Examensarbeit, 2008
149 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
1.1 Thematischer Einstieg und Forschungsüberblick
1.2 Fragestellung und Aufbau der Arbeit
2. Der Holocaust und das Medium Film
2.1 Die Macht und Ohnmacht des bewegten Bildes
2.2 Der Holocaustfilm – ein eigenes Filmgenre?
3. Die Thematisierung des Holocaust im Film: Ein historischer Rückblick
3.1 Die Vierziger und Fünfziger Jahre
3.2 Die Sechziger und Siebziger Jahre
3.3 Die Achtziger Jahre
3.4 Die Neunziger Jahre
3.5 Der Holocaustfilm zu Beginn des 21. Jahrhunderts
4. Die Thematisierung des Holocaust am Beispiel von vier Spielfilmen
4.1 Zur methodischen Vorgehensweise
4.2 Mutters Courage (1995)
4.2.1 Inhaltsangabe mit Sequenzverlauf
4.2.2 Entstehungsgeschichte und Rezeption
4.3 Hitlerjunge Salomon (1990)
4.3.1 Inhaltsangabe mit Sequenzverlauf
4.3.2 Entstehungsgeschichte und Rezeption
4.4 DER PIANIST (2002)
4.4.1 Inhaltsangabe mit Sequenzverlauf
4.4.2 Entstehungsgeschichte und Rezeption
4.5 Die Grauzone (2001)
4.5.1 Inhaltsangabe mit Sequenzverlauf
4.5.2 Entstehungsgeschichte und Rezeption
4.6 Analyse und Vergleich der untersuchten Filme
4.6.1 Die Schaffung von Authentizität
4.6.2 Die filmische Darstellung des Holocaust
4.6.3 Ergebnis der Untersuchung
5. Zusammenfassung und Fazit
7. Filmografie
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen dem historischen Spielfilm und der filmischen Darstellung des Holocaust. Ziel ist es, die filmhistorische Entwicklung der Holocaust-Thematisierung seit 1945 nachzuzeichnen, die Entwicklung von filmischen Standards zu analysieren und anhand von vier ausgewählten Spielfilmen zu untersuchen, wie diese Produktionen historische Authentizität anstreben und mit dem sensiblen Thema umgehen.
2.1 Die Macht und Ohnmacht des bewegten Bildes
In der Holocaustkomödie DAS LEBEN IST SCHÖN (1997) des italienischen Schauspielers und Regisseurs Roberto Benigni versucht der Protagonist Guido seinen Sohn Giosuè vor der harten Realität der Konzentrationslager zu beschützen, indem er vorgibt, das Überleben sei nur ein Spiel. Bei einem nächtlichen Gang durch das Lager stößt der Vater im dichten Nebel auf einen Haufen ermordeter KZ-Häftlinge, die ihn mit dem tatsächlichen Grauen konfrontieren. Daraufhin versteckt er seinen Sohn in einer Kiste, wird kurze Zeit später von einer deutschen Wache festgenommen und erschossen. Als das Lager tags darauf von den Alliierten befreit wird, glaubt Giosuè, er habe das vermeintliche Spiel gewonnen. Nur der Zuschauer dieses oscarprämierten Filmes weiß, dass der Sieg des Kleinen unvollständig ist, weil er seinen Vater im Holocaust verloren hat.
Diese Szenen berühren das Publikum emotional, da ihre Bilder, Dialoge und Geräusche keiner intellektuellen Reflexion benötigen, um verständlich zu sein. Ein Vater versteckt seinen Sohn, um ihn zu schützen und wird dabei selbst getötet. DAS LEBEN IST SCHÖN und Steven Spielbergs SCHINDLERS LISTE (1993) sind zwei Spielfilme, die weltweit mit zahlreichen Auszeichnungen und vielen positiven Kritiken geehrt wurden. Doch wurde der Holocaust, der in diesen Produktionen eine zentrale Rolle spielt, möglicherweise trivialisiert, um den Filmen zu einem Kassenerfolg zu verhelfen? Ist eine filmische Auseinandersetzung mit dem Holocaust überhaupt legitim und wenn ja, wie muss diese dann aussehen?
