Magisterarbeit, 2000
209 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
Teil I
2. Definitionen
3. Geschichtliches – Herausbildung übersetzerischer Grundkonzeptionen
3.1 Die Anfänge
3.2 Die Antike: Herausbildung der Dichotomie frei vs. wörtlich
3.3 Die Renaissance: Herausbildung der Dichotomien Einbürgerung vs. Verfremdung und Übersetzung vs. Bearbeitung
3.4 Die Romantik: Herausbildung der Dichotomie Geringschätzung vs. Hochschätzung des Übersetzers
3.5 Die Klassik: Herausbildung der Dichotomie Übersetzbarkeit vs. Unübersetzbarkeit
3.6 Der Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts: Herausbildung der Dichotomie: Alternde Übersetzungen vs. ewig junge Originale
4. Übersetzungstheorien
4.1 Den Transfer im Blickfeld
4.2 Das Sprachenpaar im Blickfeld
4.3 Den Text im Blickfeld
4.4 Das Handeln im Blickfeld
4.5 Den Übersetzer im Blickfeld
4.6 Die Methode im Blickfeld
4.7 Die Disziplin im Blickfeld
4.8 Fazit
Teil II
5. Begründung der Textauswahl
6. Georges-Arthur Goldschmidt: Leben und Werk
6.1 Stammbaum
6.2 Biographie
6.3 Werke
7. Georges-Arthur Goldschmidt – der „Komplize des Autors“
8. Bernard Lortholary – der „Anwalt des Lesers“
9. Franz Kafka im Spiegel der Übersetzungen
9.1 Sprachliche Besonderheiten bei Franz Kafka
9.2 Franz Kafka und seine französischen Übersetzer Goldschmidt und Lortholary
9.2.1 Franz Kafka und Georges-Arthur Goldschmidt
9.2.2 Franz Kafka und Bernard Lortholary
10. Inhalt des Romans Der Proceß
11. Übersetzungsanalyse
11.1 Syntax
11.2 Lexik
11.3 Wiederholungen
11.4 Partikeln
11.5 Auswertung der Analyseergebnisse
12. Semantisches Netz
13. Schlussbemerkung
14. Bibliographie
15. Texte
16. Personen- und Sachregister
Die vorliegende Arbeit untersucht Übersetzungstheorien aus linguistischer Perspektive und vergleicht sie anhand der französischen Übersetzungen von Franz Kafkas Roman "Der Proceß" durch Georges-Arthur Goldschmidt und Bernard Lortholary. Das Ziel ist es, zu analysieren, wie theoretische Ansätze in der praktischen Übersetzungsarbeit umgesetzt werden und ob sich Unterschiede in der Methodik, Lexik und Syntax zwischen den beiden Übersetzern feststellen lassen.
3.1 Die Anfänge
Eines der frühesten Zeugnisse des Dolmetschens finden wir im Alten Testament der Bibel. Joseph, der Sohn Jakobs, den seine Brüder einst als Sklaven nach Ägypten verkauft hatten, wird von diesen bei seiner Rückkehr nicht erkannt, als er mit ihnen über Getreidelieferungen verhandelt, denn „[...] es war ein Dolmetscher zwischen ihnen.“
Genau sind die Ursprünge des Übersetzens und Dolmetschens nicht festzulegen. Nach unterschiedlichen Angaben gehen sie bis ins dritte oder vierte Jahrtausend vor Christus zurück. Man muss allerdings annehmen, dass übersetzt wird, seit Menschen die Mehrsprachigkeit wahrgenommen haben.
Im alten Ägypten war es der Gott Thot, der für Sprachen und Sprachmittlung zuständig war. In ihm meinten die Griechen den Götterboten und Viehdieb Hermes wieder zu erkennen. Es hat viele etymologische Spekulationen über den Zusammenhang zwischen Hermes und dem griechischen Wort hermeneuo mit der Bedeutung „auslegen, dolmetschen“ gegeben. Tatsache ist, dass Hermes von hermaion abgeleitet wird, was ‘Steinhaufen’ bedeutet. Trotz der Ähnlichkeit von Hermes und hermeneuo gibt es daher keine etymologische Verwandtschaft, auch wenn dieses sehr naheliegend scheint.
1. Einleitung: Einführung in das Thema, die Bedeutung der Übersetzungswissenschaft sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise und Gliederung der Arbeit.
2. Definitionen: Zusammenstellung verschiedener Lexika-Definitionen, um den Begriff der Übersetzung im Hinblick auf die linguistische und philologische Verwendung zu präzisieren.
