Wissenschaftlicher Aufsatz, 2008
14 Seiten, Note: ohne
Auf Rekordjagd – Betriebssport in der Weimarer Republik
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den Stellenwert des Betriebssports in der Weimarer Republik, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen der gesundheitlichen Kompensationsfunktion für industriell belastete Arbeitnehmer und der instrumentellen Nutzung des Sports durch Unternehmensleitungen zur Steigerung von Leistung und Disziplin liegt.
Die zentrale Zielsetzung des Betriebssports
Die zentrale Zielsetzung des Betriebssports kristallisiert sich während der zwanziger Jahre immer mehr heraus. Er wird verstanden als eine Art Gegenbewegung zu Industrialisierung und industriellen Lebensformen. Er wird gerade angesichts der tiefgreifenden strukturellen Veränderungen in der Wirtschaft der Nachkriegsjahre als Ausgleich und Erholung gesehen. Die Produktionsorganisation und damit die Arbeitswelt unterliegen in dieser Zeit einem radikalen Wandel.
Der Start der deutschen Wirtschaft in die Friedenszeit ist nämlich mit einer erheblichen Wandlung ihrer Produktionsorganisation verbunden. Die Produktivitäts- und Profitsteigerung in der industriellen Massenfabrikation wird zur obersten Maxime der Unternehmer. Nur durch eine Erhöhung der industriellen Arbeitsproduktivität könne sich die exportorientierte Wirtschaft in einer Zeit politischer und ökonomischer Notlagen, in der das Ausmaß der Kriegsfolgen für Wirtschaft und Handel katastrophal und für die Zukunft vor allem wegen der immensen Reparationsforderungen der Alliierten zunächst noch unübersehbar ist, auf dem Weltmarkt behaupten.
Durch eine konzentrierte Rationalisierung der Arbeitsprozesse soll eine effizientere, beschleunigte und kostengünstigere Produktion erreicht werden. Dies wird durch eine organisatorische Optimierung der Herstellungsprozesse, vor allem mittels einer Konzentration industrieller Betriebe zu größeren Unternehmensgefügen, der Bildung von Kartellen und Syndikaten und einer verstärkten Mechanisierung der Produktionsvorgänge umgesetzt. Besonders nach der Währungsstabilisierung setzt 1924 ein Rationalisierungsboom ein, um vor allem dem relativ hohen Arbeitskostendruck entgegenzuwirken.
Auf Rekordjagd – Betriebssport in der Weimarer Republik: Die Einleitung erläutert die Entstehung des Betriebssports als freiwilliges Angebot in deutschen Unternehmen zu Beginn der Weimarer Republik, geprägt von den Werten der Kameradschaft und des gesundheitlichen Ausgleichs.
Betriebssport, Weimarer Republik, Industrialisierung, Taylorismus, Arbeitsorganisation, Rationalisierung, Ausgleichsgymnastik, Breitensport, Leistungssport, Rekordsport, Firmensportvereine, Volksgesundheit, Leistungssteigerung, Zeit- und Bewegungsstudien, Industriegesellschaft.
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den Funktionen des Betriebssports in der Weimarer Republik und analysiert dessen Rolle im Kontext der zeitgenössischen Industrialisierung.
Zu den zentralen Themen gehören die Arbeitswelt unter dem Einfluss des Taylorismus, die gesundheitlichen Auswirkungen repetitiver Arbeit, das Spannungsfeld zwischen Arbeitgeberinteressen und Arbeitnehmerbedürfnissen sowie die Entwicklung zum modernen Leistungs- und Rekordsport.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Betriebssport sowohl als Ausgleichsmaßnahme für die negativen Folgen industrieller Arbeit als auch als Instrument zur Steigerung der betrieblichen Leistungsfähigkeit und Disziplinierung genutzt wurde.
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, Satzungen, Fachartikel und sportwissenschaftlicher Literatur der Zeit basiert.
Der Hauptteil behandelt die Transformation der Produktionsorganisation, die negativen Auswirkungen auf die Arbeiter, die Versuche, diese durch Sport auszugleichen, und die zunehmende Hinwendung zum leistungsorientierten „Tempo-Sport“.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Taylorismus, Rationalisierung, Kompensation, Leistungssport und Betriebsorganisation charakterisiert.
Der Erfolg war begrenzt, da die Pausen oft als militärischer Drill empfunden wurden, die Attraktivität fehlte und sich diese starren Bewegungsabläufe nur schwer in den hochgradig rationalisierten Arbeitsprozess eines modernen Betriebes integrieren ließen.
Das „Tempo“ entwickelte sich zum zentralen Leistungskriterium. Der Sportler sollte nicht nur gegen den Gegner, sondern primär gegen die Zeit antreten, was das Ideal des Menschen als „Tempo-Maschine“ widerspiegelte.
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