Diplomarbeit, 2007
168 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
1.1 Einleitung und Zugang zum Thema
1.2 Problemstellung
1.3 Zielsetzung
1.4 Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen, Positionierung und Funktionen der Übungsfirma
2.1 Die Übungsfirma
2.1.1 Entstehung und Bedeutung der kaufmännischen Übungsfirma
2.1.2 Konzept und Merkmale der Übungsfirma
2.1.3 Abgrenzung zu Lernbüro und Juniorenfirma
2.2 Das Bildungs- und Berufsbildungssystem in Deutschland
2.2.1 Lehrplan kaufmännisches Berufskolleg in Baden-Württemberg (mit Übungsfirma): Eine Ableitung aus Ausbildungsordnung und KMK-Rahmenlehrplan
2.2.2 Funktionen des kaufmännischen Berufskollegs (mit Übungsfirma) in BW
3. Die hinter der Übungsfirma stehenden Theorien und ihre Umsetzung in die Praxis unter dem Leitgedanken der Normativität (Theoretische Heranführung an einen in der Übungsfirmenpraxis verwendbaren Beobachtungsbogen)
3.1 Lehr-Lern-Situationen in der Übungsfirma – eine Abkehr vom Primat der Instruktion hin zur Handlungsfähigkeit
3.1.1 Das Konzept der Handlungsorientierung
3.1.1.1 Die östliche Tätigkeitspsychologie nach WYGOTSKY und LEONTLEW weiterentwickelt durch HACKER und VOLPERT
3.1.1.2 Die kognitive Handlungstheorie nach Piaget weiterentwickelt von AEBLI
3.1.1.3 Die wesentlichen Merkmale von Handlungsorientierung
3.1.2 Die Zielgröße bzw. das Konzept der (beruflichen) Handlungskompetenz - ein Produkt der Schlüsselqualifikationen oder ein neues Kompetenzkonzept?
3.1.2.1 Sachkompetenz und intellektuelle Mündigkeit
3.1.2.2 Sozialkompetenz und soziale Mündigkeit
3.1.2.3 Selbstkompetenz und moralische Mündigkeit
3.2 Die normativen Ansprüche aus Wissenschaft und Wirtschaft
3.2.1 Der Prozessgedanke von REETZ
3.2.2 Die konstruktivistische Perspektive von TRAMM
3.2.3 Der Begriff der Nachhaltigkeit aus der Perspektive von FISCHER
4. Heranführung und Begründung eines in der Übungsfirmenarbeit verwendbaren Beobachtungsbogens
4.1 Der Professionalitätsanspruch an die Lehrkraft
4.1.1 Erstellung eines Anforderungskatalogs an den Übungsfirmenunterricht
4.1.2 Soll - Ist Vergleich mit dem Lehrplan kaufmännisches Berufskolleg mit Übungsfirma I und II
4.1.3 Der Beobachtungsbogen
4.1.4 Kurzes Resümee einer ersten Anwendung des Beobachtungsbogens
5. Schlussbemerkung
Die Arbeit untersucht, ob die Übungsfirma am kaufmännischen Berufskolleg in Baden-Württemberg als Lernort fungieren kann, der über die reine Vermittlung fachspezifischer Kenntnisse hinausgeht und Kompetenzen für lebensbegleitendes Lernen sowie Mündigkeit im Sinne von Reetz fördert. Dabei wird hinterfragt, inwiefern didaktische Lehr-Lern-Situationen in der Übungsfirma den normativen Ansprüchen aus Wissenschaft und Wirtschaft gerecht werden können.
3.1.1.1 Die östliche Tätigkeitspsychologie nach WYGOTSKY und LEONTLEW weiterentwickelt durch HACKER und VOLPERT
LEONTJEW geht in seinem Aneignungskonzept davon aus, dass die gegenständliche Tätigkeit des Menschen, insbesondere die Arbeitstätigkeit dazu dient, sich innerhalb der Gesellschaft verankertes Wissen und Können anzueignen. Dies vollzieht sich, indem der Mensch die äußere Tätigkeit in seinem Inneren widerspiegelt. Ähnlich wie bei BRONFENBRENNERS Ökologie der menschlichen Entwicklung, vollzieht sich die Aneignung durch eine Wechselwirkung zwischen Veränderung der Umwelt und des Subjekts Mensch.
