Diplomarbeit, 2007
133 Seiten, Note: 1,0
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
I. Einleitung
I.1. Kurzer Abriss der Militärgeschichtsschreibung in Deutschland
I.2. Fragestellung der Arbeit und Verortung derselben im Rahmen einer „neuen“ Militärgeschichte
II. Charakteristika der Kabinettskriegsführung
II.1. Strukturelle Merkmale und Grundzüge des „Großen Krieges“
II.2. Der Sonderfall des „Kleinen Krieges“
III. Das Kriegsjahr 1757 in Franken und dem Hochstift Bamberg
IV. Gesamtstrategische Lage im Frühjahr 1758 und preußische Kriegsziele
V.1. Die Truppenbewegungen im April / Mai 1758 und der preußische Vormarsch bis vor die Tore der Residenzstadt (20. – 30. Mai)
V.2. Die Kampfhandlungen um die Residenzstadt und deren Übergabe am 31. Mai 1758
VI. Kriegserfahrungen der Untertanen
VI. 1. Die Einquartierungen im Stadtgebiet während der Besatzungsphase (1. – 10. Juni 1758)
VI.2. Formen der persönlichen Selbstbereicherung unter den Bedingungen des Krieges. Die vielen Varianten der „Plünderung“
VI.3. Kontributionen. Logistische Zwänge als bedingender und leitender Faktor der Kabinettskriegsführung
VI.4. Der Mensch als Pfandobjekt. Geiselnahmen und Kriegsgefangenschaft
VI.5. Bewaffneter Widerstand und Selbstschutzmaßnahmen. Der Untertan als aktiver Part des Kriegsgeschehens
VI.6 Profiteure des Krieges ? Die Ausnahmesituation Krieg als Katalysator sozial destruktiver Devianz
VII. 1. Bedingungen und strategische Hintergründe des Rückmarsches am 10. Juni
VII.2. Allgemeine Überlegungen zu Intention und Quellenwert der Schadensspezifikationen
VIII. Kurzer Ausblick auf den weiteren Kriegsverlauf
IX. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die erste größere Invasion des Hochstifts Bamberg durch preußische Truppen im Jahr 1758, wobei der Fokus darauf liegt, klassische militärhistorische Ansätze mit Fragestellungen der "neuen" Militärgeschichte zu verknüpfen, um das Kriegserleben und die Handlungsspielräume der Untertanen in dieser Ausnahmesituation fassbar zu machen.
VI. 2. Formen der persönlichen Selbstbereicherung unter den Bedingungen des Krieges. Die vielen Varianten der "Plünderung"
Was gemeinhin unter der Formel der Plünderung immer wieder undifferenziert als typische Begleiterscheinung des Krieges beklagt wurde, konnte vielfältige Erscheinungsformen annehmen. Was in der Zeit des freien Söldnertums noch ein wesentlicher Anreiz zu der Annahme von Kriegsdiensten war, wurde im 18. Jahrhundert nur noch in den seltensten Fällen offiziell legitimiert. Ein solcher konnte z. B. gegeben sein, wenn nach einer langen, zermürbenden Belagerung die Übergabe einer Stadt per Kontrakt scheiterte und ein verlustreicher Sturmangriff notwendig wurde. Fälle dieser Art waren allerdings im Festungskrieg des 18. Jahrhunderts bereits absolute Ausnahmen.
Anders lagen die Dinge auf dem Betätigungsfeld der leichten Truppen. Da man bei der Führung des Kleinen Krieges stets beweglich, ungebunden von der Magazinversorgung oder der geordneten Erhebung von Kontributionen, bleiben musste, waren Plünderungen hier im Grunde strukturell vorprogrammiert. Der französische Freikorpsführer Grandmaison merkte dazu lapidar an: "Die Besoldung, welche detaschirten Soldaten auf acht oder zehn Tagen mitgegeben wird, ist kaum zureichend, ihre Schuhe zu unterhalten". Daher werde es nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern sei geradezu unumgänglich, "in dem Lande, wo sie hinkommen ihren Unterhalt [zu] finden und sich ihre Erfrischungen umsonst geben [zu] lassen". Dass man unter dieser Prämisse schnell über das nötige Maß der Subsistenzsicherung hinausschoss, dürfte kaum überraschen.
