Magisterarbeit, 2006
212 Seiten, Note: 2,0
1. Zielsetzung, Methode und Aufbau der Arbeit
2. Begriffe, Definitionen, Konzept
2.1. Zivilgesellschaft
2.2. Informationsgesellschaft
2.3. Digitale Kluft
2.4. Globales Regieren
2.4.1. Die Vereinten Nationen und die Zivilgesellschaft
2.5 Die Rolle der Zivilgesellschaft für den WSIS: Untersuchungsdesign
2.5.1 Teilnahmemodalitäten
2.5.2 Zugang zu Informationen
2.5.3 Konsultierung
2.5.4 Artikulation
2.5.5 Netzwerkbildung
2.5.6 Lobbying
3. Der UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft WSIS
3.1. Entstehung und Struktur
3.2. Ablauf
3.3. Themen und Konflikte
3.4. Akteure
3.4.1. Staatliche Akteure
3.4.2. Private Akteure
3.4.3. Zivilgesellschaftliche Akteure
3.4.3.1. Organisationsstruktur
4. Südafrika als Untersuchungsbeispiel
4.1. Zivilgesellschaft in Südafrika
4.2. Informations- und Kommunikationstechnologien in Südafrika
5. Die Untersuchung: Die Rolle der Zivilgesellschaft für den WSIS
5.1. Gewährte Partizipationsmöglichkeiten
5.1.1. Teilnahmemodalitäten
5.1.2. Zugang zu Informationen
5.1.3. Konsultierung
5.1.4. Zusammenfassung
5.2. Eigeninitiative: Fallbeispiel südafrikanische Zivilgesellschaft
5.2.1. Artikulation
5.2.2. Netzwerkbildung
5.2.3. Lobbying
5.2.4. Zusammenfassung
6. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Rolle der Zivilgesellschaft beim UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS). Die zentrale Forschungsfrage ist, unter welchen Rahmenbedingungen die Zivilgesellschaft am WSIS teilnehmen konnte und inwiefern sie diese Möglichkeiten nutzte, um Einfluss auf den Gipfelprozess zu nehmen, wobei das Beispiel der südafrikanischen Zivilgesellschaft im Zentrum der Analyse steht.
2.1 ZIVILGESELLSCHAFT
Die Begriffe „Zivilgesellschaft“ oder „zivile Bürgergesellschaft“ werden seit einigen Jahren vor allem in der Politik verstärkt gebraucht, während sie in der Bevölkerung kaum bekannt sind. In Umfragen vermutet ein Drittel der Befragten, es handele sich dabei um Zivildienst oder zumindest eine „Abgrenzung vom Militär“9. Neu belebt wurde die Idee der Zivilgesellschaft durch die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche Ende der 80er Jahre in Osteuropa. In Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei bildeten sich Bürgergesellschaften, die in Opposition zum Staat standen und sich einen freien, vom Staat unbeeinflussten öffentlichen Raum schafften.10
„The peaceful revolutions of 1989 in Central and Eastern Europe were carried out in the name of ‘civil’ society, and the word ‘citizen’ was one of the most frequently used terms in the public discourse of that time. (…) Today, just a few years later, talk of ‘civil society’ is no longer much heard in the streets, and the idea seems to have gone back whence it came, to discussions held among intellectuals on the changing shape of postcommunist countries. The remarkable rise and fall of the concept of civil society is itself worth examining.“ 11
Seine Wurzeln hat der heutige Begriff der „Zivilgesellschaft“ in der politischen Philosophie der frühen Neuzeit. Nachdem Aristoteles’ Vorstellung einer mit dem Staat identischen bürgerlichen Gesellschaft (politiké koinonia) fast zweitausend Jahre lang nachwirkte12, beschreibt John Locke Ende des siebzehnten Jahrhunderts eine unabhängige gesellschaftliche Sphäre. Der so genannte body politic, eine Gemeinschaft freier, gleicher und unabhängiger Menschen, besitze eigene, natürliche Rechte gegenüber dem Staat.
