Diplomarbeit, 2003
113 Seiten, Note: 2,7
Einleitung
1 Vorbemerkungen
1.1 Begriffsklärung: Homosexualität
1.2 Begriffsklärung: Unterhaltungssendungen
1.3 Forschungsstand
1.4 Eigene Umfrage
2 Historischer Rückblick: Homosexualität und Öffentlichkeit
2.1 Vor der Christianisierung Europas: Die Götter und ihre Lustknaben
2.2 Christliches Mitteleuropa: Hexen, Ketzer und Sodomiten
2.3 Reformation und Aufklärung: Vom Scheiterhaufen ins Irrenhaus
2.4 Deutsche Reichsgründung 1871: Die zarten Anfänge der Schwulenbewegung
2.5 NS-Deutschland: Schwule Stabsführer und Rosa Winkel
2.6 Nach 1945: Kampf um den §175
3 Theoretische Grundlagen
4 Homosexualität und Fernsehen
4.1 TV-Homosexualität im Wandel der Zeit
4.1.1 Wie die Homosexualität ins Unterhaltungsfernsehen fand
4.1.2 TV-Homosexualität im 21. Jahrhundert
4.2 Kategorisierung fiktiver homosexueller Figuren in Unterhaltungsserien
4.2.1 Der „komische“ Schwule: Beispiel „Bewegte Männer“
4.2.2 Der „realistische“ Schwule: Beispiel Carsten Flöter
4.2.3 Der „heroische“ Schwule: Beispiel „Falk von Schermbeck“
4.2.4 Fazit
5 Weitere Umfrageergebnisse
6 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Homosexuellen in deutschen TV-Unterhaltungssendungen und analysiert den Wandel dieser Darstellung von der Tabuisierung bis zur heutigen Präsenz, wobei insbesondere die Wechselwirkung zwischen gesellschaftlicher Realität und medialer Abbildung im Fokus steht.
Der „komische“ Schwule: Beispiel „Bewegte Männer“
Wohl die erste Spur homosexueller Inhalte als unterhaltendes Element tauchte schon in den frühesten Schwarzweiß-Filmen auf. Russo (1990:14) erwähnt einen experimentellen Film von William Dickson aus dem Jahre 1895 mit dem Namen The Gay Brothers (engl. gay in der ursprünglichen Bedeutung von „fröhlich“; heute steht das Wort in mehreren Sprachen in erster Linie für „schwul“). Er zeigte zwei Männer, die Walzer tanzten. In den frühen Stummfilmen der Filmgeschichte wurden die Frauenrollen zunächst überwiegend von Männern gespielt. Doch schon bald erkannte und nutzte man das komische Potenzial von Männern in Frauenkleidern (z.B. Miss Fatty’s Seaside Lovers, 1915; Bumping into Broadway, 1919. Vgl. ausführlich Russo 1990).
Spätestens seit Jack Lemmons Paraderolle als Frau in der Kinokomödie Manche mögen’s heiß (1959) mit Marilyn Monroe ist die komische Wirkung einer männlichen Figur in Frauenkleidern unbestritten und wurde, vielfach kopiert, zum klassischen Komödienelement. Zwar wurden diese Figuren selten ausdrücklich mit Homosexualität in Verbindung gebracht; das „Komische“ an der Darstellung „unmännlicher“ Männer hat sich jedoch bis heute in Film und Fernsehen erhalten. Inzwischen werden ganz bewusst die stereotyp femininen Eigenarten von (manchen) Homosexuellen als komisches Element zur Programmgestaltung verwendet: Ihre Andersartigkeit wird bewusst aufgegriffen, vorgeführt, sehr oft übertrieben und meistens ins Lächerliche gezogen. Nicht ganz unschuldig an diesem Klischee sind auch einige der „echten“ Schwulen, z.B. Prominente wie Dirk Bach und Ralph Morgenstern, Kabarett-Transvestiten wie „Irma die Göttliche“ aus Rosa von Praunheims Dokumentation Tunten lügen nicht (2002) und schwule Gäste in Talkshows, die sich betont „tuntig“ geben und das Klischee beim Zuschauer bestätigen. Das Klischee der Tunte (Tucke, Trine) hält sich so seit Jahren hartnäckig und taucht, wie bereits angedeutet, als beliebtes humoristisches Element in Filmkomödien und Comedy-Serien auf. Es findet sich hauptsächlich wieder in der Kategorie des „lustigen Schwulen“.
Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Darstellung von Homosexualität in deutschen Unterhaltungssendungen und reflektiert den Wandel von der Tabuisierung zur medialen Sichtbarkeit.
1 Vorbemerkungen: Es werden zentrale Begrifflichkeiten geklärt, der Forschungsstand erläutert und die methodische Konzeption der eigenen Online-Umfrage dargelegt.
2 Historischer Rückblick: Homosexualität und Öffentlichkeit: Der historische Abriss skizziert die Verfolgung und Stigmatisierung von Homosexuellen von der Antike bis in die Bundesrepublik.
3 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel verknüpft medientheoretische Konzepte wie das Involvementkonzept und den Nutzenansatz mit der Darstellung von Minderheiten im Fernsehen.
4 Homosexualität und Fernsehen: Es wird der Wandel der TV-Darstellung analysiert, differenziert nach Genres wie Talkshows, Sitcoms und Krimis sowie unterteilt in drei spezifische Figurentypen.
5 Weitere Umfrageergebnisse: Hier werden die Resultate der Online-Befragung zusammengefasst und mit der in Kapitel 4 erarbeiteten theoretischen Einordnung verglichen.
6 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Homosexualität zwar präsenter geworden ist, die Darstellungsformen jedoch weiterhin durch Stereotype geprägt bleiben und eine echte Normalisierung noch aussteht.
Homosexualität, Unterhaltungsfernsehen, Medienwirkung, Sozialisation, Stereotypen, Schwulenbewegung, Coming-Out, Lindenstraße, SK Kölsch, Fernsehserien, Talkshows, Minderheiten, Zuschauergratifikationen, gesellschaftliche Akzeptanz, Genderrollen
Die Diplomarbeit untersucht, wie deutsche Fernseh-Unterhaltungssendungen Homosexualität darstellen und welche Auswirkungen diese Darstellungen auf das öffentliche Bild von Homosexuellen sowie auf die gesellschaftliche Akzeptanz haben.
Die Untersuchung umfasst die historische Entwicklung der Homophobie, die medientheoretischen Grundlagen der Wirkungsforschung sowie eine konkrete Analyse aktueller TV-Formate wie Talkshows, Familienserien und Krimis.
Das Hauptziel ist es, den Wandel der medialen Abbildung von Homosexualität nachzuzeichnen und zu hinterfragen, inwieweit das Fernsehen ein verzerrtes Bild vermittelt oder zur gesellschaftlichen Aufklärung beiträgt.
Neben einer umfassenden Literatur- und Inhaltsanalyse wurde eine eigene quantitative Online-Befragung unter 126 Schwulen und Lesben in Deutschland durchgeführt, um subjektive Einschätzungen zu Fernsehsendungen empirisch zu stützen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die theoretische Fundierung (u.a. Involvementkonzept), die chronologische Aufarbeitung der TV-Darstellung und eine detaillierte Kategorisierung von Serienfiguren.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Homosexualität, Unterhaltungsfernsehen, Medienwirkung, Stereotypisierung, Emanzipationsbewegung und gesellschaftlicher Wertewandel beschreiben.
Die Serie Lindenstraße gilt als Vorreiter, da sie 1986 erstmals einen homosexuellen Charakter (Carsten Flöter) einführte und somit den Grundstein für die Darstellung von Alltagskonflikten rund um Homosexualität im deutschen Fernsehen legte.
Die Analyse unterscheidet drei Kategorien: den „lustigen“ Schwulen, der auf klassischen Komödienelementen beruht, den „realistischen“ Schwulen, der im Kontext alltagsnaher Serien steht, und den „heroischen“ Schwulen als idealisierte Figur.
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