Jedoch nicht nur die Frage, ob es sich um reguläre Einheiten oder Freitruppen handelte, sondern auch der zeitliche Rahmen und die Zielsetzung der Übernahme eines feindlichen Territoriums, waren ausschlaggebend, ob eine Eindämmung individueller Plünderung ernsthaft angestrebt wurde. Hierbei ist es erforderlich, strikt zwischen Okkupation und Invasion zu unterscheiden. Von einer Besatzungsherrschaft kann im Grunde erst gesprochen werden, wenn die gegnerische Macht eine geschlossene Kontrolle über einen Landstrich erlangte oder zumindest strategische Punkte wie die jeweilige Residenzstadt und die wichtigsten Festungen kontrollierte.
I. Einleitung: Erläutert den Wandel der Militärgeschichtsschreibung und definiert die Fragestellung der Arbeit im Kontext der "neuen" Militärgeschichte.
II. Charakteristika der Kabinettskriegsführung: Analysiert die strukturellen Merkmale der stehenden Heere und erörtert den Sonderfall des "Kleinen Krieges".
III. Das Kriegsjahr 1757 in Franken und dem Hochstift Bamberg: Beschreibt die militärische Situation Frankens und die Reaktionen des Hochstifts auf die preußische Bedrohung.
IV. Gesamtstrategische Lage im Frühjahr 1758 und preußische Kriegsziele: Untersucht die strategischen Ziele Preußens und die kontextuellen Vorbereitungen auf die Invasion.
V.1. Die Truppenbewegungen im April / Mai 1758 und der preußische Vormarsch bis vor die Tore der Residenzstadt (20. – 30. Mai): Detaillierte Darstellung des preußischen Vormarsches und der Vorfeld-Operationen.
V.2. Die Kampfhandlungen um die Residenzstadt und deren Übergabe am 31. Mai 1758: Schilderung der direkten Konfrontation und der Kapitulationsumstände.
VI. Kriegserfahrungen der Untertanen: Umfassende Untersuchung der sozialen Folgen der Besetzung, einschließlich Einquartierungen, Plünderungen, Kontributionen und Geiselnahmen.
VII. 1. Bedingungen und strategische Hintergründe des Rückmarsches am 10. Juni: Analysiert die militärischen Faktoren, die zum preußischen Rückzug führten.
VII.2. Allgemeine Überlegungen zu Intention und Quellenwert der Schadensspezifikationen: Kritische Einordnung der offiziellen Schadensberichte.
VIII. Kurzer Ausblick auf den weiteren Kriegsverlauf: Skizziert die weiteren militärischen Ereignisse bis zum Kriegsende.
IX. Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse zur Interaktion zwischen Militär und ziviler Bevölkerung.
X. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Archivalien, gedruckten Quellen und Sekundärliteratur.
Siebenjähriger Krieg, Militärgeschichte, Hochstift Bamberg, Kabinettskrieg, Kleiner Krieg, Besatzung, Einquartierung, Plünderung, Kontribution, Geiselnahme, Untertanen, Fränkischer Reichskreis, Adam Friedrich von Seinsheim, Preußen, Sozialgeschichte.
Die Diplomarbeit untersucht die preußische Invasion des Hochstifts Bamberg im Jahr 1758 als Fallstudie für das Zusammenspiel von Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit.
Die Themen umfassen die militärstrategische Analyse des Siebenjährigen Krieges in Franken, die Untersuchung der sozialen Auswirkungen der Besatzung auf die Untertanen sowie die kritische Quellenarbeit zu den damaligen Schadensbilanzen.
Das Ziel ist es, Ansätze der "neuen" Militärgeschichte mit klassischer politischer Geschichte zu verknüpfen, um zu verstehen, wie die Zivilbevölkerung den Krieg erlebte und inwieweit die "Hegung" des Krieges in der Realität bestand hatte.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse archivalischer Quellen, insbesondere der Akten des Bamberger Hofkriegsrates und der Schadensberichte (Species Facti), die mit moderner militärhistorischer Theorie kontrastiert werden.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Vormarsch preußischer Truppen, der Übergabe der Stadt Bamberg, den spezifischen Kriegserfahrungen der Bevölkerung (Einquartierungen, Plünderungen) und dem aktiven Widerstand der Untertanen.
Militärgeschichte, Siebenjähriger Krieg, Bamberg, Besatzung, Plünderung, Untertanen, Kabinettskrieg.
Sie dienen als zentrale, wenn auch kritisch zu hinterfragende Quelle für die Rekonstruktion der Ereignisse und der wirtschaftlichen Schäden, wobei ihr propagandistischer Charakter und ihre Funktion als Klageschrift hervorgehoben werden.
Weil dieser irreguläre Krieg durch Freitruppen die Alltagserfahrung der Bevölkerung in den Außenämtern prägte und sich deutlich von den operativen Beschränkungen der Linientruppen abhob.
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