Bachelorarbeit, 2019
63 Seiten, Note: 1,5
1. Problemaufriss: Gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und aktuelle Migrationslage
1.1 Herausforderungen für das Bildungssystem
1.2 Sport als Integrationsmotor
2. Grundlagen der Interkulturellen Pädagogik
2.1 Erziehungswissenschaftlicher Diskurs: Von der Ausländerpädagogik zur Interkulturellen Pädagogik
2.2 Kultur, Interkultur und kulturelle Identität
2.3 Fremdheit
2.4 Interkulturelle Erziehung und Bildung
2.5 Interkulturelle Kompetenz
2.6 Interkulturelles Lernen
3. Interkulturelle Bewegungserziehung im Schulsport
3.1 Begründung für ein interkulturelles Lernen im und durch Schulsport
3.2 Bestehende sportdidaktische Konzepte
3.3 Übergeordnetes Unterrichtsprinzip
3.4 Herausforderung und Grenzen für interkulturelles Lernen im Schulsport
4. Zwischenfazit
5. Methodisch-didaktische Inszenierung des Sportunterrichts für interkulturelles Lernen
5.1 Kleine Spiele als Ansatz für interkulturellen Lernens
5.2 Methodisch- didaktische Inszenierung der Kleinen Spiele und mögliche Spielideen
6. Fazit und Ausblick
Das übergeordnete Ziel der Arbeit besteht darin, zu untersuchen, ob und auf welche Weise der Schulsport als Integrationsmotor in einer kulturell heterogenen Gesellschaft fungieren kann. Dabei wird analysiert, wie pädagogische Konzepte, insbesondere die Interkulturelle Pädagogik, mit dem Sportunterricht verknüpft werden können, um konstruktive interkulturelle Lernprozesse zu fördern und Inklusion zu ermöglichen.
1. Problemaufriss: Gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und aktuelle Migrationslage
„Deutschland ist zweifelsohne ein Einwanderungsland (geworden).“ (Burrmann, 2017, S. 163). Zu dieser Einsicht hat es eine lange Zeit gebraucht und sicher gibt es noch heute Menschen, die dies leugnen würden (Auernheimer, 2016, S. 30). Durch die Gastarbeiter, die in den 1960er Jahren nach Deutschland kamen, aber auch durch die vor Krieg und Armut fliehenden Menschen der letzten Jahre, weist dieses Land eine zunehmende Multikulturalität auf (Gabriel, 2019, S. 9). Auch die globale, mediale Vernetzung sowie die steigende Mobilität trägt zur Mischung der Kulturen bei.
„Im Jahr 2017 lebten in Deutschland nach Angaben des Mikrozensus rund 19,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Privathaushalten, das ist beinahe jede vierte Person […]“ (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2019). Es zeigt sich weiterführend, dass die Beliebtheit der Migration nach Deutschland, im Vergleich zu anderen europäischen Staaten, in den vergangenen Jahren anstieg. 67 Prozent der Migranten stammten im Jahr 2017 aus anderen EU Länder, angeführt von Menschen aus Rumänien (BAMF, 2019, S. 12f). Aufgrund der sogenannten Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl suchen, gibt es seitdem weitere Zuströme aus anderen Ländern, beispielsweise Syrien, Afghanistan oder dem Irak (BAMF, 2019, S. 43).
Seit des bisherigen Maximums an Einwanderung des Jahres „[…] 2015 mit etwa 2,14 Millionen […]“ gehen die Zahlen, laut des BAMF (2019, S. 12), wieder zurück. Jedoch steigt seit 2016 stetig der Nachzug von Familienmitgliedern, insbesondere von Kindern und Jugendlichen.
1. Problemaufriss: Gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und aktuelle Migrationslage: Das Kapitel beleuchtet die historische und gegenwärtige Migrationssituation in Deutschland und die daraus resultierenden Herausforderungen für die gesellschaftliche Institution Schule.
2. Grundlagen der Interkulturellen Pädagogik: Dieser Abschnitt zeichnet die Entwicklung von der „Ausländerpädagogik“ hin zu modernen Ansätzen der Interkulturellen Pädagogik nach und klärt zentrale Begriffe wie Kultur, Fremdheit und interkulturelle Kompetenz.
