichen Kinder- und Jugendhilfswerks "Die Arche" in Berlin-Hellersdorf. Ziel ist es, auf Basis einer qualitativen Feldstudie zu analysieren, wie belastende Lebenslagen die Entwicklung dieser Kinder prägen und welche Rolle soziale Unterstützung bei der Bewältigung von Krisen spielt.
II. 1. 1. gesellschaftstheoretische Ansätze
Philippe Ariés und Lloyd deMause beschäftigten sich in den 1960er und 1970er Jahren mit der Genese und dem Wandel von Kindheit seit dem Mittelalter. Die mittelalterliche Gesellschaft hatte ein Verhältnis zur Kindheit, welches darauf gründete, Kinder als integrierten Bestandteil der Gesellschaft zu sehen. Die kindliche Besonderheit wurde nicht bewusst wahrgenommen. Kinder galten als in der Größe reduzierte Erwachsene. Sie gehörten der Erwachsenenwelt an, sobald sie der Fürsorge ihrer Mutter nicht mehr bedurften (vgl. Ariès, P., 1977, S. 209). Erst seit dem 14. Jahrhundert ist eine Tendenz zu verzeichnen, dem Kind eine eigene Persönlichkeit zu verleihen. Kindheit wurde nunmehr als gesellschaftliche Konstruktion angesehen, welche Wandlungsprozessen und damit stetigen Veränderungen unterliegt.
In den 1980er Jahren wurde vor allem von Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim Kindheit unter dem Aspekt von Individualisierungs-, Enttraditionalisierungs- und Modernisierungstendenzen untersucht. Alle Individuen sind in erster Linie “mit den Vorgaben gesellschaftlicher Institutionen konfrontiert und unterliegen den Gegebenheiten des Arbeitsmarktes, des Bildungssystems und des Sozialstaates“ (Grunert, C./Krüger, H.-H., 2006, S. 29). Die Gestaltung der Lebensführung ist damit den gesellschaftlichen Strukturbedingungen untergeordnet, ebenso die kindliche Lebenswelt. Kinder haben zwar die Möglichkeit selbst zu entscheiden, welche Elemente der Lebensführung sie nutzen, stehen aber unter dem Zwang, durch eigenes Handeln die alltägliche Lebensführung zu bestimmen. Zum Beispiel schlägt ein Kind nicht automatisch den von seinen Eltern beschrittenen Bildungsweg ein, sondern Eltern und Kinder überlegen gemeinschaftlich, welcher Schultyp am zweckdienlichsten ist. Damit erhöhen sich die Ansprüche an das selbstständige Handeln von Kindern. Ihnen wird eine hohe Eigen- und Selbstständigkeit eingeräumt und somit einem subjektiven Individualitätsanspruch Vorschub geleistet. Hier wird eine Annäherung der Kinderwelt an die Erwachsenenwelt deutlich (vgl. dies., a.a.O., S. 31).
I. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik von Kinderarmut ein und formuliert das Forschungsinteresse an Resilienzpotenzialen in sozialen Hilfsprojekten.
II. KONZEPTUELLER RAHMEN: Dieses Kapitel liefert die theoretische Basis zu Kindheit, Familie, Armut und Resilienzkonzepten als Grundlage der Analyse.
III. DAS KINDER- UND JUGENDPROJEKT: DIE ARCHE: Hier wird die Entstehung, das Leitbild und das konkrete Hilfsangebot des Kinder- und Jugendprojekts "Die Arche" vorgestellt.
IV. DIE FELDSTUDIE: DESIGN UND METHODISCHES VORGEHEN: Die Autorin legt ihr qualitatives Forschungsdesign dar, einschließlich Grounded Theory, objektiver Hermeneutik und den Erhebungsmethoden.
V. ERGEBNISSE: In diesem empirischen Teil werden die drei rekonstruierten Fälle (Annika, Anna, Daniel) detailliert dargestellt und in Bezug auf ihre Lebensumwelt und Bewältigungsstrategien analysiert.
VI. FALLVERGLEICH UND FALLKONTRASTIERUNG: Hier findet die Zusammenführung der Ergebnisse statt, wobei Krisen, Potenziale und unterschiedliche Typen der Resilienzentwicklung herausgearbeitet werden.
VII. SCHLUSS: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Diplomarbeit zusammen und reflektiert die Ergebnisse im Hinblick auf die Fragestellung.
Kindheit, Resilienz, Armut, Familie, Arche, Grounded Theory, Sozialisation, Lebenslagenansatz, Krisenbewältigung, qualitative Sozialforschung, Fallanalyse, Kinderarmut, Schutzfaktoren, Risikofaktoren, Kind als sozialer Akteur
Die Diplomarbeit untersucht, wie Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen, die von Armut bedroht sind, trotz widriger Umstände Widerstandskräfte entwickeln können.
Die Arbeit verknüpft sozialwissenschaftliche Theorien zur Kindheit und Familie mit der Armuts- und Resilienzforschung und wendet diese auf ein konkretes Praxisbeispiel an.
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, welche Rolle soziale Einrichtungen wie die "Arche" bei der Verbesserung der kindlichen Entwicklungschancen und der Vermittlung von Resilienz spielen.
Die Autorin nutzt Ansätze der qualitativen Sozialforschung, insbesondere die Grounded Theory, die objektive Hermeneutik und die dokumentarische Methode.
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung sowie eine empirische Untersuchung anhand von drei detaillierten Fallstudien zu Kindern, die regelmäßig die Arche in Hellersdorf besuchen.
Die zentralen Begriffe sind Resilienz, Kindheit, Armut, Familie, Sozialisation und Krisenbewältigung.
Die Arche bietet einen "Schutz- und Schonraum", der den Kindern notwendige soziale Kompetenzen, Selbstvertrauen und Stabilität vermittelt, die im familiären Umfeld möglicherweise fehlen.
Die Fälle (Annika, Anna, Daniel) zeigen unterschiedliche Potenziale an Resilienz, von "stabilisierendem Wachstum" bis hin zu "gefährdetem Wachstum", abhängig von familiärer Unterstützung und individuellen Ressourcen.
Die Familie ist die primäre Sozialisationsinstanz. Die Arbeit zeigt, dass die Weitergabe von Bewältigungsmustern und die emotionale Unterstützung durch die Eltern entscheidend für die Resilienzfähigkeit der Kinder sind.
Der Begriff beschreibt das Risiko benachteiligter Kinder, in einem Teufelskreis aus materieller und sozialer Deprivation weiter abzurutschen, sofern keine stabilisierenden Interventionen (wie durch die Arche) erfolgen.
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