Diplomarbeit, 2004
80 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung: Wie verstehen wir, was wir verstehen?
2 Die Unterscheidung von Verstehensprozessen
2.1 Erfolgreiches Verstehen
2.2 Nicht erfolgreiches Verstehen
2.2.1 Nichtverstehen
2.2.2 Missverstehen und Missverständnisse
3 Verstehensprozesse im Modell
3.1 Der Verstehensprozess aus Sicht des Sprechers
3.2 Der Verstehensprozess aus Sicht des Hörers
4 Zum Verhältnis von Verstehen, Missverstehen und Nichtverstehen
4.1 Verstehen und Nicht(s)verstehen: zwei Seiten der gleichen Medaille?
4.2 Missverstehen: Erscheinungsform von Verstehen oder eigenständiges Phänomen?
5 Einordnung der Fragestellung in den aktuellen Forschungsstand
5.1 Die Bedeutung der Sprechakttheorie (SAT) für die Erklärung von Verstehensprozessen
5.2 Die pragmatische Perspektive auf Prozesse des Verstehens
5.3 Verstehensprozesse aus relevanztheoretischer Sicht
6 Die Relevanztheorie (Sperber/Wilson 1986/1995)
6.1 Kommunikation im Modell: Code-Modelle und Inferenz-Modelle
6.1.1 Das semiotische Code-Modell und seine Grenzen
6.1.2 Das Modell ostentativ-inferentieller Kommunikation
6.1.2.1 Herbert P. Grice: Konversationsmaximen und Implikaturentheorie
6.1.2.2 Kritik an Grices Ideen
6.2 Die Relevanztheorie (RT)
6.2.1 Die verbale Äußerung als ostentativer Stimulus
6.2.2 Der Begriff der Relevanz
6.2.3 Die Rolle des Kontextes
6.2.4 Das Konzept der mutual manifestness of assumptions
6.2.5 Zusammenfassung am konkreten Beispiel
6.3 Gründe für das Misslingen einer Kommunikation aus Sicht der RT
6.3.1 Einschränkung der Relevanz
6.3.1.1 Probleme bei der Etablierung eines mutual cognitive environment
6.3.2 Begrenzte Möglichkeiten bei Stimuluswahl und -gestaltung
6.3.2.1 Innere und äußere Zwänge
6.3.2.2 Mangelnde Sprachkompetenz
6.3.2.3 Lärmquellen
6.3.2.4 Negative psycho-physische Umstände
7 Schlussgedanke: Verstehen: ein gradueller Prozess zwischen Gelingen und Misslingen?
Die Arbeit untersucht die Mechanismen und Voraussetzungen menschlicher Kommunikation unter der Annahme, dass hundertprozentiges Verstehen in verbaler Interaktion kaum erreichbar ist. Das Hauptziel ist die Analyse, wie erfolgreiche Kommunikation trotz unterschiedlicher Voraussetzungen der Kommunikationspartner zustande kommt und warum Prozesse des Nichtverstehens und Missverstehens auftreten.
Die Unterscheidung von Verstehensprozessen
Die Auseinandersetzung mit der Thematik des 'Verstehens' - im Sinne von erfolgreichem Kommunizieren - scheint zu Beginn des 21. Jahrhunderts so aktuell wie nie. Meist in Bezug auf die harmonische Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen ist die Problematik um gegenseitiges Verstehen populärwissenschaftlich aufgearbeitet Thema einer Vielzahl sogenannter Ratgeber- und Lebenshilfe-Bücher. Diese Tatsache lässt erkennen, dass Verstehen als Kommunikationsresultat keineswegs eine Selbstverständlichkeit darstellt.
"Zwar sind wir alle im Phänomen des Sprache-Habens uns der Tatsache bewußt, daß wir in der Sprache und mit ihr etwas meinen und etwas verstehen, aber wenn wir eine wissenschaftliche Klärung dessen suchen, was denn 'meinen' heißt, was denn 'verstehen' heißt und was das 'etwas' ist, das gemeint und verstanden wird - dann finden wir [...] ein zwar einheitliches terminologisches Begriffsgefüge, das aber den verschiedenen Aspekten des Phänomens keineswegs gerecht wird".
Zu dieser Einschätzung kam Hörmann 1978. M.E. trifft sie auch heute noch zu; meist als Gegensatzpaar gehandelt, werden die Begriffe Meinen und Verstehen heute so unterschiedlich definiert und gebraucht, wie sie gleichzeitig grundlegend für die Definition von Kommunikation sind.