Diese Fragen stellten sich nicht nur die Kritiker von DAS LEBEN IST SCHÖN und SCHINDLERS LISTE. Sie sind Fragen, welche die Menschheit seit Ende des Zweiten Weltkriegs beschäftigt haben und sind heute noch so aktuell wie vor 60 Jahren, da hier offensichtlich keine eindeutigen Antworten zu existieren scheinen. Holocaustüberlebende, Historiker, Filmemacher und Philosophen beziehen ganz unterschiedliche Standpunkte in der Frage, ob die planmäßige Ausrottung von Millionen Juden der Stoff sein sollte, mit dem die Wunderwelt von Hollywood vermarktungsreife Unterhaltungsprodukte herstellt.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Vermittlung durch Film und Fernsehen ein und skizziert die methodische Ausrichtung der Untersuchung.
2. Der Holocaust und das Medium Film: Dieses Kapitel beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen Befürwortern und Kritikern der filmischen Darstellung des Holocaust und definiert den Begriff des Holocaustfilms.
3. Die Thematisierung des Holocaust im Film: Ein historischer Rückblick: Dieser Abschnitt bietet einen chronologischen Überblick der filmischen Auseinandersetzung von der Nachkriegszeit bis in das 21. Jahrhundert und kontextualisiert diese mit politischen Entwicklungen.
4. Die Thematisierung des Holocaust am Beispiel von vier Spielfilmen: Hier werden "Mutters Courage", "Hitlerjunge Salomon", "DER PIANIST" und "Die Grauzone" in Bezug auf ihre Entstehung, Rezeption und filmische Strategien detailliert untersucht und analysiert.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und bewertet die Möglichkeiten des Spielfilms als Vermittler historischer Erinnerung.
7. Filmografie: Eine tabellarische Übersicht aller in der Arbeit erwähnten Filme mit den wichtigsten technischen Informationen.
Holocaust, Film, Zeitgeschichte, Authentizität, Erinnerungskultur, Spielfilm, Nationalsozialismus, Rezeption, Filmanalyse, Historiografie, Medienwissenschaft, Shoah, Geschichtsbewusstsein, Holocaustfilm, Historische Aufarbeitung.
Die Arbeit analysiert, wie das komplexe Ereignis des Holocaust im Spielfilm thematisiert wird und welchen Einfluss dieses Medium auf das kollektive Geschichtsbewusstsein hat.
Zu den zentralen Themen gehören die Debatte um die Darstellbarkeit des Holocaust, die Entwicklung der filmischen Standards über die Jahrzehnte sowie die Frage nach Authentizität.
Das Ziel ist es, anhand von vier spezifischen Filmbeispielen zu untersuchen, wie historische Realität filmisch rekonstruiert wird und welche Rolle Regisseure bei der Interpretation historischer Ereignisse spielen.
Die Arbeit nutzt einen medienwissenschaftlich-historischen Ansatz, der eine detaillierte Filmanalyse mit der Untersuchung von Entstehungsgeschichten und zeitgenössischen Filmrezensionen verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss über die filmische Entwicklung seit 1945 sowie eine vertiefende, praktische Analyse der vier Fallbeispiele "Mutters Courage", "Hitlerjunge Salomon", "Der Pianist" und "Die Grauzone".
Neben dem zentralen Begriff des Holocaust sind dies Begriffe wie Authentizität, Erinnerungskultur, Rezeption und die filmhistorische Einordnung als "Holocaustfilm".
Während "Der Pianist" stärker auf ein klassisches, identitätsstiftendes Narrativ des Überlebens eines Einzelnen setzt, konzentriert sich "Die Grauzone" auf die ungeschönte, beklemmende Darstellung der Vernichtungsmaschinerie und das ethische Dilemma der Sonderkommandos ohne klassisches Happy End.
George Tábori fungiert im Film nicht nur als Vorlage für das Drehbuch, sondern tritt aktiv als Kommentator auf, der die filmische Darstellung immer wieder durchbricht, um den Zuschauer an den fiktionalen Charakter des Spielfilms und die historische Realität zu erinnern.
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