Bachelorarbeit, 2021
59 Seiten
1. Einleitung
2. Jugendphase
2.1 Begrifflichkeiten
2.2 Jugend als soziales Konstrukt
2.3 Jugend aus entwicklungspsychologischer Sicht
2.3.1 Gegenstand und Aufgaben der Entwicklungspsychologie
2.3.2 Entwicklungsaufgaben
2.3.3 Entwicklungskontexte
3. Jugenddelinquenz
3.1 Begrifflichkeiten
3.2 Jugendkriminalität im Hell- und Dunkelfeld
3.3 Episodische und intensive Jugenddelinquenz
4. Jugenddelinquenz als ubiquitäres Phänomen
4.1 Einblick in die Forschungslage zur Erklärung von Jugenddelinquenz
4.2 Erklärungsansätze und Entstehungszusammenhänge aus psychologischer Perspektive
4.3 Jugenddelinquenz im Lebenslauf
4.4 Etikettierungsansatz/ „Labeling Approach“
5. Perspektivwechsel
6. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht die Ubiquität von Jugenddelinquenz und analysiert, inwiefern Normverstöße im Jugendalter als alltägliches Phänomen zu verstehen sind, statt sie primär als deviantes Fehlverhalten zu deuten.
3.3 Episodische und intensive Jugenddelinquenz
Um der Kernfrage dieser Arbeit, inwiefern Jugenddelinquenz ein ubiquitäres Phänomen darstellt, näher zu kommen, ist eine Betrachtung der unterschiedlichen Merkmale von jugendtypischer Jugenddelinquenz und „darüberhinausgehender“ Delinquenz nötig. Eine wichtige Feststellung die hier als Grundlage dient, ist der Fakt, dass eine Zunahme an Delinquenz im Jugendalter ubiquitär, also überall vorkommend ist (vgl. Schumann 2018, S. 261). Gemeint ist hiermit, „dass sich Jugendliche aus unterschiedlichen Schichten, aus unterschiedlichen Herkunftsmilieus, aus Städten und dem ländlichen Raum in Bezug auf wenig gravierende Delikte sehr ähnlich verhalten“ (Schwabe 2021, S. 164). Sämtliche Befragungsstudien bezüglich jugendlichen delinquenten Verhaltens belegen, dass die Mehrzahl aller Jugendlichen selbst getätigte Normverletzungen angibt.
Die Hell- und Dunkelfeldforschung bestätigen beide die erhöhte Kriminalitätsrate in der Jugendzeit (vgl. Schwabe ebd., vgl. Kapitel 3.2). Allerdings ist selbst bei dieser Aussage zu berücksichtigen, dass es sich sowohl bei den Erkenntnissen aus dem Hell- als auch aus dem Dunkelfeld um keine Abbildungen der Realität handelt. Die Kriminalität ist nicht vollständig durchleuchtet und nicht alle Straftaten, auch von Erwachsenen, sind bekannt (vgl. Dölling 2008, S. 156). Darüber hinaus gilt es im Forschungsfeld der Jugendkriminalität zu beachten, dass über viele vermeintliche Wissensbestände kein Konsens herrscht. Dies liegt unter anderem an den unterschiedlichen Disziplinen sowie den Hintergründen und Absichten der Forscher*innen (vgl. Dollinger & Schabdach 2013, S. 12, vgl. Kapitel 2.2).
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, inwiefern Jugenddelinquenz als ubiquitäres (allgegenwärtiges) Phänomen zu betrachten ist, und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2. Jugendphase: Dieses Kapitel definiert Jugend sowohl aus entwicklungspsychologischer Perspektive als auch als soziales Konstrukt, um die Bedingungen für das Aufwachsen zu verstehen.
3. Jugenddelinquenz: Es erfolgt eine begriffliche Klärung sowie die Analyse von Hell- und Dunkelfeldstudien, wobei zwischen episodischem, jugendtypischem Verhalten und intensiven Delinquenzverläufen unterschieden wird.
4. Jugenddelinquenz als ubiquitäres Phänomen: Hier werden theoretische Erklärungsansätze, Einflüsse auf den Lebenslauf sowie der Etikettierungsansatz diskutiert, um die Entstehung von Delinquenz zu hinterfragen.
5. Perspektivwechsel: Anhand der Ansätze von Roland Anhorn wird kritisch beleuchtet, wie die Jugend durch gesellschaftliche Diskurse und Zuschreibungen zum „sozialen Problem“ stilisiert wird.
6. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert einen reflektierten Umgang mit jugendlichen Straftätern, um stigmatisierende Folgen durch das System zu vermeiden.
Jugenddelinquenz, Adoleszenz, Jugendkriminalität, Ubiquität, Episodenhaftigkeit, Entwicklungsaufgaben, Labeling Approach, Stigmatisierung, Sozialisation, Dunkelfeldforschung, Intensivtäter, Kriminologie, Entwicklungspsychologie, Devianz, Prävention
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Jugenddelinquenz und analysiert, warum das Begehen von Straftaten im Jugendalter als weit verbreitetes, teils „normales“ Entwicklungsmerkmal angesehen werden kann.
Die Themen umfassen die Definition der Jugendphase, die Unterscheidung zwischen typischer Gelegenheitsdelinquenz und schwerer Kriminalität sowie die gesellschaftliche Stigmatisierung junger Menschen durch Kontrollinstanzen.
Das Hauptziel besteht darin, die Ubiquität (Allgegenwärtigkeit) von Jugenddelinquenz wissenschaftlich darzulegen und die Diversität der Erklärungsansätze für dieses Phänomen aufzuzeigen.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literatur- und Forschungsstandanalyse basiert und verschiedene psychologische sowie soziologische Erklärungsmodelle kritisch gegenüberstellt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Jugendphase, die differenzierte Betrachtung delinquenter Verhaltensweisen, deren Ursachenzusammenhänge im Lebenslauf und die kritische Auseinandersetzung mit Diskursen über Jugendliche als „soziales Problem“.
Wesentliche Begriffe sind Jugenddelinquenz, Labeling Approach, Ubiquität, Entwicklungsaufgaben, Adoleszenz und Stigmatisierung.
Die Arbeit differenziert zwischen „episodischen“ Tätern, deren Verhalten als jugendtypisch und vorübergehend gilt, und „Intensivtätern“, deren Delinquenz oft auf komplexere, belastende Lebenshintergründe hinweist.
Der Labeling Approach dient dazu, aufzuzeigen, dass Kriminalität nicht nur eine individuelle Tat ist, sondern oft erst durch gesellschaftliche Zuschreibungen und institutionelle Reaktionen geschaffen oder verfestigt wird.
Seine Position wird als Kontrast zu ätiologischen (ursachensuchenden) Modellen genutzt, um zu verdeutlichen, dass die Debatte über Jugenddelinquenz oft selbst ein Instrument der gesellschaftlichen Machtausübung und Kontrolle ist.
Die Arbeit warnt vor rein repressiven Maßnahmen, da diese häufig zu einer weiteren Stigmatisierung führen und die Gefahr bergen, kriminelle Karrieren eher zu verfestigen als zu beenden.
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