3. Interkulturelle Bewegungserziehung im Schulsport: Hier wird die Brücke zur Sportpädagogik geschlagen, wobei die Chancen und Risiken des Sports für die Förderung interkultureller Kompetenzen diskutiert werden.
4. Zwischenfazit: Es wird reflektiert, dass interkulturelle Lernprozesse komplexe Anforderungen an alle Beteiligten stellen und der Sportunterricht dabei als ein wichtiges, aber nicht alleiniges Instrument betrachtet werden muss.
5. Methodisch-didaktische Inszenierung des Sportunterrichts für interkulturelles Lernen: Das Kapitel zeigt praktische Ansätze auf, wie insbesondere durch Kleine Spiele in einem erziehenden Sportunterricht interkulturelle Lernsituationen gestaltet werden können.
6. Fazit und Ausblick: Abschließend wird betont, dass der Sportunterricht ein wertvolles Fundament für das Zusammenleben in einer heterogenen Gesellschaft bietet, sofern er fachdidaktisch sensibel inszeniert wird.
Interkulturelle Pädagogik, Schulsport, Integration, Inklusion, Fremdheit, Interkulturelle Kompetenz, Migration, Identitätsbildung, Sportdidaktik, Kleine Spiele, Ethnozentrismus, Mehrperspektivität, Erziehender Sportunterricht, Heterogenität, Sprachbarrieren.
Die Arbeit untersucht das Potenzial des Schulsports als „Integrationsmotor“. Sie setzt sich kritisch mit der Annahme auseinander, dass Sport per se integrativ wirkt, und legt dar, warum eine fundierte pädagogische Inszenierung notwendig ist.
Die zentralen Felder umfassen die Theorie der Interkulturellen Pädagogik, die Analyse von Fremdheitserfahrungen im Sport, die Konzepte der interkulturellen Bewegungserziehung sowie die praktische methodisch-didaktische Umsetzung im Unterricht.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob und wie der Schulsport interkulturelles Lernen fördern kann, um zur Chancengleichheit und gesellschaftlichen Inklusion beizutragen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Aufarbeitung erziehungswissenschaftlicher sowie sportpädagogischer Diskurse, um daraus ein Konzept für die didaktische Gestaltung des Sportunterrichts abzuleiten.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Interkulturellen Pädagogik, die sportpädagogische Einordnung (interkulturelle Bewegungserziehung) sowie konkrete methodische Vorschläge, insbesondere unter Nutzung von Kleinen Spielen.
Zentrale Begriffe sind neben interkultureller Pädagogik und Schulsport vor allem Inklusion, Fremdheitsempfinden, interkulturelle Kompetenz und die methodische Inszenierung durch Kleine Spiele.
Kleine Spiele werden als ideales Instrument hervorgehoben, da sie durch ihre geringere Komplexität und höhere Flexibilität Spielräume für interaktive Aushandlungsprozesse bieten, die in großen Sportspielen oft durch zu strikte Regeln verdeckt werden.
Fremdheit wird nicht als rein negativ wahrgenommen, sondern als zentrales Element für Lernprozesse definiert. Die Herausforderung besteht darin, Fremdheitserfahrungen im Sport so zu dosieren, dass sie konstruktive Reflexion ermöglichen, anstatt Ängste oder Abgrenzung zu befeuern.
Die Arbeit identifiziert die mangelnde Vorbereitung der Sportlehrkräfte auf heterogene Klassenzusammensetzungen als größtes Problem. Nur Lehrkräfte, die selbst über interkulturelle Kompetenz verfügen, können Lernprozesse sinnvoll steuern und den eigenen Ethnozentrismus reflektieren.
Nein. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Sportunterricht zwar ein „äußeres Gerüst“ (einen Motor) bietet, dieses aber eine bewusste „Bedienung“ durch die Lehrkräfte erfordert. Er ist kein Garant für Integration, sondern bedarf einer sorgfältigen didaktischen Einbettung in eine gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe.
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