Auch dieser Arbeit liegt eine bestimmte Auffassung dieser beiden Begriffe zugrunde. Es handelt sich dabei zwar nicht um ein spezielles Verständnis von Kommunikation und ihren konstituierenden Faktoren, sondern durchaus um eine Vorstellung im Sinne gängiger Kommunikationsmodelle. Trotzdem erscheint es im Hinblick auf die Themenstellung der vorliegenden Arbeit notwendig, hauptsächlich den Begriff des Verstehens, wie er im Folgenden angenommen wird, zu diskutieren um ihn schließlich möglichst eindeutig definieren zu können.
1 Einleitung: Wie verstehen wir, was wir verstehen?: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Kommunikation kein fehlerfreier Prozess ist und echtes Verstehen oft ein "Wunder" darstellt.
2 Die Unterscheidung von Verstehensprozessen: Das Kapitel definiert den Rahmen für erfolgreiches sowie nicht erfolgreiches Verstehen und grenzt zentrale Begriffe wie Nichtverstehen und Missverstehen voneinander ab.
3 Verstehensprozesse im Modell: Hier wird der kommunikative Prozess in Sprecher- und Hörerperspektiven unterteilt, um die Rollenverteilung und die jeweiligen Anforderungen an die Interaktion zu verdeutlichen.
4 Zum Verhältnis von Verstehen, Missverstehen und Nichtverstehen: Dieses Kapitel diskutiert die logischen Relationen zwischen diesen Resultaten und etabliert eine Skala, auf der sich Kommunikation als Näherungswert zwischen 0 und 100 Prozent bewegt.
5 Einordnung der Fragestellung in den aktuellen Forschungsstand: Es folgt eine kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Theorien wie der Sprechakttheorie und der Relevanztheorie hinsichtlich ihrer Sprecher- bzw. Hörerzentriertheit.
6 Die Relevanztheorie (Sperber/Wilson 1986/1995): Das Hauptkapitel expliziert die Relevanztheorie, erläutert das Prinzip der optimalen Relevanz, den Begriff der kognitiven Umwelt und die Ursachen für kommunikative Fehlschläge.
7 Schlussgedanke: Verstehen: ein gradueller Prozess zwischen Gelingen und Misslingen?: Das Fazit fasst zusammen, dass Verstehen ein verdeckter Prozess ist, der aus Sicht der Relevanztheorie als graduelles Ereignis in einem asymmetrischen Koordinationsprozess verstanden werden muss.
Verstehensprozesse, Kommunikation, Relevanztheorie, Sprechakttheorie, Nichtverstehen, Missverstehen, Kommunikationstheorie, Kontext, Kooperationsprinzip, Inferenz, Ostentativer Stimulus, kognitive Umwelt, mutual manifestness, Sprachrezeption, Sprachproduktion
Die Diplomarbeit untersucht, wie verbale Kommunikation funktioniert und warum sie, entgegen der Annahme eines perfekten Informationsaustausches, häufiger von Missverständnissen und Nichtverstehen begleitet wird als angenommen.
Die Arbeit analysiert das menschliche Verstehen auf kognitiver und sprachwissenschaftlicher Ebene, wobei insbesondere die Rollen von Sprecher und Hörer, der Kontext und die Relevanz einer Äußerung im Vordergrund stehen.
Ziel ist es, generalisierbare Kriterien für das Zustandekommen von Missverstehen zu identifizieren und den Prozess des Verstehens aus der Perspektive einer modernen Kommunikationstheorie zu beleuchten.
Es wird eine theoretische Analyse auf Basis pragmatischer Kommunikationsmodelle durchgeführt, wobei primär die Relevanztheorie von Sperber und Wilson als analytischer Rahmen dient.
Der Hauptteil widmet sich der kritischen Prüfung der Sprechakttheorie, der Vorstellung der Relevanztheorie als Modell für ostentativ-inferentielle Kommunikation und der detaillierten Untersuchung von Gründen für kommunikative Fehlschläge.
Zentrale Begriffe sind Relevanz, Ostension, mutual manifestness, kognitive Umwelt, processing efforts und die Differenzierung zwischen erfolgreicher und nicht erfolgreicher Kommunikation.
Relevanz wird als eine relative Größe betrachtet, die in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen dem kognitiven Verarbeitungsaufwand des Hörers und den erzielten kontextuellen Effekten einer Äußerung steht.
Der Unterschied liegt im Bewusstseinszustand: Beim Nichtverstehen erkennt der Hörer sofort die Störung und reagiert meist mit einer Rückfrage, während beim Missverstehen eine vermeintliche Einigkeit vorliegt, die oft erst viel später durch ein konkretes Missverständnis entlarvt wird.
Es dient als Alternative zum problematischen Begriff des "mutual knowledge", da es keine identischen Annahmen voraussetzt, sondern lediglich die Möglichkeit, dass Informationen für beide Kommunikationspartner offenkundig bzw. manifest sind.
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