Examensarbeit, 2008
101 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Gegenstandsbestimmung
2.1. Die Werke – Zeitgenössische Rezeption und Publikum
2.2. Intertextualität
2.2.1. Das zugrunde gelegte Intertextualitätskonzept
2.2.2. Funktionen intertextueller Bezüge
2.2.3. Exkurs: Zum Problem der Mündlichkeit in der mediävistischen Intertextualitätsforschung
3. Intertextuelle Bezüge des Parzival im Willehalm
3.1. Der Willehalm vor dem Hintergrund des Parzival
3.2. Intertextuelle Bezugnahmen auf Parzival-Figuren
3.2.1. Anfortas
3.2.2. Feirefiz und Secundille
3.2.3. Gahmuret
3.2.4. Parzival
3.2.4.1. Parallelen zwischen Rennewart und Parzival
3.2.4.2. Parzival als Folie für Rennewart?
3.2.5. Gawan
3.2.6. Die Besiegten im Kampf mit Feirefiz
3.2.7. Alîze
3.3. Intertextuelle Bezugnahmen auf nicht personenbezogene Parzival- Elemente
3.3.1. Artushof und Gralswelt
3.3.2. Der Wald Lignaloe
3.3.3. Die Lanzenschäfte aus Oraste Gentesîn
3.4. Bezugnahmen auf Themen und Handlungsmotive des Parzival
4. Funktionen der intertextuellen Bezüge des Parzival im Willehalm
5. Der Willehalm - Weiterführung oder Kontrastbildung zum Frühwerk?
6. Schlussbetrachtungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die intertextuellen Bezüge zwischen Wolframs von Eschenbachs Frühwerk Parzival und seinem unvollendeten Spätwerk Willehalm, um den Grund und die Funktion dieser Bezugnahmen für den Autor und die zeitgenössische Rezeption zu analysieren.
3.2.1. Anfortas
Anfortas war König der Gralsburg in Wolframs Parzival-Epos und der Onkel des gleichnamigen Titelhelden. Die Figur wurde im gesamten Handlungsverlauf nahezu ausschließlich in Verbindung mit der schmerzenden Wunde durch einen vergifteten Speer erwähnt.
Umso interessanter und aufschlussreicher ist demnach die Sicht, die der Rezipient nun durch die folgende Bezugnahme auf Anfortas im Willehalm erhält: do der milte Anfortas in Orgelusen dienste was, e daz er von vreuden schiet, und der gral im sin volc beriet; (...) (Wh. 279,13-16).
Auffallend ist hier, dass sich die Verweise auf den jungen Gralskönig nicht auf etwas beziehen, was direkt im Parzival geschehen ist. Nur durch kurze Anspielungen von Trevrizent in dem Gespräch mit Parzival könnte der Rezipient von dessen Zeit als Minneritter wissen: sîn jugent unt sîn rîcheit der werlde an im fuogte leit, unt daz er gerte minne ûzerhalp der kiusche sinne. (Pz. 472,27-30) Amor was sîn krîe. (Pz. 478,30).
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die thematische Ausrichtung auf die intertextuellen Bezüge zwischen dem Parzival und dem Willehalm sowie die methodische Herangehensweise unter Berücksichtigung der Forschungsgeschichte.
2. Gegenstandsbestimmung: Dieses Kapitel skizziert die Rezeption der Werke im 13. Jahrhundert und definiert das spezifische Intertextualitätskonzept sowie die Mündlichkeit als zentralen Aspekt der mediävistischen Forschung.
3. Intertextuelle Bezüge des Parzival im Willehalm: Der Hauptteil analysiert detailliert, wie Figuren, Motive und Themen des Parzival im Willehalm als intertextuelle Bezugspunkte eingesetzt werden, um die Darstellung im Spätwerk zu erweitern oder zu kontrastieren.
4. Funktionen der intertextuellen Bezüge des Parzival im Willehalm: Hier werden die Ergebnisse der Einzelanalysen zusammengeführt, um die referenz-, text- und produzentenorientierten Funktionen der intertextuellen Verweise systematisch einzuordnen.
5. Der Willehalm - Weiterführung oder Kontrastbildung zum Frühwerk?: Dieses Kapitel diskutiert abschließend, ob der Willehalm primär als Fortschreibung des Parzival oder als bewusster Kontrast zu diesem zu verstehen ist.
6. Schlussbetrachtungen: Die Arbeit schließt mit einer Prüfung der Intensität der Intertextualität anhand pfisterscher Kriterien, die den Stellenwert der Bezüge für das Verständnis des Gesamtwerks bekräftigen.
Wolfram von Eschenbach, Parzival, Willehalm, Intertextualität, Mittelalter, Rezeption, Anfortas, Feirefiz, Gawan, Minne, Mündlichkeit, Literaturwissenschaft, Epik, Narratologie, Gattungstransformation
Die Untersuchung konzentriert sich auf die literarischen Bezüge, die Wolfram von Eschenbach in seinem Spätwerk Willehalm zu seinem erfolgreicheren Frühwerk Parzival herstellt.
Zentral sind die Funktionen von Anspielungen auf bekannte Figuren, Orte und Handlungsmotive sowie die Frage nach der Rolle des Autors und des Publikums in der mittelalterlichen Dichtung.
Ziel ist es zu klären, warum der Autor diese Bezüge herstellt und welche Bedeutung sie für die Interpretation beider Werke sowie für das Verständnis der mittelalterlichen Intertextualität haben.
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Textstellen im Vergleich zu primärliterarischen Ausgaben und nutzt theoretische Konzepte der Intertextualitätsforschung (z.B. von Pfister, Lachmann und Helbig).
Im Hauptteil werden gezielt Figuren wie Anfortas, Feirefiz, Gahmuret, Parzival und Gawan sowie nicht-personenbezogene Elemente wie der Gral oder der Wald Lignaloe auf ihre Funktion im Willehalm untersucht.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Intertextualität, Rezeptionsästhetik, mittelalterliche Epik, Figurenkonstellation und Autorschaft.
Die Figur des Rennewart wird als eine Art "Spiegel" oder Analogie zu Parzival interpretiert, wobei die Arbeit kritisch hinterfragt, ob das Schicksal der einen Figur zwingend auf den (fragmentarischen) Ausgang der anderen schließen lässt.
Die Mündlichkeit wird als wichtiger Rahmenfaktor betrachtet, der die Art und Weise der Markierung intertextueller Bezüge (z.B. durch Intonation statt durch Fußnoten) beeinflusste und die Deutung der Anspielungen durch das damalige Publikum komplexer gestaltete.
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