3. Geschichtliches – Herausbildung übersetzerischer Grundkonzeptionen: Historischer Überblick über die Entwicklung grundlegender Konzepte und Dichotomien (frei vs. wörtlich, Einbürgerung vs. Verfremdung) von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.
4. Übersetzungstheorien: Detaillierte Darstellung moderner theoretischer Ansätze, einschließlich transferorientierter, texttypologischer und handlungsorientierter Modelle sowie deren Einordnung in die Disziplin.
5. Begründung der Textauswahl: Erläuterung der Auswahl von Kafkas "Der Proceß" für die praktische Analyse und Begründung des Vergleichs zwischen den Übersetzungen von Goldschmidt und Lortholary.
6. Georges-Arthur Goldschmidt: Leben und Werk: Biographische Darstellung des Autors und Übersetzers, seine Herkunft und die Bedeutung der Sprachen für seine schriftstellerische Tätigkeit.
7. Georges-Arthur Goldschmidt – der „Komplize des Autors“: Analyse von Goldschmidts eigenem Verständnis seiner Arbeit und seiner sprachtheoretischen Äußerungen zur engen Anbindung an den Originaltext.
8. Bernard Lortholary – der „Anwalt des Lesers“: Porträt des Übersetzers Lortholary und Darstellung seines theoretischen Konzepts, das besonders die Bedeutung des Kontexts betont.
9. Franz Kafka im Spiegel der Übersetzungen: Diskussion der sprachlichen Besonderheiten Kafkas (Distanzsprache, Unbestimmtheit, Metaphorik) und deren spezifische Anforderungen an den Übersetzer.
10. Inhalt des Romans Der Proceß: Grobe inhaltliche Zusammenfassung des Romans, um die analysierte "Türhüterlegende" in den notwendigen Kontext zu setzen.
11. Übersetzungsanalyse: Kern der Arbeit: Detaillierter Vergleich der Übersetzungen hinsichtlich Syntax, Lexik, Wiederholungen und Partikeln.
12. Semantisches Netz: Anwendung der Relatra-Methode zur Veranschaulichung der informativen Strukturen in den Ausgangs- und Zieltexten.
13. Schlussbemerkung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Relevanz von Humanübersetzungen in einer technisierten Welt.
Übersetzungswissenschaft, Translation, Georges-Arthur Goldschmidt, Bernard Lortholary, Franz Kafka, Der Proceß, Übersetzungstheorie, Texttypologie, Äquivalenz, Sprachmittlung, Literaturübersetzung, Semantisches Netz, Linguistik, Interdisziplinarität, Wortwahl.
Die Arbeit untersucht Übersetzungstheorien unter linguistischen Gesichtspunkten und prüft deren praktische Anwendung durch den direkten Vergleich von zwei französischen Kafka-Übersetzungen.
Das Spektrum reicht von der historischen Entwicklung übersetzerischer Grundkonzepte über moderne linguistische Translationstheorien bis hin zur konkreten Analyse von Stilmitteln wie Syntax, Lexik und Partikelgebrauch in literarischen Texten.
Ziel ist es, die Diskrepanz oder Harmonie zwischen den theoretischen Übersetzungsansätzen der Übersetzer und ihrer tatsächlichen Praxis bei einem hochkomplexen Autor wie Franz Kafka aufzuzeigen.
Neben der deskriptiven Analyse von Übersetzungsprozeduren nutzt die Arbeit die "Relatra-Methode" (semantische Netze) nach Gerzymisch-Arbogast und Mudersbach, um die informativen Strukturen der Texte vergleichend darzustellen.
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Teil I widmet sich den theoretischen Grundlagen, während Teil II die konkrete Analyse der Übersetzungen von Georges-Arthur Goldschmidt und Bernard Lortholary inklusive biographischer Einordnung vornimmt.
Die Arbeit zeichnet sich durch die Begriffe Übersetzungswissenschaft, Translationstheorie, interkultureller Transfer, Äquivalenzproblematik und vergleichende Textanalyse aus.
Kafkas spezifische Bildhaftigkeit und die sparsame Interpunktion stellen die Übersetzer vor besondere Herausforderungen, die in der Arbeit als "Distanzsprache" und "Protokollsprache" analysiert werden.
Beide Übersetzer verfolgen unterschiedliche Ansätze – Goldschmidt identifiziert sich extrem mit dem Autor ("Komplize des Autors"), während Lortholary stärker die Vermittlerrolle für den Leser einnimmt ("Anwalt des Lesers").
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