1. Zielsetzung, Methode und Aufbau der Arbeit: Einführung in die Thematik des WSIS sowie Erläuterung der deduktiven und induktiven Forschungsweise der Arbeit.
2. Begriffe, Definitionen, Konzept: Theoretische Herleitung zentraler Begriffe wie Zivilgesellschaft, Informationsgesellschaft, digitale Kluft und Globales Regieren, sowie Definition der untersuchten Partizipationskriterien.
3. Der UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft WSIS: Darstellung des dreieinhalbjährigen Gipfelprozesses, seiner Struktur, zentraler Themenfelder sowie der beteiligten Akteursgruppen.
4. Südafrika als Untersuchungsbeispiel: Analyse der historischen Entwicklung der südafrikanischen Zivilgesellschaft und des Standes der Informations- und Kommunikationstechnologien im Land als Grundlage für das Fallbeispiel.
5. Die Untersuchung: Die Rolle der Zivilgesellschaft für den WSIS: Hauptanalyse der Partizipationsmöglichkeiten und Eigeninitiativen der Zivilgesellschaft, inklusive des detaillierten Fallbeispiels zur südafrikanischen Zivilgesellschaft.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Rolle der Zivilgesellschaft im Gipfelprozess und Reflexion über zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten im globalen Regieren.
Zivilgesellschaft, Informationsgesellschaft, WSIS, Global Governance, Digitale Kluft, Partizipation, Südafrika, Nichtregierungsorganisationen, NRO, Internetverwaltung, Internet Governance, Netzwerke, IuKT, politische Teilhabe, Politikbildungsprozess
Die Arbeit untersucht die Mitwirkung der Zivilgesellschaft an den Prozessen des UNO-Weltgipfels zur Informationsgesellschaft (WSIS) und analysiert, wie zivilgesellschaftliche Organisationen ihre Rolle in diesem internationalen Umfeld gestalteten.
Neben der Rolle der Zivilgesellschaft stehen die Themen Informationsgesellschaft, die digitale Kluft (digital divide), Globales Regieren (Global Governance) und Internetverwaltung (Internet Governance) im Fokus.
Das Ziel ist zu klären, welche Rolle die Zivilgesellschaft für den WSIS hatte, indem untersucht wird, welche Rahmenbedingungen für eine Teilnahme vorlagen und wie zivilgesellschaftliche Akteure diese Möglichkeiten praktisch nutzten.
Die Autorin wendet ein sowohl deduktives als auch induktives Vorgehen an, indem sie zunächst anhand von Theorien ein Normengefüge für Partizipation erstellt und dieses auf den Einzelfall Südafrika anwendet, um anschließend Rückschlüsse auf das Allgemeine zu ziehen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der gewährten Partizipationsmöglichkeiten durch die UN (z.B. Teilnahmemodalitäten) sowie die Untersuchung der Eigeninitiative der Zivilgesellschaft, etwa durch Artikulation, Lobbying und Netzwerkbildung.
Die zentralen Begriffe umfassen Zivilgesellschaft, WSIS, Informationsgesellschaft, Global Governance, Internetverwaltung und digitale Kluft, mit einer starken Fokussierung auf das Beispiel Südafrika.
Südafrika leidet unter typischen Problemen von Entwicklungsländern (digitale Spaltung), ist aber gleichzeitig in Bezug auf den Organisationsgrad seiner zivilgesellschaftlichen Organisationen afrikanisches Vorbild, was eine fundierte Untersuchung ermöglicht.
Die Zivilgesellschaft agierte auf dem WSIS als organisierter Akteur mit konsultativer Funktion, der zwar keine formale Entscheidungsmacht besaß, aber durch hartnäckiges Lobbying und Netzwerkbildung dennoch Einfluss auf den Prozess und die Agenda nehmen konnte.
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