Essay, 2008
4 Seiten
1. „Die Meistersinger von Nürnberg“ in deutscher Wahrnehmung – mehr als ein heiteres Stück Musiktheater
1.1 Das Orchestervorspiel als programmatische Kurzfassung
1.2 Politische Instrumentalisierung und Wirkungsgeschichte
1.3 Aufführungstradition und Regietheater
1.4 Gattungskontext und inhaltliche Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturelle, politische und künstlerische Rezeption von Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Wahrnehmung des Werkes im Spannungsfeld zwischen nationalsozialistischer Instrumentalisierung und der Entwicklung einer eigenständigen Aufführungstradition im modernen Regietheater gewandelt hat.
Die Meistersinger von Nürnberg
Das Werk gipfelt dann bekanntlich in jenem Appell „Ehrt Eure deutschen Meister!“, den Wagner auf Drängen seiner Frau Cosima Hans Sachs in den Mund gelegt hat und welcher in seiner harschen Abgrenzung gegen das Fremde, 'Welsche', heute ungute Assoziationen mit einem anderen, dunklen Deutschland wachruft.
„Ehrt Eure deutschen Meister, dann bannt Ihr gute Geister! Und gebt Ihr ihrem Wirken Gunst, zerging' in Dunst das Heil'ge Röm'sche Reich, uns bliebe gleich die heil'ge deutsche Kunst!“
Wagner war schließlich, obwohl bei Beginn der Nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland bereits seit 50 Jahren tot, einer der gern zitierten kulturell-ideologischen Leitsterne des faschistischen Regimes: Mit seinem monumentalen Schaffen, dem Deutschland-Klischee des von ihm in die Oper transferierten mythisch-germanischen bzw. sagenhaften, mittelalterlichen Geschichtsbildes, aber auch mit seinem antisemitischen Weltbild, ja sogar mit den Ansichten seiner noch lebenden, nationalsozialistisch denkenden Familienmitglieder (Cosima und Winifred Wagner, Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain, Schwiegerenkel Bodo Lafferentz) ließ sich das NS-Gedankengut problemlos in Deckung bringen.
„Die Meistersinger von Nürnberg“ in deutscher Wahrnehmung – mehr als ein heiteres Stück Musiktheater: Einleitende Betrachtung über die ambivalente Stellung des Werkes in der deutschen Kulturgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der kritischen Rezeption.
Das Orchestervorspiel als programmatische Kurzfassung: Analyse der musikalischen Struktur des Vorspiels und dessen Funktion als Inhaltsangabe der gesamten Oper.
Politische Instrumentalisierung und Wirkungsgeschichte: Darstellung der Vereinnahmung des Werkes durch das NS-Regime und die damit verbundenen gesellschaftlichen Folgen.
Aufführungstradition und Regietheater: Überblick über den Wandel der Inszenierungsstile von historisierenden Ansätzen bis hin zu modernen, dekonstruktiven Deutungen.
Gattungskontext und inhaltliche Schwerpunkte: Untersuchung der spezifischen dramaturgischen Besonderheiten, die das Werk über eine klassische komische Oper hinausheben.
Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg, Hans Sachs, Bayreuther Festspiele, Nationalsozialismus, Regietheater, Sixtus Beckmesser, deutsche Oper, Musiktheater, Antisemitismus, Rezeptionsgeschichte, Kunstauffassung, Tradition, Operngeschichte, Werkgenese.
Die Arbeit befasst sich mit der komplexen Wahrnehmungsgeschichte von Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ im deutschen Sprachraum.
Zu den Schwerpunkten zählen die musikalische Analyse, die politische Instrumentalisierung durch die Nationalsozialisten sowie die Entwicklung der modernen Aufführungspraxis.
Es wird untersucht, wie das Werk trotz seiner historischen Belastung und seiner Verwendung als Propagandainstrument in der zeitgenössischen Theaterwelt künstlerisch neu bewertet wird.
Die Autorin nutzt eine musikwissenschaftliche und theaterhistorische Analyse, um das Libretto, die Aufführungsgeschichte und die Rezeptionsgeschichte kritisch zu beleuchten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des musikalischen Vorspiels, die Aufarbeitung der NS-Zeit und die Untersuchung der Entwicklung des Regietheaters.
Wagners Musik, Rezeptionsgeschichte, Regietheater und kulturelle Identität sind zentrale Aspekte.
Die Forschung diskutiert kontrovers, ob die Figur als judenfeindliche Karikatur angelegt ist, wobei im Libretto primär der Aspekt des pedantischen Konkurrenten überwiegt.
Der Wagnerforscher Dieter David Scholz verwendet diesen Begriff, weil er der Ansicht ist, dass der eigentliche Kern des Werkes durch den historischen Ballast der Rezeptionsgeschichte verschüttet wird.
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