Die durch die äußeren Tätigkeiten entwickelten Bilder und Pläne bilden das innerpsychische Pendant dazu. Konstitutiv ist eine Wechselbeziehung von Handlungsgegenstand, den äußeren Handlungsvollzügen und den inneren Modellen in Form einer Entwicklung von Handlungsfähigkeiten. Bei den inneren Modellen handelt es sich laut HACKER um „operative Abbildsysteme“. Diese ermöglichen ein vor der Ausführung der praktischen Handlung stehendes „Durchdenken“ dieser und analysieren dabei die durch äußere Bedingungen definierte (Arbeits-)Situation. Die Handlungsausführung, welche auf der untersten Handlungsregulationsebene angesiedelt ist, ist letztendlich das Ergebnis eines inneren Durchlaufs des Arbeitsprozesses. Dabei wird der Arbeitsprozess vor seiner Ausführung im Hinblick auf die Zielsetzung im Inneren überprüft, von Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozessen begleitet und schließlich Teilergebnisse und Zielvorstellung miteinander verglichen und kontrolliert.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Übungsfirmen als Lernorte ein und skizziert die Forschungsfrage nach deren Potenzial für handlungsorientiertes und mündigkeitsförderndes Lernen.
2. Grundlagen, Positionierung und Funktionen der Übungsfirma: In diesem Kapitel werden die Entstehung, das Konzept und die Abgrenzung der Übungsfirma zu anderen Simulationsformen dargestellt sowie der bildungspolitische Kontext des Berufskollegs in Baden-Württemberg beleuchtet.
3. Die hinter der Übungsfirma stehenden Theorien und ihre Umsetzung in die Praxis unter dem Leitgedanken der Normativität (Theoretische Heranführung an einen in der Übungsfirmenpraxis verwendbaren Beobachtungsbogen): Das Kapitel diskutiert handlungsorientierte Konzepte und Kompetenzmodelle sowie normative Anforderungen aus Wirtschaft und Wissenschaft, die das Fundament für die Gestaltung der Übungsfirmenarbeit bilden.
4. Heranführung und Begründung eines in der Übungsfirmenarbeit verwendbaren Beobachtungsbogens: Hier wird der Professionalitätsanspruch an die Lehrkraft thematisiert und ein Beobachtungsbogen hergeleitet, der anhand von Kriterien wie Prozessorientierung und Subjektorientierung die Qualität des Übungsfirmenunterrichts erfassbar macht.
5. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert das Potenzial der Übungsfirma als Lernort und betont die Notwendigkeit einer bewussten Gestaltung der Lehr-Lern-Prozesse durch die Lehrkraft, um über rein repetitive Tätigkeiten hinauszugehen.
Übungsfirma, Handlungsorientierung, Handlungskompetenz, Berufskolleg, Berufspädagogik, Normativität, Professionalität, Beobachtungsbogen, Prozessorientierung, Schlüsselqualifikationen, Wirtschaftspädagogik, Mündigkeit, Lehr-Lern-Prozesse, Ausbildung
Die Arbeit untersucht das didaktische Potenzial der Übungsfirma am kaufmännischen Berufskolleg in Baden-Württemberg, insbesondere im Hinblick auf die Förderung beruflicher Handlungskompetenz und Mündigkeit.
Im Zentrum stehen die theoretische Fundierung des handlungsorientierten Lernens, die Analyse des deutschen Berufsbildungssystems und die Entwicklung eines Instruments zur Beobachtung und Evaluation des Unterrichts.
Das Ziel ist die Erstellung eines Anforderungskatalogs und eines darauf basierenden Beobachtungsbogens, um die Qualität von Lehr-Lern-Situationen in der Übungsfirma kritisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse und der anschließenden Entwicklung eines praxisorientierten Beobachtungsbogens sowie ersten Anwendungsbeispielen aus der Praxis.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Konzepte wie Handlungsorientierung, kognitive Handlungstheorien und normative Ansprüche aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie deren praktische Relevanz für das Berufskolleg.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Übungsfirma, Handlungskompetenz, berufliche Bildung, Professionalität und Didaktik geprägt.
Der Autor fordert eine Abkehr vom lehrerzentrierten Wissensvermittler hin zu einer begleitenden, beratenden Rolle als "Mitarbeiter", der den Schülern Raum für eigenständige Konstruktionsprozesse lässt.
Während im Lernbüro alle Abläufe in einem geschlossenen, vom Lehrenden initiierten System simuliert werden, ermöglicht die Übungsfirma aufgrund der Einbindung in einen überregionalen "Übungsfirmenmarkt" reale Außenkontakte mit Ernstcharakter.
Die erste Anwendung zeigte, dass die beobachteten Arbeitsprozesse stark repetitiv waren und kaum höhere Ebenen der Handlungsregulation ansprachen, was den Bedarf für eine anspruchsvollere didaktische Gestaltung unterstreicht.
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